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Morning Briefing Wall Street im großen Glück

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es ist so viel Sand im Getriebe der Weltwirtschaft, dass die Börsen geradezu wie einst bei Erich Kästner rufen: „Wo bleibt das Positive?“ Der Run auf gute Nachrichten sorgt nach dieser Logik für den Run auf Wertpapiere – gestern war es soweit. Die US-Börsen vibrierten förmlich.

Anlass für die Rekordstimmung waren sorgsam gemeißelte Sätze des Notenbankchefs Jerome Powell, aus denen man den Trend zur baldigen Zinssenkung in den USA heraushören muss. Oder wie würden Sie es deuten, wenn es da heißt, „die Unsicherheit um Handelskonflikte und Sorgen um die Weltwirtschaft lasteten zuletzt auf dem Ausblick auf die Wirtschaft... der Inflationsdruck bleibt verhalten“?

Eben. Der Leitzins soll Ende Juli von 2,5 auf 2,25 Prozent sinken. Kästner übrigens dichtete auch: „Ihr streut euch Zucker über die Schmerzen und denkt, unter Zucker verschwänden sie.“

Quelle: AP
Ursula von der Leyen im EU-Parlament
(Foto: AP)

Mit wenig Glanz absolvierte Ursula von der Leyen („VdL“) gestern ihr europapolitisches Assessment-Center im EU-Parlament. Die Verteidigungsministerin, die phönixgleich Präsidentin der EU-Kommission werden will, befolgte bei ihren sichtlich kräftezehrenden Auftritten in den Fraktionen der Liberalen, Sozialdemokraten und Grünen die Strategie „Bezaubernde Jeannie“: ein bisschen lächeln, ein bisschen zaubern, ein bisschen die Arme verschränken.

Insgesamt zeigte sich die CDU-Politikerin so sehr als Meisterin des Nouvelle Vagen, dass ihr viele Stimmen in diesen drei Zielgruppen versagt bleiben dürften. Die Grünen jedenfalls kündigten nach der Plattitüden-Show an, gegen VdL zu votieren. Neueste Spekulation in Brüssel: Es wird nicht am nächsten Dienstag, sondern im September abgestimmt.

In ihrer letzten Woche will die britische Premierministerin Theresa May noch einmal Stärke zeigen – und einen neuen US-Botschafter berufen. So will die konservative Politikerin verhindern, dass ihr designierter Nachfolger Boris Johnson eine Person von Gnaden des US-Präsidenten Donald Trump erwählt.

Johnson hatte in einer TV-Debatte dem bisherigen Botschafter in Washington, Kim Darroch, spektakulär die Unterstützung versagt. Der Mann war bei Trump in Verruf geraten, nachdem Darrochs kritische Geheimdepeschen über die Minderleistungen der US-Regierung durchgestochen wurden. Gestern trat der meinungsstarke Botschafter zurück, erschöpft von Trump, erschöpft von Johnson.

Quelle: Reuters
Jens Spahn setzt auf Apps

Eine besondere Begegnung bietet diese Handelsblatt-Ausgabe: Gesundheitsminister trifft E-Health-Unternehmer. Jens Spahn erzählt dabei von seinem Schrittzähler und seinem neuen Digitalisierungsgesetz, das Apps auf Rezept vorsieht, bezahlt von der Krankenkasse. Daniel Nathrath von Ada Health hingegen findet, es gehe zu viel um Therapie und zu wenig um Diagnose: „Insgesamt läuft das noch zu analog zur alten Welt.“

Einig sind sich die beiden Gesprächspartner, dass es in einigen Jahren kein Patient mehr akzeptieren werde, wenn die eigene Akte in Handschrift auf Karteikarte in irgendeiner Arztpraxis liege. Die Hamlet-Frage „Sein oder Nicht-Sein“ heißt heute: „On oder Off“.

Ein besonderes Vergnügen waren meiner Kollegin Catrin Bialek und mir die drei Stunden mit Fritz Pleitgen, 81, in Köln. Der einstige WDR-Intendant sorgte sich im Interview um die Meinungsvielfalt in Deutschland, die Schlagkraft der ARD und um Mängel im TV-Programm.

Meine Lieblingsstelle war die Erzählung, wie er 1963 als junger Journalist von Konrad Adenauer abgespeist wurde. Der Altkanzler las einfach eine von der CDU vorgefertigte Erklärung ab, und als Pleitgen nachfragte, ließ der Alte den Jungen ins Leere laufen. Mit der Bemerkung: „Ich denk‘, et jeht ihr Flugzeug“ sowie der Feststellung: „Dat hätten Se wohl jern.“ Die damals staatsfromme „Tagesschau“ sendete von diesem Gespräch nur Adenauers Statement.

Der Chefökonom“ hat einen Chefstrategen: Sigmar Gabriel, einst SPD-Chef und Außenminister, wird von morgen an regelmäßig in unserer Fachpublikation veröffentlichen. Er liefert dabei geopolitische Analysen. Gabriels Oeuvre wird sich in dem Newsletter mit den Arbeiten des langjährigen Wirtschaftsweisen Bert Rürup und dessen Team abwechseln.

An diesem Freitag startet der Neuzugang aus der Politik mit einem Stück über den Handelskonflikt zwischen Europa und China; Huawei sieht Gabriel dabei als Symbol des neuen technologischen „Kalten Kriegs 2.0“. „Der Chefökonom“ wird über das Handelsblatt Research Institute per E-Mail an derzeit 35.000 Abonnenten geschickt. Anmeldung unter www.handelsblatt-research.com/chefoekonom.

Und dann ist da noch das Mantra von der Mobilität, der totalen Beweglichkeit aller. Nur: Wenn alle unterwegs sind, zeigen sich schnell die Freiheitsgrenzen der Reisenden. Man träumt vom leeren Strand und wartet stattdessen auf den Take-Off. Im ersten Halbjahr wurden 12.033 Flüge annulliert, 2904 Flüge waren mehr als drei Stunden verspätet. Und bei der Bahn sank die Quote der planmäßig fahrenden Fernzüge zuletzt sogar auf nur 69 Prozent, das ist der schlechteste Wert seit 2011.

Ich werde es trotzdem für zehn Tage mit Urlaub versuchen und sage mir: „Bonne Route“. Chefredakteur Sven Afhüppe wird nächste Woche den Weckdienst übernehmen. Ich wünsche Ihnen einen entspannten Tag und noch eine schöne Restwoche.

Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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