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Morning Briefing Wirecard, die Skandalnudel des Dax

19.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

die Woche geht, Wirecard bleibt. Noch. Was aber hat der Abwickler digitaler Zahlungen im Deutschen Aktienindex (Dax) verloren? Sicher, die Story war schön – da ist das zusammengekaufte Start-up des österreichischen Beraters Markus Braun, das es aus Schmuddelanfängen (Porno, Glücksspiel) nach ganz oben schaffte. Ein Bote der neuen Zeit, der so eindrucksvoll über eine Welt ohne Cash reden konnte, dass mancher Betrugsvorwürfe der „Financial Times“ vergaß.

Nun aber fehlen seiner Wirecard AG fast zwei Milliarden Euro – Wirtschaftsprüfer EY fand keinen Beleg, dass soviel Geld wie angegeben tatsächlich auf Treuhandkonten asiatischer Banken liegt. Und so läuft Brauns aktuell schwarze Serie: Testat verweigert, Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben, Bankkredite im Feuer, Organisationsvorstand Jan Marsalek freigestellt, Kurs um 61 Prozent miniaturisiert. Ashes to ashes in Aschheim.

Quelle: dpa
Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele ärgert sich über die Staatshilfe.

Wenn der Unternehmer Heinz Hermann Thiele in Sachen Lufthansa demnächst auf Bundesfinanzminister Olaf Scholz trifft, ist das so, als ob zwei Feldherren von ihren Hügeln steigen und am neutralen Ort Kräfte messen. Nach einem Verkauf von acht Millionen Aktien der von ihm beherrschten Börsenfirma Knorr-Bremse ist Thiele dort immer noch Herr im Haus, aber um rund eine Dreiviertelmilliarde Euro frischer.

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    Manövriermasse für die Airline, wo sich 15-Prozent-Aktionär-Thiele über die Art des geplanten Staatseinstiegs ärgert? Kapital für den nächsten Coup, Stichwort: „Zugriff“? Ersetzt Retter Thiele den Retter Scholz? Schon dringt die Nachricht durch, die Bundesregierung denke daran, den Lufthansa-Kredit von neun Milliarden Euro abzusenken, da auch Schweiz, Österreich und Belgien helfen wollen. Sicher ist: Diese Crew hat noch keinen Flugplan.

    Zur Riege eigenwilliger Unternehmer, die derzeit reichlich Newsstoff abliefern, gehört auch Clemens Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück, größter Schlachter des Landes (bis zu 30.000 Schweine täglich). Als Vorbild nennt er gerne die Bertelsmann-Familie Mohn mit ihrer Betonung gesellschaftlicher Beiträge. Aufsehen erregt Tönnies aber mit der Art, wie er über Werkverträge mit in Sammelunterkünften lebenden Osteuropäern Geschäfte macht – in diesem Umfeld kam es zu 730 Covid-Fällen.

    Lockdown im Landkreis und Lockdown in der Familie, wo Neffe und Miteigentümer Robert Tönnies einen gesalzenen und gepökelten Brief schreibt: „Aufgrund dieses unverantwortlichen Handelns und der Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung fordere ich die Geschäftsleitung und verantwortlichen Beiratsmitglieder auf, geschlossen von ihren Ämtern zurückzutreten.“ Clemens Tönnies retourniert, die Behörden hätten ihm den besten Umgang in der Pandemie bescheinigt, er werde die Firma in einem schweren Sturm nicht verlassen. In einigen Monaten will es Tönnies vermutlich mit dem „Sturm“ von Shakespeare halten: „Lasst die Erinnerung uns nicht belasten/ Mit dem Verdrusse, der vorüber ist.“

    Es war ein Lebenstraum des René Benko aus Innsbruck, Karstadt und Kaufhof zu einer Art Deutschen Warenhaus AG zu formen. Als es dann so weit war, störten den Immobilienspezialisten, der sich auch ins Wiener Boulevardblatt „Krone“ eingekauft hat, die roten Zahlen. Darum muss sich jetzt nicht mehr sein oberster Manager Stephan Fanderl kümmern, der jüngst gewichen ist – sondern ein ausgewiesenes Sanierungsteam.

