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Morning Briefing Wirecard und der „Schtonk!“-Moment

23.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

der Kriminalfall Wirecard gipfelt im Eingeständnis der neuen Führung, mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ gebe es die philippinischen 1,9 Milliarden Euro gar nicht. Das Aschheimer Unternehmen, immerhin Mitglied im Dax, musste daraufhin Geschäftszahlen für 2019, das erste Quartal 2020 und seine Prognosen zurückziehen. Das ist „Schtonk!“ pur, eine Fake-Geschichte wie im Spielfilm rund um Kunstfälscher „Professor Dr. Knobel“, der sich an den gefälschten Hitler-Tagebüchern des „Stern“ orientierte. Die Münchener Staatsanwälte prüfen nun bei Wirecard „alle in Betracht kommenden Straftaten“. Beim Prüfen wird es nicht bleiben, weil mindestens ein Viertel der Bilanzsumme heiße Luft war.

Es stellen sich bei Vorgängen dieser Art sofort Fragen eines lesenden Angestellten. Wer prüfte die wundersamen Triumphbögen des Doktor Markus Braun? Erst ein alarmierendes Sondertestat durch KPMG hat die Wirtschaftsprüfer von EY offenbar sehend gemacht. Wer ließ lieber die „Financial Times“ im Regen stehen, als ihren Vorwürfen wegen dubioser Drittgeschäfte konsequent nachzugehen?

Heute spricht Bafin-Aufseher Felix Hufeld in Büßer-Manier von „Schande“. Wo waren die Ratingagenturen, als man sie brauchte? Moody’s mag Wirecard inzwischen nicht einmal mehr Ramschniveau garantieren. Was ließ Banken und Fondsfirmen das Geld nur so auf Brauns Schaufeln kippen? Die Angst, ein digitales Wunder zu verpassen. Jede Seite eine Niederlage. So viele Berichte, so viele Fragen, so viele Klagen.

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    Die China-Frage polarisiert Wirtschaft und Weltpolitik. In Brüssel endete der Videogipfel zwischen den Spitzen der Europäischen Union und der Volksrepublik ohne gemeinsame Erklärungen, geschweige denn einer „Agenda 2025“, sondern nur mit Ermahnungen (Hongkong!) und viel, ganz viel Distanz. Das zum Jahresende geplante Investitionsschutzabkommen ist derzeit nicht einmal mehr ein Traumgebilde.

    In dieser Atmosphäre des Sich-Misstrauens vergisst auch der chinesische Tech-Vorzeigekonzern Huawei seine zuvor gepflegte Distanz zu Peking, wie wir in einer großen Geschichte zeigen. Angesprochen auf die aggressive US-Sanktionspolitik erklärte Chairman Eric Xu, die chinesische Regierung werde nicht einfach zusehen, „wie Huawei geschlachtet wird“. Ein Wirtschaftskrieg sorgt für Opfer, die zu Tätern werden.

    Quelle: Reuters
    Wirecard: Bei Vorgängen dieser Art stellen sich sofort Fragen eines lesenden Angestellten. Wer prüfte die wundersamen Triumphbögen des Doktor Markus Braun?

    Statt den großen Corona-Liberalisierer muss NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Landkreis Gütersloh die Ein-bisschen-mehr-Söder-Rolle spielen – was ihm sichtlich schwerfällt. Der Test an rund 7000 Mitarbeitern des europäischen Schlachthof-Marktführers Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück hat alles verändert: 1553 sind bis Montagabend positiv getestet, das Virus breitet sich aus. Schulen und Kitas sind schon wieder geschlossen, die Tönnies-Leiharbeiter aus Osteuropa befinden sich in Quarantäne, weitere Maßnahmen folgen. Landrat Sven-Georg Adenauer sagt über Gütersloh, die Heimat von Miele und Bertelsmann, „es riecht ein bisschen nach Lockdown“. Genau danach sollte es im Land des CDU-Chef-Bewerbers Laschet nie riechen.

    Mehr Rationalität, mehr Disziplin bei Spielerzuwendungen, europäische Lösungen – so will Karl-Heinz Rummenigge den Fußball in Zukunft krisenfest machen. In einem langen Gespräch mit mir in der Zentrale des Rekordmeisters FC Bayern München zeigte sich der CEO nachdenklich: Der Fußball sei „mit diesem Immer-höher-immer-weiter-immer-schneller“ bei Spielertransfers und Spielergehältern „ein gehöriges Stück übers Ziel hinausgeschossen“.

    Sein Klub werde im Sommer jedenfalls „vorsichtiger“ damit umgehen und den Kader nur etwas breiter aufstellen. Dass der neue TV-Vertrag (2021/22 bis 2025/26) der Deutschen Fußball-Liga mit 4,4 Milliarden Euro rund fünf Prozent weniger als vorher einbringt, stört Rummenigge nicht: „In diesen schwierigen Zeiten ein erstklassiges Ergebnis.“

    Wie gehen Unternehmen mit dem Klimawandel um? Darum geht es beim „Update Nachhaltigkeit 2020“ im Rahmen der Handelsblatt Digital Stage an diesem Donnerstag. Um 17.30 Uhr beleuchtet Chefredakteur Sven Afhüppe mit einer Expertenschar aktuelle Entwicklungen – live, digital, kompakt. So erklärt HVB-Vorstandssprecher Michael Diederich die Rolle der Banken bei der Klimawende, Frosta-Chef Felix Ahlers referiert über Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell und Audi-Vorständin Hildegard Wortmann offenbart, wie sie den Autobauer bis 2050 auf CO2-Neutralität trimmen will. Möchten Sie dabei sein und Fragen stellen? Hier können Sie sich anmelden.

    Quelle: dpa
    Statt den großen Corona-Liberalisierer muss NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) im Landkreis Gütersloh die Ein-bisschen-mehr-Söder-Rolle spielen - was ihm sichtlich schwerfällt

    Und dann ist da noch Joe Biden, einst Vizepräsident der USA, nun Präsidentschaftskandidat. Der Demokrat bestätigt in einem Brief ans Weiße Haus, dass er am 29. September, 15. Oktober und 22. Oktober für drei TV-Duelle mit Amtsverteidiger Donald Trump bereitsteht.

    Die Botschaft: alles so wie immer. Bidens Wahlkampfmanager führt aus, man hoffe, dass der Präsident diese Tradition nicht aufbreche oder Ausreden für eine Weigerung finde. Das Trump-Lager wiederum hatte gleich vier Termine vorgeschlagen, aber zu einem früheren Zeitpunkt – damit die Wähler mehr Zeit für ihre Entscheidung hätten. Die Wahl der Waffen ist offenbar so wichtig wie die Wahl selbst.

    Ich wünsche Ihnen einen produktiven Tag mit guten Begegnungen. Wir warten im Übrigen noch auf Erklärungen, warum Innenminister Horst Seehofer die Vorstellung des Verfassungsschutzberichts überraschend abgesagt hat.

    Es grüßt Sie herzlich

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

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