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Morning Briefing Vestager gegen deutsches Dieselkartell

Audi, BMW, Daimler und VW müssen sich auf einen „blauen Brief“ der EU-Wettbewerbsbehörde wegen illegaler Absprachen bei Dieselmotoren einstellen. Was heute wichtig ist.
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Elite der deutschen Parteien ist heute auf Roadshow im Bayernland. Der politische Aschermittwoch lässt die Politiker auf den Spuren von Franz Josef Strauß in Städten wie Vilshofen, Osterhofen, Landshut oder Dingolfing nach dem Gag der Stunde suchen. Ein Heimspiel hat dabei CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder, der in der Passauer Dreiländerhalle zusammen mit Eurofighter Manfred Weber auftritt. Der einstige Krawall-Hüne hat erkannt, was die Menschen inzwischen von ihm erwarten: „Profil mit Stil“. Söders Fazit im „Donaukurier“ kurz vor dem Hallen-Rhetorik-Event: „Die Zeit des Rumpelns ist passé.“ Und: „Das Leben ist eine Reise.“ Die verbliebenen „Rumpelfüßler“ der deutschen Politik werden die Ansage über die verbleibende Flugzeit aufmerksam registrieren.

Quelle: Reuters
Seit mehr als vier Jahren ermittelt die europäische Wettbewerbsbehörde gegen deutsche Autokonzerne, weil sie sich beim Thema Abgas abgesprochen haben sollen.

Für Konzernchefs und Minister ist EU-Kartellwächterin Margrethe Vestager eine bedeutende Störgröße geworden. Manche hoffen, sie möge doch bald EU-Kommissionspräsidentin werden. Audi, BMW, Daimler und Volkswagen dürfen nach unseren Informationen im Frühjahr mit einem „blauen Brief“ aus der von ihr geleiteten EU-Wettbewerbsbehörde rechnen. In einem „State of Objections“ werden die Beamten erstmals im Detail aufführen, wie sich die Autohersteller ihrer Meinung nach illegal bei Dieselmotoren abgesprochen haben. Hohe Strafen sind zu erwarten. Wer in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaften Braunschweig und München liest und etwas Fantasie hat, sieht einen Kreis von Verschwörern aus den vier Konzernen vor sich, die alle genau wussten, was sie taten. Und die einander versprachen, die Details „keineswegs der Behörde zu zeigen“, wie unsere Titelstory beschreibt.

Er ist ein Mann des Ausgleichs, ein Softie im rauen Autogeschäft, doch nun lässt Wolfgang Porsche, 75, die Welt von Volkswagen erzittern. „Das schwierigste Thema ist Wolfsburg und der Grund dafür das dortige System“, sagte der Großaktionär am Rande des Genfer Autosalons. Das ist ein Angriff mit erhobener Lanze auf Betriebsratschef Bernd Osterloh, der sich schon gegen Porsches Diktat gewandt hat, künftig nicht mehr alle Auszubildende zu übernehmen. Aufsichtsrat Porsche fordert nun Unterstützung für das Management ein („Volkswagen ist kein Paradies“), sechs Milliarden Euro und mehrere tausend Jobs sollen eingespart werden. Darüber wollte Osterloh nächste Woche mit dem Vorstand um CEO Herbert Diess reden – was nun erschwert sein dürfte. VW mag vielleicht kein Paradies sein, hat aber auf alle Fälle viele Paradiesvögel.

Bier und Kaffee vertragen sich nicht für Anheuser-Busch InBev, den größten Brauereikonzern der Welt. Weil sie sich gegenseitig Konkurrenz machen würden und ein Interessenkonflikt vorläge, muss Olivier Goudet dort seinen Posten als Chairman vorzeitig aufgeben. Der Manager ist eben auch Partner und CEO der Luxemburger Holding JAB, in der die deutsche Milliardärsfamilie Reimann ihr Kapital zirkulieren lässt, aktuell nach dem Kauf von Keurig Dr Pepper vor allem bei Kaffee und Softdrinks. Er trete zurück, um mehr Zeit für die gestiegenen Verantwortlichkeiten bei JAB zu haben, kommentiert Goudet. AB InBev will mit neuer Führung das Vertrauen der Aktionäre zurückgewinnen, die der hohe Schuldenstand des Unternehmens alarmiert hat.

