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Morning Briefing VW lädt zur Revolution

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

die Internationale Automobilmesse (IAA) beginnt zwar erst am Donnerstag, heute Abend aber will der weltgrößte Autokonzern aus Wolfsburg bereits für die ganz große Show sorgen. Auf der „Volkswagen Group Night“ wird der ID.3 präsentiert, das erste rein als Elektroauto konzipierte Fahrzeug. Es soll nach „Käfer“ und „Golf“ das dritte große Massending des Unternehmens werden. An dem Projekt hängt die Zukunft von CEO Herbert Diess und des Konzerns. Ein ID.3-Boom soll die Umwelt-Freveleien der beliebten Rambo-SUV-Autos ausgleichen, für die von 2020 an EU-Strafzahlungen anfallen. Greenpeace, BUND, Deutsche Umwelthilfe und andere werden heute zur Sternfahrt und Demonstration im Rahmen der IAA aufrufen. Der Messe mag es an einigen hochrangigen Ausstellern fehlen, nicht aber an lauter Politisierung.

Zum Symbolfall wird die Horrorfahrt eines Porsche Macan am Wochenende in Berlin Mitte, der mit hoher Geschwindigkeit von der Straße abkam und vier Passanten tötete. Politiker und Lobbyisten äußern sich, die Gattung der Sport Utility Verhicles (SUV) – der wir unseren Wochenendtitel gewidmet hatten – steht in der Kritik. „Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten“, fordert Oliver Krischer, Vizechef der Grünen-Bundestagsfraktion, im „Tagesspiegel“. Der Raum in den Städten werde immer knapper, diese Autos aber bräuchten immer mehr breitere Parkplätze. Henry Ford sah solche Sachen pragmatisch: „Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren – außer auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten.“

Quelle: AP
Am Freitag hatte der Premier eine Farm in Schottland besucht und zusätzliche Hilfen für Bauern angekündigt.
(Foto: AP)

Und wieder wird es ein Boris-Johnson-Tag. Zunächst wird der britische Premier nach Dublin fliegen, wo ihm der irische Amtskollege Leo Varadkar wenig Hilfe für neue Brexit-Verhandlungen in Aussicht gestellt hat. Später am Tag dürfte Johnson im Parlament erneut versuchen, Wahlen für ein neues Unterhaus am 15. Oktober festzulegen – ein hoffnungsloses Unterfangen, nachdem eine Mehrheit der Abgeordneten einen EU-Ausstieg ohne Vertrag abgelehnt hat, was ebenfalls heute Gesetz werden soll. So eskaliert die Lage weiter, ganz nach dem Wunsch des aggressiven Chefstrategen Dominic Cummings, der auf steigende Beliebtheitswerte der Tories verweisen kann. Das alles führt zur Tendenz Selbstauflösung: Nach dem abrupten Rücktritt von Arbeitsministerin Amber Rudd könnten ihr bald auch andere im Kabinett folgen.

Das Chaos im Land wird im Übrigen durch einen Streik der Piloten von British Airways am heutigen Montag und am Dienstag vergrößert. Zehntausende Passagiere sind betroffen, die meisten der angesetzten 850 Flüge fallen aus. Den Vorschlag einer Gehaltserhöhung von 11,5 Prozent über drei Jahre hatten die Piloten zurückgewiesen.

Im Nachhinein scheint es sich um eine Verirrung größeren Ausmaßes zu handeln, für die das Wort „Schnapsidee“ noch irgendwie schwach ist. Ausgerechnet nach Camp David in Maryland hatte US-Präsident Donald Trump die terroristischen Taliban und Afghanistans Präsidenten geladen, an den Ort, wo vor 40 Jahren Ägypten und Israel unter Vermittlung von Jimmy Carter Frieden schlossen. Offenbar lagen die handelnden Parteien aber noch sehr weit auseinander. Die Absage des Geheimprojektes begründete Trump mit neuen Anschlägen der Taliban. Dass ein solches Treffen überhaupt geplant war, wird Demokraten und auch Republikaner genauso intensiv beschäftigen wie die Frage, ob die noch in Afghanistan stationierten US-Soldaten unter diesen Umständen länger bleiben müssen. Außenminister Mike Pompeo fiel zu Camp David ein, es sei ja fast immer so, dass man in solchen Fällen „nicht mit guten Jungs“ verhandele.

Quelle: dpa
Cem Özdemir strebt an die Spitze der Grünen im Bundestag.

Man kann davon ausgehen, dass ein Außenminister Cem Özdemir wieder zum Thema wird. In den „Jamaika“-Verhandlungen Ende 2017 sah es schon einmal so aus, als käme der ambitionierte Grünen-Politiker in sein Wunschamt – ehe die FDP aus den Gesprächen ausbüxte. Nun, wo sich das Ende der Großen Koalition abzeichnet, könnte Özdemir eine neue Chance erhalten – wenn er erst einmal Fraktionschef seiner Partei wird. Dafür bewirbt sich der Ex-Parteichef überraschend mit der linken Kirsten Kappert-Gonther aus Bremen, der Sprecherin für Drogenpolitik, mit der er eine Fragerunde zu Cannabis auf Facebook veranstaltete. Die Herausgeforderten, Katrin Göring-Eckhardt und Anton Hofreiter, werden das Ganze als Beitrag zur innerparteilichen Demokratie verkraften müssen.

Es sollte ein Börsengang der Extraklasse werden, der Büro-Vermieter WeWork hat sich eigens in „The We Company“ umbenannt. Doch die Bewertung von einst 47 Milliarden Dollar hat sich längst halbiert, die Nachfrage nach den Aktien ist klinisch schwach, weshalb die Firma von heute an auf der geplanten Roadshow schon einiges aufbieten muss, um das negative Klima zu verändern. Auch eine Absage des IPO ist für CEO Adam Neumann auf einmal eine Option.

„Big Tech“ ist auf einmal nicht mehr sakrosankt. Heute wollen mehr als die Hälfte der Generalstaatsanwälte der 50 US-Staaten eine Wettbewerbsuntersuchung gegen Google einleiten. Neun Bundesstaaten prüfen, ob auch bei Facebook Wettbewerbsverstöße vorliegen. „Auch die weltgrößte Plattform für Social Media muss dem Gesetz folgen und Verbraucher respektieren“, erklärt New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James. Am Ende dürfte aber keine Zerschlagung der Datenkraken stehen, sondern allenfalls eine Verfügung neuer Geldstrafen. Jüngst musste Google 170 Millionen Dollar zahlen, weil es bei seiner Videoplattform YouTube persönliche Informationen von Kindern gesammelt und diese für Werbezwecke missbraucht hatte.

Und dann ist da noch Joichi („Joi“) Ito, einst Leiter des berühmten Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er trat jetzt zurück, weil seine Verbindungen zu dem mutmaßlichen Vergewaltiger Jeffrey Epstein, der im Gefängnis Selbstmord beging, allzu eng waren. Noch nach dessen erster Verurteilung bekam Ito weiter Spendengelder von Epstein und wies Mitarbeiter an, die Herkunft der Gelder zu verschleiern. Und der Finanzmilliardär, der sich als Förderer der Wissenschaften stilisierte, vermittelte Spenden von Bill Gates und dem Investor Leon Black in Höhe von 7,5 Millionen Dollar an das MIT. Auch posthum wird das Geld Epsteins die amerikanische Gesellschaft erschüttern.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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