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Morning Briefing Union-Kronprinzen im Rededuell

27.02.2020 - 06:16 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

der politische Aschermittwoch stellt das staunende Publikum vor die Aufgabe, die vielen Kürläufer der Union bei ihrem „Holiday on Ice“ zu bewerten. Da ist Friedrich Merz, der sich – anders als behauptet – bei seiner Kehraus-Rede in Thüringen durchaus teamfähig zeigt, natürlich nur, wenn er dabei die Leitung hat. Da ist Armin Laschet, der in Merzens Heimat Sauerland demonstrativ aller schweren Theorie entsagte und der tosenden Menge in der Schützenhalle entgegenschleuderte: „Ich will einfach nur machen.“ Und schließlich tritt mit Markus Söder in Passau ein Ministerpräsident auf, der sein Bayern ohnehin als eine Art eigenen Staat sieht – und sich selbst damit stante pede als kanzlerfähig. Natürlich waren alle drei beim künstlerischen Eindruck der Bestnote nahe, wenn sie sich des Gegners annahmen: Der befand sich an diesem Tage nicht in den eigenen Reihen, sondern wahlweise bei AfD, Linke und Grüne.

Quelle: Reuters
Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn.

Der Mann, der seine größere politische Zukunft wahrscheinlich noch vor sich hat, fiel an diesem Aschermittwoch nicht mit einer Bierzeltrede auf, sondern als Krisenmanager. Also sprach Gesundheitsminister Jens Spahn: „Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland“ und bereitete flugs mit dem Fachpersonal der Republik – von den Länderministern abwärts bis zu Apothekern und Pflegern – geeignete Gegenmaßnahmen vor. Vom Absagen von Großveranstaltungen hält Spahn nichts, man könne nicht „das gesamte öffentliche Leben in Deutschland, Europa und der Welt beenden“. Mindestens zwölf Menschen sind in Deutschland inzwischen infiziert, und in NRW sucht der Coronavirus-Krisenstab 300 Menschen, die eine der von Spahn genannten Großveranstaltungen besucht hatten: eine Karnevalssitzung in Heinsberg. Aufgrund der ständig steigenden Zahlen sorgen sich viele um die globale Ökonomie. Die Welt ist in Alarmstimmung.

Er war der Mann hinter dem Monsanto-Deal. Ein Veteran des Bayer-Konzerns, der sich bis zum CEO-Posten hochgekämpft hatte und anschließend als Strippenzieher weitermachte. Nun gibt der 73-jährige Werner Wenning – zwei Jahre vor Vertragsende – den Vorsitz im Aufsichtsrat zur Hauptversammlung Ende April ab, was in Investorenkreisen weniger auf Skepsis stößt als die Wahl des Nachfolgers. Norbert Winkeljohann bringe zu wenig industrielle Führungserfahrung sowie mangelnde Expertise im Agrar- und Pharmageschäft mit, sagten Aktionärsvertreter der Fondsgesellschaften Deka und Union meinen Kollegen. Unter einem Begrüßungstusch wird sich der 62-jährige einstige Deutschlandchef der Prüfergemeinde PwC etwas anderes vorgestellt haben.

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    Die Not macht in diesem Fall nicht erfinderisch, sondern einfach nur „finderisch“. Ein Investor mit tiefen Taschen soll schnell her, damit der Verkauf der höchst profitablen Aufzugssparte Elevator möglichst viel Geld in die geleerte Kasse von Thyssen-Krupp bringt. Über diese Zukunftsfrage entscheidet heute der Aufsichtsrat des Essener Stahlkonzerns, dem Gebote eines Nordamerika-Konsortiums mit den Private-Equity-Granden Blackstone und Carlyle sowie dem Canada Pension Plan einerseits vorliegen. Andererseits zeigt auch eine Allianz aus dem britischen Investor Cinven, der US-Firma Advent, der Abu Dhabi Investment Authority sowie der ebenfalls in Essen beheimateten RAG-Stiftung Interesse. Weil es in der Kumpelzone Ruhrgebiet immer auch um soziale Verantwortung und Gewerkschaftswohlwollen geht, werden der RAG-Bietergemeinschaft eindeutig bessere Chancen eingeräumt.

    Deutschland diskutiert auch heute über ein Thema, das Karlsruhe aufgebracht hat: Dort entschied das Bundesverfassungsgericht in einem spektakulären Urteil, dass sich Ärzte nicht mehr strafbar machen, wenn sie bei einem Suizid helfen. Jeder Mensch habe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, was sich nicht nur auf schwere und unheilbare Krankheiten beschränkt, so die Juristen. Was von Sterbehilfevereinen und Palliativmedizinern umgehend begrüßt wurde, findet bei Konservativen und Kirchenvertretern viel Kritik. Ex-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zum Beispiel befürchtet eine „Normalisierung der Selbsttötung als Handlungsoption“. Für die Bundesregierung beginnt nun die schwierige Aufgabe, per Gesetz sicherzustellen, dass auf kranke Menschen bei Suizid-Überlegungen kein Druck ausgeübt wird und sich keine gewerbsmäßige Industrie breitmacht. Im Urteil regen die Richter konkrete Beratungspflichten an.

    Im Fußball haben England, Frankreich, Spanien und Italien allesamt starke Hauptstadtvereine, Deutschland aber hat Hertha BSC. Mit den Millionen des Investors Lars Windhorst, schon zu Helmut Kohls Zeiten eine adoleszente Standorthoffnung, wollte Jürgen Klinsmann deshalb einen „Big City Klub“ schaffen, ist aber nach der Ausbootung als Trainer und Aufsichtsrat nunmehr mit dem Abspielen schmutzigster Lieder beschäftigt. Aus seinem Umfeld geriet ein Protokoll in die Öffentlichkeit, das sich wie der finale Report eines frustrierten Sanierungsberaters liest. So herrsche bei Hertha BSC Berlin auf allen Ebenen Inkompetenz, namentlich in der Geschäftsleitung, der Medienabteilung und in der Medizin. Es gebe eine „Lügenkultur“ sowie „keine Leichtigkeit und Freude“ im Verein. Wer diese Rechtfertigungsschrift liest, weiß, woran Klinsmann glaubt: dass ein Börsengang, noch mehr Geld von Windhorst sowie Sponsorenverträge mit Amazon und Tesla nur mit ihm möglich seien.

    Quelle: AP
    George Clooney ist "traurig gestimmt" angesichts öffentlicher Vorwürfe, es gebe Kinderarbeit in einer Kaffeefarm, die an Nespresso liefert.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch US-Schauspieler und Werbe-Zampano George Clooney, der seit Langem als Gesichtsvermieter für die kapsulare Umweltkatastrophe Nespresso wirkt. Anlässlich seiner Auftritte als Markenbotschafter der Nestlé-Tochter zeigt er sich nun „überrascht und traurig gestimmt“ – wegen öffentlicher Vorwürfe, es gebe Kinderarbeit auf Kaffeefarmen, die an Nespresso liefern. Eine Dokumentation auf Channel 4 hatte Bilder und Belege aus Guatemala geliefert. Clooney befand schließlich: Natürlich habe sein Auftraggeber noch Arbeit zu leisten, aber die werde auch geleistet. Da er bis zum Alter von zwölf Jahren selbst auf einer Tabakfarm in Kentucky aufwuchs, seien ihm die Themen Farming und Kinderarbeit gut bekannt, versicherte der Kaffeetrinker aus Hollywood auch noch. Das war sozusagen die Krönung.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag mit guten Kaffeegesprächen.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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