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Morning Briefing Ukrainisches Flugzeug: Absturz durch Abschuss

10.01.2020 - 06:00 Uhr 2 Kommentare

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

auch nach den Deeskalationsbemühungen der US-Regierung ist eine Lösung des Iran-Konflikts noch lange nicht erreicht. Nach den Worten von Vize-Präsident Mike Pence will Donald Trump die Verbündeten in den kommenden Tagen anrufen und zur Aufgabe des Atomabkommens mit dem Iran auffordern. Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China, Russland sowie die EU hatten sich zuletzt zu dem Abkommen bekannt. Doch dieses Bekenntnis könnte bald hinfällig werden. Trumps Forderung nach einem „neuen Deal“ mit dem Iran ist überzeugend.

Quelle: dpa
Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau glaubt, dass der Iran die Boeing bei Teheran abgeschossen hat.

Für zusätzliche Spannungen im Iran-Konflikt sorgt der Absturz einer ukrainischen Boeing bei Teheran, bei der alle 176 Passagiere ums Leben gekommen sind, darunter 63 Kanadier. Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau sagte gestern in einer TV-Ansprache, man habe Informationen, dass die Maschine von einer iranischen Rakete getroffen worden sei. Der Abschuss sei möglicherweise nicht absichtlich geschehen, aber Kanada habe jetzt Fragen, die beantwortet werden müssten. Auch die USA gehen von einem versehentlichen Abschuss durch die iranische Luftabwehr aus. Der Iran dementiert das. Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer.

Die Weltbank hat die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 2,7 auf nur noch 2,5 Prozent für das laufende Jahr gesenkt. Dieser niedrige Wert kann nur als Alarmsignal interpretiert werden – vor allem für das Exportland Deutschland. Für Experten ist die Korrektur nach unten keine Überraschung. Protektionismus, Nationalismus und Handelskriege sind nun einmal Gift für den Welthandel. Das Wirtschaftswunder der vergangenen zehn Jahre ist unwiederbringlich vorbei.

Besonders hart trifft es aktuell die deutschen Maschinenbauer. Im November schrumpften die Aufträge um 15 Prozent. Die Schlüsselindustrie der Deutschland AG leidet unter der Abkühlung der Weltkonjunktur, den globalen Handelsstreitigkeiten – und neuen Wettbewerbern aus China, die nicht nur billiger sind, sondern auch qualitativ immer mehr mithalten können.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller plädiert im Handelsblatt-Interview für einen Neustart der Beziehungen zwischen der EU und Afrika. „Wir müssen Afrika fair behandeln“, mahnt der CSU-Politiker und fordert einen „Jahrhundert-Pakt“. Dieser Pakt müsse Hunger und Armut bekämpfen, den geplanten „Green Deal“ auf Afrika ausweiten, ein Abkommen über Sicherheit und geregelte Migration beinhalten sowie die Handelsbeziehungen fair regeln. Der Entwicklungsminister hat mit jeder Forderung recht. Jetzt müssen den Worten nur noch Taten folgen.

Quelle: dpa
Daimler Vorstandschef Ola Källenius versucht, den Autokonzern zu transformieren.

Für Daimler gab es zuletzt nur noch wenig Grund für positive Nachrichten. Mehrere Gewinnwarnungen musste der Stuttgarter Autokonzern verkünden, der Aktienkurs hat seit Amtsantritt von Vorstandschef Ola Källenius mehr als zehn Prozent seines Werts verloren. Nun überrascht der Traditionskonzern mit positiven Zahlen: Im vergangenen Jahr hat Daimler mit 2,34 Millionen Pkws mehr Autos verkauft als im Vorjahr. Im Premiummarkt ist der Dax-Konzern damit weiter die Nummer eins. Ola Källenius ist mit der Transformation von Daimler noch lange nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.

Auf den ersten Blick ist die Geldanlage in Dax-Werten ein lukratives Geschäft. Im vergangenen Jahr legte der deutsche Leitindex um mehr als 25 Prozent zu. Und aktuell ist er nur noch wenige Punkte von einem neuen Rekordhoch entfernt. Doch anders als international üblich werden bei der Dax-Performance auch die ausgeschütteten Dividenden berücksichtigt. Ohne diesen Bewertungstrick stagniert der wahre Wert der Dax-30-Konzerne seit 20 Jahren, wie Handelsblatt-Börsenexperte Ulf Sommer für die aktuelle Titelgeschichte „Erfolgreich ohne Dax“ ausgerechnet hat.