Quelle: AFP
Im letzten Herbst registrierte Michael Bloomberg sich als Demokrat und stellte sich potenziellen Wählern in den Vorwahlen als Kandidat der politischen Mitte dar.
(Foto: AFP)

Lange hat er überlegt, dann war ihm das Kandidaten-Gedrängel auf Seiten der Demokraten doch zu groß: Michael Bloomberg, 77, schließt jetzt aus, bei der US-Präsidentenwahl 2020 anzutreten. „Ich glaube, ich würde Donald Trump schlagen“, erklärt er trotzig zum Abschied vor dem Einstieg, aber er wisse auch, wie schwierig es sei, in „einem solch großen Feld“ die Nominierung zu schaffen. Der langjährige Bürgermeister von New York und gestandene Nachrichtenagentur-Besitzer kümmert sich jetzt um alternative Energien. Und im Wahlkampf will der Milliardär auch so gegen Trump die Ärmel hochkrempeln.

In Saudi-Arabien gibt es offenbar an höchster Stelle Spannungen. Das Verhältnis zwischen König Salman bin Abdulaziz Al Saud und dem Kronprinzen Mohammed bin Salman ist in heftiger Schieflage. Seit der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi sei nach Berichten aus dem Dunstkreis des Königshofes das Misstrauen gewachsen; Getreue aus dem Umfeld des Kronprinzen waren an der Gräueltat beteiligt. Als der 83-jährige König jüngst auf Ägypten-Besuch weilte, wurde er vor einem politischen Schlag gegen ihn gewarnt, woraufhin das Sicherheitsteam ausgewechselt wurde. Und es passierte auch etwas: Während der Reise an den Nil installierte der Kronprinz seinen Bruder Khalid als stellvertretenden Verteidigungsminister, ein weiterer Machtzuwachs.

Zum Weltfrauentag am Freitag, in Berlin übrigens ein Feiertag, lassen sich Firmen mit Modernitäts-Pinselanstrich gerne etwas Stilbildendes einfallen. So plauderte die Führung des Premium-Immobilienmaklers Engel & Völkers jetzt auf der eigenen Website über starke Frauen als Vorbilder, es fielen Namen wie Marissa Meyer oder Sophie Scholl. Und dann schauen wir auf das dazu publizierte Foto und sehen fünf selbstbewusste männliche Vorstandsmitglieder in gedeckten Anzügen mit farbigen Krawatten – was halt so hip ist – vor dem Hintergrund der Hamburger Hafen-City. Frauen Fehlanzeige. Die Diskrepanz zwischen Frauenlob und Männerjob, zwischen PR und Praxis, interpretierten viele im Netz als Karneval der Alphatiere – woraufhin der Makler einräumte, der Beitrag habe sein Ziel verfehlt. Auch ein Lehrstück.

Und dann ist da noch Fußball-Geschäftsführer Hans-Joachim („Aki“) Watzke, 59, der gestern Abend frustriert aus dem Dortmunder Stadion schlich. 0:1 gegen Tottenham, ausgeschieden aus der Champions League, die Bundesliga-Führung dürfte auch bald perdu sein. Nur zu Hause im sauerländischen Marsberg bei Watex (Umsatz: 15 Millionen bis 20 Millionen Euro), der eigenen Herstellerfirma von Sicherheitsbekleidung, läuft es deutlich besser. Sohn André, 24, derzeit noch BWL-Student, steigt in die Firma ein, die von seiner Mutter Annette geführt wird. Der Junior, der in dem vom Vater ebenfalls geleiteten Landesliga-Verein Rot-Weiß Erlinghausen spielt, hat bereits Erfahrungen im Vertrieb gemacht. Und einer der Kunden für sportliche Berufskleidung ist Puma, der Trikotsponsor von Borussia Dortmund, was alles auf ein ganz ordentliches Mannschaftsspiel schließen lässt.

Ich wünsche Ihnen einen innovationsreichen Tag mit geradezu jugendlicher Emphase. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor


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