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Morning Briefing USA vs. Deutschland

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Winterferien sind für viele mit diesem Montag erst einmal zu Ende: Der Blick auf die Wirtschaft zeigt eine außer Rand und Band geratene US-Regierung. Wie im Fall Iran demonstriert sie auch beim Bau der Ostsee-Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, dass Marktwirtschaft für sie Machtwirtschaft ist. Nach unseren Informationen üben die USA derzeit stärksten Druck auf die beiden Spezialfirmen aus, die die Röhren für Nord Stream 2 verlegen. Solche Unternehmen seien „immer in Gefahr, da Sanktionen durchaus möglich sind“, droht US-Botschafter Richard Grenell. Hier schwingt der Knüppel in der Luft. Der Protektionismus Washingtoner Art verwandelt souveräne Länder offenbar in Protektorate.

Quelle: Reuters
Olaf Scholz bringt sich als Kanzlerkandidat in Stellung.

Ein Ruck geht nicht gerade durchs Land, nachdem Finanzminister Olaf Scholz in der „Bild am Sonntag“ seinen Wunsch geäußert hat, vom Vizekanzler zum Kanzler aufzusteigen. Eher ist nervöses Hüsteln zu vernehmen. Wo ein Wille ist, ist noch lange kein Wähler. Mit 15 Prozent in den Umfragen ist seine SPD alles andere als eine heldenhafte Vereinigung in Five-Star-Format. Ihr fehlt das große Design, wie mit Globalisierung, Kapitalismus und Digitalität umzugehen ist. Den SPD-Vize Ralf Stegner bringt das Scholzsche Scharren im Handelsblatt denn auch zum leicht galligen Einwand, es würde gut tun, wenn sich „zum richtigen Zeitpunkt verschiedene Kandidaten mit unterschiedlichem Profil einem Mitgliedervotum stellen“.

Wie eine Monstranz trugen SPD-Führer bisher ihre Geschichtsbücher vor sich her. Die Partei hätte immer nationale Verantwortung gezeigt, etwa 1933 in der mutigen Rede des Genossen Otto Wels gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz. Immer klarer aber zeigt sich, dass die Partei 1919 auch eine unrühmliche Rolle spielte – und in Gestalt ihres Top-Funktionärs Gustav Noske an der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch das Freikorps beteiligt war. Das deutete jüngst sogar Parteichefin Andrea Nahles an. Am Dienstag in einer Woche jährt sich der Todestag der beiden langjährigen Sozialdemokraten, die der Protest gegen den Weltkrieg von der SPD entfernt hatte, zum 100. Mal. Zeit für mehr historische Ehrlichkeit.

Quelle: Reuters
Die Chefs von Siemens und Alstom: Joe Kaeser und Henri Poupart-Lafarge.

Frankreich debattiert darüber, ob die vereinbarte Eisenbahn-Fusion zwischen Siemens aus München und Alstom aus Paris scheitert: Die EU-Kommission habe sehr große wettbewerbliche Bedenken, berichten Zeitungen in unserem Nachbarland. Auch Großbritannien, Spanien, Belgien und die Niederlande hatten sich negativ geäußert. Für Alstom wäre ein Nein zu dem Deal „keine Katastrophe“, heißt es zudem vielsagend im Umfeld der Firma. (Man fürchtet Dominanz durch Siemens.) Für den französischen Wirtschaftsminister Bruno Le Maire ist dagegen klar, dass in diesem Markt nur Siemens-Alstom gemeinsam Chancen gegen den dominierenden Riesen CRRC aus China hätte: „Was braucht man noch, um aufzuwachen?“

Morgen beginnt in Las Vegas wieder die Consumer Electronics Show (CES), eine Mischung aus Digital-Basar und Zukunftsmesse. Der Trend diesmal: Künstliche Intelligenz in Alltagsgeräten, vom übersetzenden Kopfhörer über den sensitiven Roboter bis zum schlauen Katzenklo. Die Hardware tritt in den Hintergrund, Software siegt, schreiben unsere Korrespondenten Britta Weddeling und Axel Postinett aus der Wüste Nevadas. Google und Amazon besitzen demnach die besten Plattformen, um das vernetzte Zuhause, Büros und digitalisierte Autos künftig zu steuern. Ja, es wirkt ganz so, als sei diesmal Google Gastgeber der CES.

Morgen kommen die großen zehn Minuten des Carlos Ghosn, 64. Mehr Zeit hat er nicht, um vor einem Gericht in Tokio seine Unschuld zu beweisen – in Handschellen und Gefängniskleidung. Der Chef des französischen Autoherstellers Renault war bereits am 19. November arretiert worden, weil er in Japan sein Einkommen zu niedrig angegeben und sich am Kapital des Renault-Partners Nissan bereichert haben soll. Ghosn kann sich an den Philosophen Francis Bacon (1561-1626) halten: „Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot.“

Und dann ist da noch der Schauspieler Benedict Cumberbatch, 42, der an diesem Montag als großer TV-Star beim Versuch der Briten auftritt, das Drama der Trennung von der Europäischen Union künstlerisch zu verarbeiten. Cumberbatch spielt in „Brexit: The Uncivil War“ auf Channel 4 den Chef der Kampagne „Leave“, den konservativen Strategen Dominic Cummings, dem der Slogan „Take Back Control“ einfiel. Zum Brexit und zu möglichen russischen Einflüssen orakelt Cumberbatch/Cummings in dem Fernsehwerk: „Jeder weiß, wer gewonnen hat. Aber nicht jeder weiß, wie.“

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche und dass Sie dabei wirklich alles Nötige wissen. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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