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Morning Briefing US-Staatsanwalt verklagt Amazon

26.05.2021 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Wirtschaftsnachrichten zu lesen, das ist mittlerweile ein ähnliches Vergnügen, wie in der weltältesten Kraftsportzeitschrift „Athletik“ über immer mehr Kilogramm zu lesen, die die Akteure stemmen. Amazon beispielsweise – globaler Großlogistiker mit angeschlossenem Medien- und Supermarktkonzern – wird in Kürze das Hollywood-Studio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) übernehmen. Mittlerweile ist da so viel Kraft zusammengekommen, dass der Staatsanwalt von Washington DC den von Jeff Bezos gegründeten Konzern wegen wettbewerbsfeindlicher Praktiken verklagt hat.

Der Online-Handelsriese würde unabhängigen Anbietern verwehren, ihre Waren auf anderen Plattformen günstiger anzubieten, lautet der Vorwurf. In Deutschland hat das Bundeskartellamt vor einer Woche ein Verfahren gegen den Konzern eingeleitet, um dessen Marktposition zu prüfen. Wir wollen keinem Urteil vorgreifen, nur so viel: Es sind eindeutig zu viele ökonomische Anabolika im Wettbewerb.

Quelle: Reuters
Mehr als sieben Milliarden Euro wurden für den Sportwagenhersteller Lamborghini geboten.

Die neue Kraftmeierei der Weltwirtschaft macht keine Unterschiede, sie umfasst alle Branchen: hochdigitalisierte und wenig digitalisierte, klassische und moderne. Im Automarkt macht die in Zürich neu formierte Holding Quantum Group zusammen mit der Londoner Investmentfirma Centricus dem Volkswagen-Konzern ein erstes, hochtouriges Angebot: 7,5 Milliarden Euro für die Sportwagentochter Lamborghini. VW-CEO Herbert Diess als auch Audi-Gefährte Markus Duesmann sind eingeweiht.

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    Interessant, dass mit Rea Stark ein Quantum-Repräsentant auftritt, der das Elektroauto-Start-up Piëch Automotive mitgründete. Im Management dieses Züricher Betriebs wirken Anton Piëch, Sohn des verstorbenen VW-Patrons Ferdinand Piëch, sowie Ex-VW-Vorstandschef Matthias Müller. VW dementiert im Übrigen Verkaufspläne – schließlich habe man erst vor Monaten Bugatti-Chef Stephan Winkelmann zum CEO von Automobili Lamborghini gemacht.

    Grafik

    Größenrausch überfallt viele Firmenlenker von Zeit zu Zeit. Und so fragen wir: Wer will eigentlich diesen Deal? Wer ist dafür – außer den CEOs selbst –, dass mit Vonovia ein Dax-Konzern einen anderen Dax-Konzern kauft? 18 Milliarden Euro werden für den Noch-Rivalen Deutsche Wohnen fällig. Aus Fondskreisen dringt das vergiftete Lob, hier werde wenigstens etwas getan. Getan wird, was wir seit Jahren beobachten: dem System Marktwirtschaft den letzten Fetzen jenes Elements auszutreiben, das ganz simpel „Wettbewerb“ heißt.

    In der Politik findet der immense Eigenbedarf von Vonovia keine Freunde. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bringt im Handelsblatt ein Mietenmoratorium ins Spiel, FDP-Chef Christian Lindner wiederum sieht den immobilen Größenrausch als Folge der Berliner Wohnungspolitik: „Wer von reguliertem Wohnungsmarkt, staatlichen Mietpreisen und Enteignungen träumt, fördert die Konzentration auf dem Wohnungsmarkt.“

    Quelle: dpa
    Die Chefs von Vonovia Rolf Buch (links) und Deutscher Wohnen Michael Zahn unternehmen einen zweiten Fusionsversuch.

    Im Handelsblatt-Gespräch geben sich die Vorstandschefs Rolf Buch (Vonovia) und Michael Zahn (Deutsche Wohnen) als vom Vorwärtsdrang überwältigte Kameraden, die unentwegt Skalierung und Synergien preisen – die Gebrauchsvokabeln großer Deals. Die Berliner Politik charmieren die beiden mit dem Angebot, der Stadt aus dem Bestand 20.000 Wohnungen zu übertragen. Die Investoren – Großaktionäre wie Blackrock und der norwegische Staatsfonds Norges Invest sind bei beiden Firmen heimisch – sieht das Fusionsduo mittlerweile auf seiner Seite.