    Nachdem Karstadt Kaufhof in ein Schutzschirmverfahren – ein Purgatorium vor einer möglichen Insolvenz – gewechselt ist, sortieren hier der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz, einst Insolvenzverwalter der Drogeriekette Schlecker. Statt zunächst 80 sollen nun 62 von 172 Niederlassungen geschlossen werden, mehr als 5000 Jobs entfallen. Genaues erfahren die Mitarbeiter heute vom Not-Team.

    Quelle: alamy, getty images [M]
    (Foto: alamy, getty images [M])

    Ja, es gibt in Deutschland auch solche Schulen. Interaktive Tafeln, Whiteboards in den Klassenräumen, Ganztagsunterricht – der digitale Branchenverband Bitkom hat die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe als „Smart School“ ausgezeichnet. „Digitalisierung ist ein Riesenvorteil für alle Arten des Lernens“, sagt Rektor Micha Pallesche. Das Karlsruher Idyll 2.0 aber war in den Corona-Monaten eine Ausnahme in Deutschland. Im Großen und Ganzen konnte die vielgepriesene Digitalisierung nicht helfen, da es an technischen Voraussetzungen und Know-how in den Schulen fehlt und von fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt nur wenig abgerufen worden ist.

    So fiel also, bis auf wenige Alibistunden, reichlich Unterricht aus – zum Nachteil des Nachwuchses. Ökonomisch führt Kompetenzverlust zu Einkommensverlust. Die „Bildungslücke“, die ein Bildungsnotstand ist, beschreiben wir in unserem Wochenendtitel.

    „Bildung ist Bürgerrecht“, formulierte 1965 der große Soziologe Ralf Dahrendorf. Heute kommt dieses Recht auch aus dem Laptop und dem Smartphone. Wo neue Lernformen einen Mehrwert brächten, müssten sie auch eingesetzt werden, sagt die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) im Handelsblatt-Interview. Sie sei aber auch überzeugt, „das Schüler auch in 20 Jahren noch Goethes ,Faust‘ in der Reclam-Ausgabe lesen werden – und auch sollten“. Zum derzeitigen Modernitätsstatus der Bildungspolitik fällt einem aus „Faust“ vor allem ein Klassiker ein: „Da steh ich nun, ich armer Tor / Und bin so klug als wie zuvor!“

    Corona, der Tod von George Floyd und mittendrin ein Präsident, der scharf kritisiert wird, seinerseits aber voll in den Wahlkampfmodus wechselt. Wie erleben das die Amerikaner? Wie berichten die Medien? Was sind die Auswirkungen auf die Präsidentschaftswahl im November?

    Diskutieren Sie als Handelsblatt-Club-Mitglied diese Themen exklusiv mit unseren USA-Korrespondentinnen Astrid Dörner und Katharina Kort am nächsten Dienstag zwischen 17 und 18 Uhr im Zoom-Call. Zwischenzeitlich wird es die Möglichkeit geben, die Themen „Wirtschaftliche Entwicklung/Finanzmärkte“ und „Wahlkampf“ in getrennten Chaträumen intensiver zu diskutieren. Hier können Sie sich anmelden.

    Quelle: AP
    Bruce Springsteen fordert US-Präsident Donald Trump auf: „Setzen Sie eine verdammte Maske auf!“.
    (Foto: AP)

    Und dann ist da noch der amerikanische Rockstar, den sie „The Boss“ nennen, und der nun einen sehr beherzten Kommentar zur Covid-19-Lage abgegeben hat. In Kalifornien sind inzwischen Masken vorgeschrieben. Also sprach der 70-jährige Bruce Springsteen in seiner Radioshow beim Sender SiriusXM – bei allem „Respekt“ – den Präsidenten Donald Trump direkt an: „Setzen Sie eine verdammte Maske auf!“ Angesichts von mehr als 100.000 Corona-Toten in den USA und der „hohlen, beschämenden Reaktion unserer Anführer“ sei er einfach nur „stinksauer“, das sei eine „nationale Schande“. Vielleicht hört Trump am Ende Springsteens Musik („Born in the U.S.A.“) doch lieber als seine politischen Kommentare.

    Ich wünsche Ihnen ein entspanntes Wochenende. Die Geschichten jedenfalls werden Ihnen aufgrund der Nachrichtenlage nicht ausgehen.

    Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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