Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Morning Briefing Zwei Bücher gegen Donald Trump

18.06.2020 - 06:00 Uhr Kommentieren

Liebe Leserinnen und Leser,

die Buchbranche freut sich über ein kleines Konjunkturpaket, geschnürt von Donald Trump persönlich. Der US-Präsident erfüllt nun einmal – unfreiwillig – alle Voraussetzungen, um taugliche Bestseller entstehen zu lassen. Unfähig zu langfristigen Loyalitäten (was Rachegelüste entstehen lässt), fähig zum juristisch Äußersten, um missliebige publizistische Werke zu verhindern (was sie nur noch attraktiver macht). So ist der Immer-auf-Sendung-Präsident derzeit gleich in zwei Schlammschlachten verwickelt. Immer geht es um Querschüsse aus seinem eigenen Lager.

Quelle: AFP
Das Weiße Haus versucht, die Veröffentlichung des Buchs des früheren Sicherheitsberaters, John Bolton, zu verhindern.
(Foto: AFP)

Was da donnert, sind die Memoiren seines einstigen Sicherheitsberaters John Bolton, dessen Titel auch über einem Roman unguten Inhalts stehen könnte: „Das Zimmer, in dem alles geschah – Erinnerungen aus dem Weißen Haus“. Danach soll Trump mehrfach bei Strafverfahren interveniert und Chinas Machthaber Xi Jinping vorgeschlagen haben, doch bitte Wahlkampfhilfe zu leisten: China solle US-Agrarprodukte kaufen, um in den USA die Trump-Sympathie zu steigern.

Gegen den geplanten Buchstart am 23. Juni hat das US-Justizministerium Klage eingereicht. Für „Trump, das unbekannte Wesen, Teil II“ sorgt seine Nichte Mary L. Trump, eine Psychologin, die treffend über dunkle Familiengeheimnisse zu räsonieren weiß. Sie gibt ihrem „gestörten“ Onkel die Schuld am frühen Alkoholtod ihres Vaters Fred Trump Jr. und titelt unbarmherzig: „Too Much and Never Enough: How My Family Created the World‘s Most Dangerous Man“. Hier geht der Vorhang auf und keine Frage bleibt offen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zur Verantwortung des „gefährlichsten Mannes der Welt“ gehört auch das Scheitern einer globalen Unternehmenssteuer für multinationale Konzerne. Jetzt befand sein Finanzminister Steven Mnuchin, die Verhandlungen von mehr als 100 Staaten in dieser Sache stünden in einer „Sackgasse“. Seinen Vorschlag kennt man aus vertrackten Beziehungen: Lasst uns mal Pause machen! Die Arbeit mehrerer Jahre wäre damit in Luft aufgelöst.

    Einen entsprechenden Brief schrieb Mnuchin seinen Kollegen in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Sie werden Olaf Scholz davon berichten. Es ist offen, was aus Europas Wunsch werden soll, dass große US-Unternehmen auf dem „alten Kontinent“ nicht nur Riesengewinne einfahren, sondern auch für ordentliche Steuereinnahmen sorgen.

    Quelle: dpa
    Beim Schlachtereibetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind mehr als 650 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden

    Die Bundesregierung in Gestalt von Angela Merkel lässt Großveranstaltungen mit Zuschauern erst von November an zu und gibt ansonsten erneut die Parole aus, wir müssten mit der Pandemie leben. In und um Gütersloh bereitet just diese Perspektive Volkskummer, denn in der Fleischfabrik von Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück ist bei mehr als 650 Mitarbeitern eine Corona-Infektion festgestellt worden. Die meisten von ihnen stammen aus Osteuropa. Wahrscheinlich hatten einige das Virus nach Kurzurlauben daheim mitgebracht.

    Der Landkreis hat nach dem Tönnies-Desaster alle Schulen und Kitas wieder geschlossen, was einen Firmensprecher ganz sanft werden lässt: „Wir können uns nur entschuldigen.“ Tönnies hatte übrigens einst angeboten, Corona-Tests für Fußball-Bundesliga-Klubs zu übernehmen.

