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Morning Briefing Vertuschung im Weißen Haus

15.04.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Kunst des Politischen besteht darin, im Moment der Gefahr einfach neue Konfliktfelder zu eröffnen und neue Sündenböcke zu finden. US-Präsident Donald Trump hat sich nun einen Gegner zurechtgestellt, den er als viel zu chinafreundlich ansieht: die Weltgesundheitsorganisation WHO. Kurzerhand stoppt er alle Beitragszahlungen. Die Regierung solle prüfen, welche Rolle die WHO bei der „Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus“ gespielt habe, trompetet es. Wenn es um Vertuschung geht, kam bisher jedoch Trump selbst als Erster infrage: Er ignorierte Warnungen seines Beraters Peter Navarro, mehrerer Behörden sowie seines Ober-Virologen Anthony Fauci. Und redete lieber davon, dass dieses Virus eines Tages einfach verschwinden werde. Dass der Irrwisch des Weißen Hauses nun gegen den Widerstand von zehn Gouverneuren „allumfassende Macht“ bei Shutdown-Lockerungen für sich reklamiert, ist eine weitere Pointe mit Knalleffekt.

Quelle: dpa
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lehnt eine zeitnahe Öffnung der Schulen nach den Osterferien ab.

Beim 100-Meter-Sprint werden Frühstarter zurückgepfiffen, in der Politik hoffen sie, Bundestagswahlen zu gewinnen. Als es vor mehr als drei Wochen um Härte im Corona-Kampf ging, war keiner schneller als Markus Söder (CSU), der Frankenblitz vom Münchner Hofgarten. Wenn nun die ersten Öffnungen nach dem Kurzschluss von Gesellschaft und Wirtschaft („Lockdown“) zur Debatte stehen, wollte Armin Laschet diesmal scheinbar schneller sein, der grunddynamische Kanzlerkandidat der CDU. Der NRW-Ministerpräsident hat in einer Art Praecox-Politik die Öffnung von Kitas und Schulen für nächste Woche angekündigt – was wiederum Söder kritisiert, der Gastronomie, Hotellerie und große Feste „auf absehbare Zeit“ einschränken will. Ein bizarrer Schnelligkeits- und Krafttest leitet also die heutige Telefonschalte ein, mit der Kanzlerin Angela Merkel die Chefs der Bundesländer auf eine einheitliche Anti-Viren-Politik verpflichten will.

Klaus-Michael Kühne ist so etwas wie der Spediteur der Globalisierung. Nun befürchtet er, dass sich die internationale Arbeitsteilung auf einem niedrigeren Niveau einpendeln wird und manche Firma Teile ihrer Produktion aus dem Ausland zurückholt. Der in der Schweiz lebende Chef des Logistik- und Transportriesen Kühne + Nagel redet im Handelsblatt-Interview meist in Moll: „Ich denke, dass die jetzige Krise zu einer Verringerung des allgemeinen Lebensstandards und Wohlstands führen wird.“ Bitter findet der 82-Jährige, dass die Anlaufphase seines Hamburger Luxushotels „The Fontenay“ jäh abbricht und man nicht absehen kann, wann diese „verrückte Krise“ zu Ende geht.

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    Quelle: dpa
    Die Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Gita Gopinath, während einer virtuellen Pressekonferenz.

    Die Zahlen für Kühnes Düsternisgemälde kommen vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Er rechnet für 2020 mit drei Prozent weniger Wirtschaftsleistung auf dem Erdball, also mit der schlimmsten Rezession seit der Großen Depression vor 90 Jahren. In der Euro-Zone gehe das Bruttoinlandsprodukt um 7,5 Prozent zurück, in Deutschland um 7,0 Prozent, ehe es dann 2021 allgemein wieder aufwärtsgehe. Die Verluste durch Corona werden sich für 2020 und 2021 auf rund neun Billionen Dollar belaufen, berechnet Chefvolkswirtin Gita Gopinath.