Der amerikanische Dow-Jones legte in dieser Zeit um sagenhafte 280 Prozent zu. Aber nicht nur die Wall Street schlägt den Dax. Auch die Aktienmärkte in unseren Nachbarländern Schweiz, Österreich und Dänemark laufen besser, auch der Hang Seng in China oder der japanische Nikkei. Das Ergebnis sollte ein Warnsignal an die Politik sein: Die internationalen Investoren verlieren zunehmend das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Notwendig wäre ein Reformprogramm, das Deutschland nachhaltig zukunftsfest macht. Doch davon fehlt jede Spur. Winston Churchill, der große britische Premierminister, kommt einem in den Sinn: „Man löst keine Probleme, indem man sie auf Eis legt.“

Wenig überraschend kommt der aktuelle ARD-DeutschlandTrend zu dem Ergebnis, dass das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Regierungsparteien unter den Bürgern rückläufig ist. Beim Thema Flüchtlings- und Einwanderungspolitik spricht nur jeder vierte Bürger (24 Prozent) der Union eine Lösungskompetenz zu, der SPD sogar nur 12 Prozent. Vor der Bundestagswahl 2017 waren es noch 38 beziehungsweise 20 Prozent. Bertolt Brecht hat das Problem auf den Punkt gebracht: „Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird.“

Und dann ist da noch die junge finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin, die in den Medien für eine eifrige Diskussion über Arbeitszeit gesorgt hat, von „Brigitte“ bis MDR. Die weltweit kolportierte Meldung, die auch hier im Weckdienst zu lesen war, wonach Finnland eine Vier-Tage-Woche mit sechsstündigen Arbeitstagen plane, ist in dieser Zuspitzung zwar falsch. Marin hatte jedoch im August 2019 in Turku – vor ihrer Wahl zur Regierungschefin am 10. Dezember – allgemein über eine kräftige Arbeitszeitreform als Ziel der finnischen Sozialdemokraten gesprochen. Zur Diskussion steht somit weiterhin Marins Aussage, die Menschen verdienten es, „mehr Zeit mit ihrer Familie, mit ihren Lieben, mit ihren Hobbys und anderen Aspekten ihres Lebens zu verbringen – wie Kultur“. Dieser Gedanke ist offenbar nicht mehr aus der Welt zu bringen – auch wenn es hierfür aktuell keinen konkreten Plan gibt.

Ich wünsche Ihnen ein arbeitsfreies und erholsames Wochenende.

Herzliche Grüße, Ihr
Sven Afhüppe
Chefredakteur

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2 Kommentare zu "Morning Briefing: Ukrainisches Flugzeug: Absturz durch Abschuss"

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  • Korrektur:

    „Und dies anhand des darin gezeigten Nachweises (durch das Beispiel zunehmend erfolgreicher Unternehmer) dafür, dass ...“

  • Egal ob der Abschuss möglicherweise (hoffentlich!) nur ein tragisches „Versehen“ war oder nicht: Er ist in jedem Fall eine weitere direkte Folge völlig überflüssiger Machtkämpfe der sogenannten „internationalen Politik“, der - einmal mehr - unendliches Leid über die vielen Angehörigen der Opfer gebracht hat.

    Zu der heutigen Schlagzeile „Im Handel werden nur die Großen überleben“:

    Es dürfte kaum ein besseres bzw. anschaulicheres Beispiel für die fatalen Auswirkungen dieser „Prognose“ (sollte sie sich tatsächlich bewahrheiten), also der Konzentration von Macht in den Händen einzelner (bzw. fehlender Demokratie und der damit direkt zusammenhängenden fehlenden Transparenz in Wirtschaft und Politik) für die gesamte menschliche Existenz als solche geben als nachfolgend verlinkte Dokumentation auf Phoenix.de (die Sendung wird heute, 10.01. um 12:45 und 18:30 Uhr sowie Montag, 13:01. um 16:00 Uhr wiederholt). Und an den darin gezeigten zunehmend erfolgreicher Unternehmer dafür, dass Gerechtigkeit, die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen und menschenwürdige (das heißt vor allem: selbstbestimmte) Arbeit - also nicht nur ein menschenwürdiges Leben (und das in einer Umwelt, in der es sich überhaupt noch leben lässt!) KEINE Frage der Geldverteilung - und überhaupt des Geldes - ist:

    phoenix.de/sendungen/dokumentationen/vergiftete-fluesse-a-1074965.html

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