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Morning Briefing US-Konsumenten leiden unter Trump

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

wenn sich die EU-Außenminister heute in Brüssel treffen, dürfte die jüngste „Hau-den-Lukas„-Anstrengung von Donald Trump die Hauptrolle spielen. Der Versuch also, den Handelskriegsgegner China mit weiteren Strafzöllen in die Knie zu zwingen. Die größte EU-Hoffnung dürfte nun sein, dass sich auch in Washington ökonomische Logik nicht per Dekret oder „Executive Privilege“ wegzaubern lässt. Trumps Chefwirtschaftsberater Larry Kudlow bekennt, auch US-Konsumenten hätten einen Teil der Last zu tragen: „Beide Seiten zahlen bei solchen Sachen dafür.“ Und zwar über höhere Preise oder schlechtere Verfügbarkeit von Produkten. Wegen des China-Problems rechnet EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström denn auch nicht damit, dass Trump in dieser Woche (ursprüngliche Frist: 18. Mai) Zölle auf EU-Autos erhebt.

Vielleicht wird der US-Präsident eines Tages wie einst Glühbirnen-Erfinder Thomas Edison schwören, er habe wirklich nicht versagt: „Ich habe mit Erfolg zehntausend Wege entdeckt, die zu keinem Ergebnis führen.“

Angesichts der aktuellen Trump-Spannungen wurde am Sonntag mancher im Land wehmütig, als an 70 Jahre Luftbrücke erinnert wurde: an die Versorgung der von russischen Streitkräften eingeschlossenen West-Berliner Bevölkerung durch US-„Rosinenbomber“. Es herrschte Kalter Krieg, Waren und Wahrheit wurden vermisst. Auch heute sind offenbar russische Desinformationsgeschwader im Einsatz, enthüllt die „New York Times“. Danach seien EU-Ermittler auf Hunderte von Facebook- und Twitter-Accounts gestoßen, über die Fake News zu Europa, Nato und Migration verbreitet wurden. Der Brand von Notre-Dame war demnach ein islamistischer Terrorangriff. Russland unterstütze, so die Recherche, nicht nur die rechtslastige AfD, sondern auch zwei linke Gruppen, „Antifa West Berlin„ und „Antifa Nord Ost„. Der Dichter Gottfried Benn hatte noch Hoffnung: „Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird es nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.“

Quelle: Reuters
Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff will mit einem Strategieschwenk den Niedergang des Traditionskonzerns stoppen.

Eine bemerkenswerte Kehrtwende legt Thyssen-Krupp hin, eine fast schon akrobatische Leistung, die mit den EU-Einsprüchen gegen die einst geplante Stahlfusion mit Tata begründet wird. Nun will Konzernchef Guido Kerkhoff das Essener Großgebilde nicht mehr wie geplant zusammenhalten, sondern den Diamanten unter den Glasperlen im Sortiment – die eigene Aufzugsparte – an die Börse bringen: „Das werden wir schnellstmöglich angehen“, sagt er unserer Redaktion. Bestätigt fühlen darf sich der lange als lästiger Großaktionär eingestufte Private-Equity-Spezialist Cevian, der solche Einzelverwertung früh gefordert hat. Auch Werften sowie Teile des Komponenten- und Anlagenbaugeschäfts sind disponibel. Der Sommerschlussverkauf beginnt in Essen diesmal etwas früher.

Ausverkaufsstimmung macht sich auch beim hochverschuldeten Bayer-Konzern breit: Chemieparks und Tiermedizin werden Finanzinvestoren offeriert. Es wird immer klarer, dass sich die Leverkusener mit dem Kauf des Skandal-Agrarspezialisten Monsanto verhoben haben – für den sie sich nun auch noch entschuldigen müssen. In Frankreich hatte die Glyphosat-Firma mithilfe der PR-Agentur Fleishman Hillard eine Geheimliste mit 200 Personen geführt, darunter die Politikerin Ségolène Royal; allerlei Daten und Informationen waren hier aufgeführt. Die Klientel war in vier Kategorien eingeteilt: „Verbündete“, „Potenzielle Verbündete zum Rekrutieren“, „Zum Erziehen“ und „Zu Beobachten“. Medien und Journalisten klagen nun gegen diese Art Konzern-Stasi. Man wüsste im Übrigen auch gern, wie solche Listen eigentlich in Deutschland aussehen.

Sie sahen ihr Konterfei zum unternehmerischen Start auf dem Cover des „Manager Magazins“, konnten sich also ein wenig als Rockstars der Finanzbranche fühlen, die den an der Nullzins-Epidemie leidenden Sparern mit ihrem „Zukunftsfonds“ schon den Weg zu Onkel Dagoberts Geldspeicher weisen würden: Leonhard („Lenny“) Fischer, einst Chef von Winterthur, und Kai Diekmann, viele Jahre Chef von „Bild“. Nach einem Jahr zeigt sich, dass das Fondsvermögen ihrer Innovation seit Start nur von elf Millionen auf mehr als 15 Millionen Euro gestiegen ist, bei 3,8 Prozent Verlust. Nun kündigt das Duo neue Vertriebspower an, „mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“ (Fischer). Man könnte auch sagen, dass die Sache mit der Titelstory bisher der größte Erfolg der Aktion Eichhörnchen war.

Viel wäre gewonnen, wenn sich die Bundesregierung einmal stärker auf ein Thema konzentrieren würde: die Zukunft und ihre Gestaltung. Genau das will die Veranstaltung „Handelsblatt C-Suite“ am 4. und 5. Juli im Schlosshotel Berlin schaffen. „Dazu leisten junge wie etablierte Unternehmen ihren Beitrag und schaffen so eine einmalige kreative Atmosphäre“, sagt Berater-Doyen Roland Berger über die „C-Suite“, zu der wir gemeinsam mit ihm einladen. Mit dabei sind unter anderem Altkanzler Gerhard Schröder, Siemens-Vorstandsfrau Janine Kugel, Börsenchef Theodor Weimer, Bankmanagerin Dorothee Blessing oder Start-Up-Förderer Christian Miele. Noch sind einige Plätze frei, nicht umsonst, aber unbezahlbar. Informationen unter www.handelsblatt-c-suite.de.

Quelle: dpa
Familienministerin Franziska Giffey verfasste ihre Dissertation zum Thema „Europas Weg zum Bürger - Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“.

Und dann ist da noch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die im Job so gut ankommt, dass ihr Genossen schon Kanzlerkandidatinnenreife attestieren. Alles schön und gut, wenn da nicht ihre Doktorarbeit an der Freien Universität Berlin wäre. Sie weist offenbar auf 205 Seiten exakt 119 Belege für Plagiate auf, womit sie in Guttenbergsche Dimensionen entschweben könnte. Seit Februar läuft die offizielle Prüfung, und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat jetzt zum wiederholten Male den Rücktritt der 41-Jährigen ins Spiel gebracht: „Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, gehe ich davon aus, dass die SPD an ihre eigene Ministerin die gleichen Maßstäbe anlegt, die sie an die Unionsminister angelegt hat.“ Hier wird ganz offenbar mit Wucht der Regierungsumbau nach der Europawahl vorbereitet, vielleicht auch der Anfang vom Ende.

Ich wünsche Ihnen einen fehlerfreien Start in diese Mai-Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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