    Weil wir alle aus dieser Krise herausfinden müssen, weil wir eine „Résistance“ gegen den Feind Corona brauchen, kommt es sehr auf Haltung und Kraft an – was die allzeit bereite Managementliteratur in die Vokabel „Resilienz“ packt. Darüber diskutiert mein Kollege Sebastian Matthes am Donnerstag, 16. April, 12 bis 13 Uhr, mit dem einstigen Formel-1-Piloten Nico Rosberg und dem Investor Frank Thelen. Beide sind Experten bei Stressbewältigung. Sie können den Sports- und Finanzmännern gerne ihre Fragen live stellen. Hier geht es zur kostenfreien Registrierung.

    Wenn es ums Geld geht, enden manchmal Debatten um Dividenden und Managergehälter wie ein Wunder auf Schlusspfiff. Weil der Adidas-Konzern – vor Corona noch Showcase des Finanzkapitalismus – nun 2,4 Milliarden Euro Darlehen von der Staatsförderbank KfW bezieht, stoppt auf Wunsch des Kreditgebers die in Herzogenaurach so beliebte Ausschüttung an Aktionäre. CEO Kasper Rorsted sichert sich zudem Liquidität durch einen 600-Millionen-Kredit eines Bankenkonsortiums sowie durch einen Totalverzicht des Vorstands auf Boni. Weil die Läden geschlossen sind, fehlt dem Sportartikelkonzern ein großer Umsatzteil. Rorsted kann sich neben der KfW an Oswald Spengler halten: „Alles Bedeutende im Strom des Lebens ist durch Sieg und Niederlage entstanden.“

    Mit Joachim Faber habe ich mich lange darüber unterhalten, wie ein Neustart der deutschen Wirtschaft aussehen kann. Die Antwort des Aufsichtsratschefs der Deutschen Börse AG: „Eine neue Start-up-Initiative, eine Stunde Null der Gründer.“ Das würde die Modernisierung entscheidend nach vorne bringen, denn ein großer Teil des Bruttoinlandsprodukts werde „künftig nun einmal nicht mehr von der klassischen Industrie bedient“. Faber hält es für legitim, wenn die Bundesregierung über Kredite oder Beteiligungen verhindere, „dass interessante Start-ups jetzt in der Krise zum Schnäppchenpreis an ausländische Investoren gehen“. In China und in den USA seien Beschränkungen des Verkaufs guter Ideen längst selbstverständlich, findet er – „nur wir Deutschen sind die Musterknaben des freien Welthandels“.

    Die schöne Geschichte des Ehepaares Tony und Maureen Wheeler, die nach 1973 aus dem Tagebuch ihres Trips von England nach Australien eine Firma für Reiseliteratur machten, hat ein plötzliches Ende gefunden. Die Coronakrise bestehen auch ihre „Lonely-Planet“-Reiseführer nicht unbeschadet; die Ikone der individualtouristischen Freiheit ist in den Grundfesten erschüttert. Die Büros in Australien und England werden geschlossen, die Magazine eingestellt, die Abteilung Reiseführer wird zusammengestrichen.

    Quelle: dpa
    Vor 50 Jahren erschuf Designer John Pasche das Motiv für die Rolling Stones.

    Und dann ist da noch das Motiv „Zunge und Lippen“ der Rolling Stones, das berühmteste Logo der Rock‘-n‘-Roll-Geschichte, einst von Sänger Mick Jagger eingefordert. Designer John Pasche, 74, schuf es vor genau 50 Jahren und musste doch immer wieder erleben, dass man das Werk Andy Warhol zuschrieb, der einen funktionierenden Reißverschluss auf das im April 1971 erschienene Album „Sticky Fingers“ brachte. Produkte, die mit Pasches Zungenfertigkeit beworben wurden, brachten der Band insgesamt hunderte Millionen Pfund ein – doch der Schöpfer, so lernen wir, kassierte zunächst nur 50 Pfund, dann 200 Pfund Bonus und schließlich ein paar Lizenzerlöse. 1982 verkaufte Pasche schließlich das Copyright für vergleichsweise mickrige 26.000 Pfund den Stones. Spontan ist man geneigt, einen bestimmten Stones-Song zu spielen: „You Can‘t Always Get What You Want.“

    Ich wünsche Ihnen einen kreativen und einträglichen Tag.

    Es grüßt Sie herzlich

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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