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Morning Briefing Was ein Unternehmen gut macht

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

in Zeiten fortgesetzter Industrieskandale taucht fast zwangsläufig die Frage auf, was ein gutes, ja was ein bestes Unternehmen ausmacht. Stakeholder-Werte haben neulich fast 200 US-Wirtschaftskapitäne ausgelobt – folglich müsste alles zählen, was den Arbeitnehmern, den Kunden, der Umwelt, der Gesellschaft dient und nicht nur Aktionären. Andere wiederum stellen den „Purpose“, den Unternehmenszweck, in den Mittelpunkt. Die Crux ist nur, dass es so etwas wie einen verlässlichen „Shareholder-Index“ oder „Purpose-Index“ nicht gibt. Wir finden schöne Worte für Werte, aber keine Werte für Werte.

Quelle: AFP
Wirtschaftsprüfergloabalisten haben jetzt ein Ranking der Top 100 ermittelt: Außer SAP schafft es keine andere deutsche Firma in die Bel Etage.
(Foto: AFP)

Natürlich, was es gibt, sind die üblichen Rennlisten nach „Marktkapitalisierung“, also nach dem Börsenwert. Die Wirtschaftsprüferglobalisten von PwC haben jetzt ein Ranking der Top 100 ermittelt, das einen traurigen Befund erbringt: Mit SAP schafft es nur eine deutsche Firma in die Beletage. Die Besten machen hier die USA alleine unter sich aus, mit Microsoft vor Apple, Amazon und Alphabet. Neben den Amerikanern von der Wall Street finden sich nur die chinesischen Internetkonzerne Alibaba und Tencent unter den Top Ten. Diese Hitparade gibt die simple Erwartung wieder, dass Digitalisierung die Welt auch in naher Zukunft am stärksten verändern wird.

Um einiges anspruchsvoller ist das, was ein Team der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) bei der Jagd nach den Besten aufgelistet hat. Hier zählt, wie stark sich bei 153 deutschen Börsenfirmen die Marge und die Aktien-Wertsteigerung zwischen 2009 und 2018 entwickelt haben. Am stärksten hat sich nach der Finanzkrise die Siltronic AG mit ihren Siliziumplatten geschlagen, gefolgt von Infineon, Sartorius, Jungheinrich und Sixt, wie unsere Wochenend-Hauptgeschichte erklärt. In dieser Riege weiß man den Kulturwandel zu nutzen, Kosten zu senken bis zum Gesundschrumpfen, die richtigen Firmen zu akquirieren sowie Wachstumswillen zu beweisen. Für den BCG-Experten Ralf Moldenhauer zählt am Ende, wer im Aufschwung nicht nachlässt und genießt, sondern verändert und justiert, „um konsequent das Geschäft voranzubringen“.

Bei der Umdeutung der Welt ist Donald Trump einen großen Schritt weiter: Es braucht keinen Whistleblower mehr, um Geheimprojekte zu enthüllen, das macht er einfach selbst. Der US-Präsident sieht seinen aussichtsreichen Gegenkandidaten Joe Biden und dessen Sohn Hunter in Korruptionsvorgänge in China und in der Ukraine verwickelt. Damit nicht genug: Er fordert nun auch Peking persönlich auf, Ermittlungen gegen die Bidens aufzunehmen – und will deshalb sogar mit dem chinesischen Staatspräsidenten reden. Konkrete Beweise für seine Vorwürfe bleibt Trump aber schuldig. Der attackierte Joe Biden antwortet dem Präsidenten knapp: „Sie werden mich nicht zerstören.“

Geteiltes Leid, doppelte Strafe: USA und Europa im Zollstreit. Beiden Wirtschaftsblöcken hat die Welthandelsorganisation WTO konzediert, ihre jeweiligen Luftfahrtkonzerne – Boeing in Seattle und Airbus in Toulouse – über Gebühren mit Subventionen bedacht zu haben. Und so ist nun eine Orgie der Vergeltungszölle festzustellen. Die Einfuhr von Flugzeugen in die USA wird mit zusätzlich zehn Prozent belastet, bei etlichen anderen Produkten sind es 25 Prozent. Es wird wohl Parmesan-Käse aus der Toskana oder Olivenöl auf Korsika treffen. Die EU ihrerseits will milliardenhohe Vergeltungszölle auf US-Produkte wie Ketchup oder Spielekonsolen.

Zum traurigen Beziehungsstatus zwischen Frankreich und Deutschland gehört eine hohe zweistellige Zahl von Avancen aus Paris, die im Alltag der Berliner Republik zu Lästigkeitsthemen werden. Jetzt versucht es Finanzminister Bruno Le Maire im Handelsblatt-Interview erneut und fordert von der Bundesrepublik, mehr Geld für Innovationen, Energiewende und Infrastruktur auszugeben. Seine Vision: „Europa sollte sich zum Ziel setzen, die erste Wirtschaftsregion der Welt mit einem nachhaltigen Wachstumsmodell zu werden.“ Die schwarze Null spielt da keine Rolle, weshalb sich die CDU sofort gegen den Plan aus Paris stemmt: Man stehe „auch in schwierigen Zeiten für nachhaltige Finanzpolitik“, sagt Generalsekretär Paul Ziemiak. Und FDP-Fraktionsvize Michael Theurer findet, gerade der Blick nach Frankreich zeige, dass mehr Staatsverschuldung „nicht zu mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit“ führe.

Stehen wir vor dem nächsten Golfkrieg? Was bedeuten die zahlreichen Konflikte in der Region für den Ölpreis, die Weltwirtschaft und die Wiederwahl-Chancen von Donald Trump? Über die vielen Risiken im Nahen Osten informiert und analysiert der einstige Außenminister Sigmar Gabriel exklusiv für den „Chefökonom“, dem Newsletter des Handelsblatt-Wirtschaftsexperten Bert Rürup.

Gestern Abend zelebrierte Sotheby‘s in London eine denkwürdige Show. 15 Bieter lieferten sich ein Gefecht um die mehr als vier Meter große Leinwand eines unbekannten Künstlers – als handele es sich um einen Rubens oder einen Monet. Am Ende erbrachte „Devolved Parliament“ von Banksy tatsächlich 9,9 Millionen Pfund. Das Bild zeigt das britische Unterhaus als Affenparlament, ein symbolischer Ort für den Brexit. Banksy übrigens zitierte nach dem Deal einen Kunstkritiker mit dessen Sinnspruch, wonach die Kommerzialisierung der Kunst eine Katastrophe sei.

Quelle: Reuters
Banksy Gemälde zeigt das britische Unterhaus als Affenparlament und gilt als symbolischer Ort für den Brexit.

Und dann ist da noch der Rechtsanwalt Brun-Hagen Hennerkes, der heute 80. Geburtstag feiert und sich selbst mit seinen Memoiren ehrt. Der Berater vieler Einzelunternehmer, der auch die Stiftung Familienunternehmen initiiert hatte, erzählt hier in „Meine Zeit als Consigliere“ über die Kultur der Dynastien. Konkrete Details spart er aus, die Helden der jeweiligen Anekdoten sind anonymisiert. Der extrem gut vernetzte Hennerkes hat in vielen Aufsichts- und Beiräten gewirkt. In seinem Buch hinterlässt er noch den Hinweis, „vornehmstes Ziel“ eines Consigliere müsse es sein, komplizierte Beziehungen, wie sie in einem Unternehmen oft vorkommen, auf eine tragfähige Basis zu stellen

Ich wünsche Ihnen ein entspanntes, erbauliches Wochenende. Es grüßt Sie wie immer herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor

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