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Morning Briefing „Yes“ und „No“ für Theresa May

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

Absurdes aus London: Theresa May hat weder das Vertrauen, noch das Misstrauen für ihre Brexit-Politik. Loyal sind ihre konservativen Parteifreunde nur, wenn es darum geht, das Veto der Labour-Opposition abzuwehren, was gestern Abend mit 325 zu 306 knapp gelang. Am Tag zuvor war Mays Brexit-Deal noch mit Getöse durchgefallen. Und doch: Die Zeit der Demütigungen für die Premierministerin, die bis Montag einen Plan B präsentieren muss, läuft nicht ab. Labour-Chef Jeremy Corbyn versagt sich aktuell ihrem dringenden Gesprächswunsch, Schottlands proeuropäische Regierungschefin Nicola Sturgeon fordert ein zweites Referendum. Zur Farce zu Westminster fällt einem zwangsläufig Albert Camus ein: „Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet.“

Quelle: Reuters
Mays nächste Herausforderung ist, einen Plan B vorzulegen, wie Großbritannien Ende März doch noch ein geregelter Austritt aus der EU gelingen kann.

Genau so denken viele Wirtschaftsgrößen, die wir zu „Bullshit Britannia“ gefragt haben. Niemand will sich mit dem Hard Brexit, einem „No Deal“, abfinden. Von einem „Schlag gegen den europäischen Gedanken, von dem sich Europa für längere Zeit nicht erholen wird“, spricht Siemens-Chef Joe Kaeser. Das Austrittsabkommen abzulehnen, sei „politisch fahrlässig“, meint Autoverbandschef Bernhard Mattes. Und Kettensägenhersteller Nikolas Stihl sieht ein ganz großes Dilemma: „Es gibt kein Zugeständnis, das die Brexit-Befürworter zufriedenstellen könnte, ohne den Zusammenhalt der Rest-EU zu gefährden.“ Ranghohe EU-Politiker erklären ganz offen, sie seien bereit, die Frist zum EU-Austritt über den 29. März hinaus deutlich zu verlängern. Wo die Vernunft zum „backbencher“, zum Hinterbänkler, geworden ist, braucht man mehr Zeit.

Zum Stolz des chinesischen Techkonzerns Huawei gehörte es, auch im Westen Großaufträge an Land zu ziehen. Globalisierung schien eine Autobahn in beide Richtungen zu sein. Damit ist es vorbei. Land für Land sagt sich von der Firma aus Shenzhen los, aus Angst vor Spionage. Auch in der Bundesregierung denkt man nach unseren Informationen darüber nach, wie Huawei vom Aufbau der Infrastruktur für den neuen Mobilfunkstandard 5G ausgeschlossen werden kann, etwa durch schärfere Sicherheitsanforderungen. In den USA wiederum geht der Staatsanwalt dem Verdacht nach, die Chinesen hätten Geheimsachen von Geschäftspartnern gestohlen – zum Beispiel Technologie für Handys der US-Telekomtochter T-Mobile.

Die Besten von ihnen nannte man früher „Golden Boys“ oder „Rainmaker“, aber vom Glanz dieser Tage ist wenig übrig. Europas Investmentbanker wohnen ihrem eigenen Niedergang bei. „Statt Hummer gibt es Donuts, wie die unter Bankern gefürchteten Nullrunden bei den Boni genannt werden“, heißt es in unserem Report über eine verunsicherte Branche. 2018 schrumpften Gehälter und Boni weltweit um 0,6 Prozent (Vorjahr: plus ein Prozent). Saftige Einbußen gibt es vor allem für die Händler von Anleihen, Währungen und Rohstoffen.

Quelle: dpa
Die Deutschen sind begeisterte Sparer.

Die Deutschen bekommen für ihr Geld aufgrund der Zins-Baisse dramatisch wenig – und sparen doch immer begeisterter. Im dritten Quartal 2018 lag das Geldvermögen der heimischen Privathaushalte schon bei knapp 6,1 Billionen Euro. Dass die Bürger einen wachsenden Teil ihres verfügbaren Einkommens sparen, und zwar meist über Tagesgeld- oder Festgeldkonten, kann man auch als Misstrauensvotum gegen die aktuelle Wirtschaftspolitik deuten. Man traut dem Braten nicht. Auch werden vermehrt Kredite nachgefragt, hauptsächlich im Wohnungsbau. Die Verbindlichkeiten der deutschen Privathaushalte sind leicht auf 1776 Milliarden Euro gestiegen.

Eine schöne Tradition beim Handelsblatt ist die „Hall of Fame der Familienunternehmer“. Gestern Abend nahmen wir in München bereits zum elften Mal neue Mitglieder in diese Ehrenhalle des Mittelstands auf. Diesmal waren es die Unternehmerin Renate Pilz mit ihren beiden Kindern Susanne Kunschert und Thomas Pilz sowie Martin Krengel und Stefan Messer. Zuvor ehrte Chefredakteur Sven Afhüppe posthum den Pionier Berthold Leibinger, der bereits 2009 in die Hall of Fame aufgenommen worden war, für sein Lebenswerk als „Übervater des Maschinenbaus“. Hier können Sie heute Morgen bei uns alles zu dem Event erfahren.

Und dann gibt es da noch eine Gruppe mit dem Titel „The Yes Men“, deren Anti-Trump-Sentiment zum Druck und der Herausgabe einer eigenen, gefälschten „Washington Post“ führte. In der Renommierzeitung, die dem Amazon-Tycoon Jeff Bezos gehört und die keinen Trump-Skandal auslässt, dichteten die „Yes Men“ im Aufmacher, der US-Präsident habe seine Rücktrittserklärung auf einer Serviette im Oval Office hinterlassen und sei auf die Krim gereist, und zwar in jenen Palast in Jalta, in dem die Führer der Alliierten 1945 über das Ende des Zweiten Weltkriegs sprachen. 10.000 Exemplare der „Post“ wurden verteilt – als Zeitungsausgabe der Zukunft und wie man dahin gelangte, sagte ein Initiator. Das sei „wie eine Roadmap für Aktivisten“.

Ich wünsche Ihnen einen agilen Tag mit vielen Ideen. Es grüßt Sie herzlich

Hans-Jürgen Jakobs
Senior Editor / Handelsblatt-Autor


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