    • Rolf Buch verweist auf Gespräche, die man geführt habe: „Wir machen uns keine Sorgen, dass wir einen signifikanten Anteil der Aktien relativ schnell bekommen werden.“
    • Michael Zahn wiederum argumentiert mit der Marktreaktion: „Die besagt, klar – der Deal kommt. Und es gibt auch wenig Grund, nicht daran zu glauben.“

    Die Wahrnehmung ist etwas einseitig: Während Deutsche Wohnen gestern um 15 Prozent zulegte, verlor Vonovia um rund sechs Prozent. Von André Gide gibt es eine kleine Weisheit zu großer Selbstwahrnehmung: „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“

    Einen Monat ist es her, dass unter dem Einfluss großer Investoren rund um die US-Bank JP Morgan zwölf Fußball-Spitzenklubs in allerhöchsten Sphären unterwegs waren – und die Gründung einer neuen „Super League“ ausriefen. Sie sollte die „Champions League“ des europäischen Fachverbands Uefa ablösen. Von der Zwölfer-Verschwörung sind nur drei sehr verschuldete, gerade mal nicht meisterfähige Frondeure verblieben: Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin. Die düpierte Uefa überzieht diese nun mit einem Disziplinarverfahren, fußend auf eigenen Untersuchungen. Es gehe um „mögliche Verstöße gegen die rechtlichen Rahmenbedingungen“, heißt es. Fazit: Das klingt ganz anders als die Erklärung des attackierten Trios, man habe doch nur zum „Wohle des Fußballs“ gehandelt.

    Quelle: Reuters
    Weltweit kürzte im ersten Quartal 2021 nur noch jedes fünfte Unternehmen seine Dividende. 2020 waren es noch jedes dritte.

    Aus dem Corona-Dilemma haben viele Firmen noch nicht richtig herausgefunden, doch mit dem Geld gehen sie wieder spendabler um. 2021 gibt es wieder mehr Ausschüttungen, darauf weist das ökonomisch gute erste Quartal hin. Der Trend zum Kappen der Dividende sei gestoppt, heißt es in einer Studie des britischen Fondsanbieters Janus Henderson, die uns vorliegt. Nur noch jedes fünfte Unternehmen habe sich entschlossen, die Ausschüttung zu drosseln, 2020 noch war ein gutes Drittel hierzu bereit.

    Die Experten haben ihre Dividendenprognose für 2021 auf 1,36 Billionen Dollar angehoben, ein Vorjahresplus von 8,4 Prozent. Weil es so schön ist, erinnern wir an dieser Stelle an den Bankier Carl Fürstenberg: „Aktionäre sind dumm und frech: dumm, weil sie Aktien kaufen, und frech, weil sie dann auch noch Dividende haben wollen.“

    Die Corona-Pandemie lässt Firmen ihre Lieferketten neu sortieren, Investitionen überdenken, die Finanzierung umstellen. Eine zentrale Rolle haben dabei die Finanzvorstände – sie müssen die Balance finden zwischen Sicherheit und Risiko. Darüber möchten wir mit Ihnen auf unserem digitalen CFO-Summit am 8. und 9. Juni sprechen. Mit dabei sind unter anderem die Finanzchefs von Bayer, Biontech, BMW, Hertha BSC Berlin und Deutsche Wohnen. Wenn Sie mitdiskutieren wollen, können Sie bis Freitag mit dem Zugangscode D2100518MB an der Verlosung eines Gast-Tickets teilnehmen.

    Und dann ist da noch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, vulgo die „Wirtschaftsweisen“, die nach internem Streit das Mittel der „Job-Rotation“ entdecken. Nachdem sich Veronika Grimm, Monika Schnitzer, Volker Wieland und Achim Truger nicht darauf einigen konnten, wer von ihnen Vorsitzender wird, verständigten sie sich darauf, „dass der Rat bis auf weiteres von ihnen gemeinsam geleitet wird“, also im Wechsel.

    Da es nach alphabetischer Reihenfolge geht, ist die Ökonomin Grimm zuerst am Zug. Zur Vakanz war es gekommen, weil die SPD den Ende Februar ausgelaufenen Vertrag des bisherigen Ober-Weisen Lars Feld nicht verlängern wollte, anders als die Union. Erst nach der Bundestagswahl erreicht das Gremium wohl wieder Normalmodus. In seinen Jahresgutachten mangelt es im Übrigen nicht an Zahlen, wohl aber an Bonmots, weshalb hier der große Kurt Tucholsky zum Schluss verabreicht wird: „Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen.“

    Ich wünsche Ihnen einen Tag vom Allerfeinsten.

    Es grüßt Sie herzlich
    Ihr
    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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