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Morning Briefing Weltwirtschaft in der Öl-Falle

21.04.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

was ist nicht historisch in diesen Tagen? Alles ist irgendwie „erstmalig“, nie da gewesen, so wie der Preisverfall für Rohöl an der New Yorker Börse. Ein Terminkontrakt auf ein Fass der US-Sorte WTI kostete gestern auf einmal knapp 56 Dollar weniger und rutschte auf minus 37,36 Dollar – man musste also dazu zahlen, um Öl loszuwerden.

Gebannt schaut die Welt auf diesen Käuferstreik, der mit den komplizierten Zukunftsgeschäften der Terminkontrakte zu tun hat. Weil die Pandemie die Öl-Nachfrage um 30 Prozent einbrechen ließ, reagierten jetzt Finanzinvestoren: Sie boten ihre Wertpapiere („Futures“) en masse zum letzten Zeitpunkt an, um die physische Abnahme des Öls im Mai zu vermeiden – doch es fanden sich keine Käufer, da die Öllager gut gefüllt sind. So wurde das „schwarze Gold“ zum schwarzen Nachtmahr.

Beim Wandern bestimmt der Langsamste das Tempo, beim „Exit“ aus dem allgemeinen Corona-Stillstand jedoch gibt es gleich zwei, die maßgebend sind. Das sind die Forschesten und die Strengsten. In der Kategorie eins fällt Rheinland-Pfalz auf, wo Shopping-Malls der Familie Dommermuth sowie Zoos wieder öffnen und die Sozialdemokraten Parteiveranstaltungen erlauben wollen. Das ließ Angela Merkel im CDU-Präsidium von „Öffnungsdiskussionsorgien“ sprechen.

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    Unter den Strengen wiederum, Kategorie zwei, profiliert sich wie gehabt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der als erster in Westdeutschland die Maskenpflicht verkündet, Sachsen und Thüringen halten es auch so. Söders Innenminister hatte kurze Zeit vorher im Bayerischen Rundfunk noch verkündet, keine Weißblau-Maskenpflicht zu wollen. Der PR-Dienst Söder News wird auch heute gut funktionieren, wenn er zusammen mit Münchens OB Dieter Reiter (SPD) das definitive Ende vor dem Anfang des Oktoberfests 2020 verkünden wird.

    Quelle: dpa
    Weiß-blaue Maske: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verkündet als erster in Westdeutschland die Pflicht, einen Mundschutz zu tragen.

    Neben der Maske gilt die Corona-App zur Infektionsüberwachung als wichtige Bedingung für Lockerungen. Ausgerechnet hier aber hat sich die federführende Gruppe von Entwicklern und Wissenschaftlern aus Streit um den Datenschutz in zwei Lager geteilt: Eines, gestützt von Bund und Ländern, will Daten zentral speichern – auf einem Server in deutschem Staatsbesitz, als Teil des europäischen Projekts „Pepp-PT“. Andrerseits sprachen sich 300 Experten in einem offenen Brief dagegen aus, dass ein einzelner Server die Daten von Infizierten an Kontakte verschickt. Vielmehr soll die App des positiv Getesteten selbst eine Nachricht an alle Apps in der Region übermitteln, wie wir in einem Report dokumentieren. Auch das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit ist für den dezentralen Ansatz – und zog sich deshalb aus „Pepp-PT“ zurück.

    So viel Vielfalt bringt die Digitalverbände in Harnisch. Es sei wichtig, die Entwicklung der Corona-App „nicht durch langwierige akademische Debatten noch weiter hinauszuzögern“, sagt Achim Berg, Präsident des IT-Verbands Bitkom, dem Handelsblatt: „Wir brauchen diese App jetzt.“ Marco Junk, Geschäftsführer des Bundesverbands Digitale Wirtschaft, assistiert: Angesichts der Coronakrise sei es „vollkommen unverhältnismäßig, den Erfolg eines der wenigen zur Verfügung stehenden Lösungswege so zu gefährden.“