    Was will Heinz Hermann Thiele? Ein Held der freien Marktwirtschaft sein, der mal eben für eine Viertelmilliarde seinen Anteil am Sanierungsfall Lufthansa von 10 auf 15 Prozent liftet, um dem Bund als neuen Großaktionär Grenzen aufzuzeigen? Es seien ja nicht alle Möglichkeiten bei der Rettung berücksichtigt worden, erklärt Knorr-Bremse-Patron Thiele, was wohl eine mögliche Insolvenz in Eigenverwaltung einschließt. Lufthansa brauche keine Staatsbeteiligung.

    Bundesfinanzminister Olaf Scholz dagegen steht zur gefundenen „gut abgewogenen Lösung“. Es könne nicht sein, dass der Staat – der in der Finanzkrise mit viel Steuergeld gerettet habe – nur für Risiken und Verluste zuständig sei: „Das kann nicht noch mal so laufen.“ Als eine Art Mediator könnte in diesem Crash nach unseren Informationen der Thiele-Vertraute Tom Enders auftreten: Der einstige Airbus-Chef sitzt in den Aufsichtsräten von Knorr-Bremse und Lufthansa.

    Die Not ist da, der Zins niedrig, der Staat hilft: Kein Wunder, dass bedingt durch die Coronakrise das Volumen der ausgereichten Kredite explodiert. Ein regelrechter „Run auf Bankdarlehen“ sei ausgelöst worden, schreiben wir in unserem aktuellen Unteraufmacher auf Seite eins. So rechnet die staatliche Förderbank KfW allein fürs zweite Quartal mit einem Kreditwachstum von zehn Prozent. Der Kreditkanal für die deutsche Wirtschaft sei offengehalten worden, sagt KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Die Hypo-Vereinsbank wiederum berichtet, seit März zwei Milliarden Euro an Förderkrediten zugesagt zu haben. Das Kreditgeschäft wachse kräftig, bescheinigt Firmenkunden-Vorstand Markus Beumer. Jetzt fehlt nur noch mehr Gesamtgeschäft, technisch „Bruttoinlandsprodukt“ genannt.

    Quelle: Tripadvisor
    Das Tantris-Restaurant in München soll für mehrere Millionen saniert werden.
    (Foto: Tripadvisor)

    Und dann ist da noch das „Tantris“ in München, seit fast 50 Jahren deutsche Kathedrale der Sterne-Küche, ein Küchenspektakel im Designlook der Olympia-Euphorie 1972, das Bauunternehmer Fritz Eichbauer in die Republik einbrachte. Der Mann auf der Straße verstand nicht immer, was da in der Stätte des architektonischen Brutalismus geschah, aber das war ja auch wieder irgendwie egal, weil hier Eckart Witzigmann, Heinz Winkler und Hans Haas ihren Ruhm erkochten.

    Nun saniert Geschäftsführer Felix Eichbauer für mehrere Millionen, Haas geht Ende 2020 nach 29 Jahren – und der Neue für die Marke „Tantris“ ist schon da. Es handelt sich um den 43-jährigen Matthias Hahn, einen „Executive Chef“, der in den vergangenen 16 Jahren in hochrangigen Positionen dem französischen Cuisinier Alain Ducasse diente. Der 92-jährige Gründer-Veteran Eichbauer Senior ist voll des Lobes: Der sei „überhaupt nicht spinös“.

    Ich wünsche Ihnen einen positiven, alles andere als spinösen Tag.

    Es grüßt Sie herzlich Ihr

    Ihr

    Hans-Jürgen Jakobs
    Senior Editor

    Hier können Sie das Morning Briefing abonnieren.

    Morning Briefing: Alexa
    Startseite
    0 Kommentare zu "Morning Briefing : Zwei Bücher gegen Donald Trump"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%