    Ein ungeschöntes Bild vom Zustand Europas liefert EU-Sozialkommissar Nicolas Schmit im großen Handelsblatt-Gespräch. Wörtlich: „Wir müssen dafür sorgen, dass Europa nicht auseinanderfliegt.“ Der Politiker aus Luxemburg sieht die Gefahr, „dass manche Länder einigermaßen unbeschadet aus der Rezession herauskommen und andere in der Misere stecken bleiben.“ Die EU müsse deshalb, so Schmit, den von der Krise am stärksten getroffenen Staaten bei der Finanzierung großer Investitionsvorhaben unbedingt helfen. Kanzlerin Angela Merkel kündigt hier tatsächlich aktuell auch Hilfen an, etwa für Italien: Deutschland werde solidarisch sein. Auch geht sie davon aus, dass der EU-Haushalt von 2021 bis 2028 deutlich angehoben werden könnte.

    Wer nach etwas Positivem sucht, wird ausgerechnet bei einer Institution fündig, die seit 2011 nicht liefert, was sie versprach: der Berliner Flughafengesellschaft. Nun aber scheint es mit der geplanten BER-Öffnung am 31. Oktober im sechsten Anlauf tatsächlich etwas zu werden – das zweite Brandenburger Wunder nach der Tesla-Ansiedlung in Grünheide. Tatsache ist, dass der TÜV alle Sicherheitsanlagen im Terminal des neuen Hauptstadt-Airports abgenommen hat. Das gilt auch für die ominösen Kabelgewerke, die immer wieder zu Problemen geführt haben. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup fühlt sich wie auf Wolke sieben: „Die Inbetriebnahme des BER war noch nie so sicher.“ Wer es nicht fassen kann, singt mit Katja Ebstein ihren Evergreen: „Wunder gibt es immer wieder / Heute oder morgen / Können sie geschehen / Wenn sie dir begegnen / Musst du sie auch sehen.“

    Quelle: Action Images via Reuters
    Es war eines der letzten großen Fußballspiele vor Publikum, die 2:3-Heimniederlage des FC Liverpool gegen Atlético Madrid am 11. März
    (Foto: Action Images via Reuters)

    Es war eines der letzten großen Fußballspiele vor Publikum, die 2:3-Heimniederlage des FC Liverpool gegen Atlético Madrid am 11. März. Heute findet der Gesundheitsdirektor von Liverpool, das Spiel hätte abgesagt werden müssen – und der Madrider Bürgermeister erklärt, es sei ein Fehler gewesen, Fans zuzulassen. Offenbar hatten 3000 Atlético-Unterstützer Sars-CoV-2 aus dem damals schon als Hotspot bekannten Madrid in die englische Hafenstadt gebracht. Fast 250 Personen sind inzwischen schon in Liverpool gestorben, wo es zum Zeitpunkt des Spiels nur ganz wenige Fälle gab. Angela McLean, Chef-Wissenschaftsberaterin der britischen Regierung, will die Virus-Verbindung untersuchen lassen. Das berühmte Zitat des Ex-Trainers von Liverpool, Bill Shankly, hat auf einmal einen eigenartigen Klang: „Einige Leute halten Fußball für eine Sache von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich versichere Ihnen, dass es viel ernster ist.“

    Und dann ist da noch der Milliardär Sir Richard Branson, 69, der für seine ökonomisch kämpfende Fluggesellschaft Virgin ein ganz besonderes Pfand einsetzt. Es geht um staatliche Hilfsgelder für Virgin Atlantic und Virgin Australia, um den Betrieb aufrechtzuerhalten – und um das Geschäft nicht IAG (British Airways) und Quantas zu überlassen, wie Branson warnt. Der Milliardär, der bereits 250 Millionen Dollar in sein Luftverkehrsgeschäft gepumpt hat, stellt in dieser Lage seine schöne Necker Island in der Karibik als Sicherheit zur Verfügung. Mit dem 30-Hektar-Eiland wolle er, sagt Branson, so viel Geld wie möglich ergattern, um so viele Jobs wie möglich zu retten. Der Plan könnte fliegen.

    Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Lockerungstag, retten Sie Ihre Ideen.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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