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Morning BriefingVon der Terrorliste ins Weiße Haus – der Weg des syrischen Präsidenten

Christian Rickens 11.11.2025 - 06:01 Uhr
Morning Briefing

Cloud-Offensive: AWS deutet noch mehr Investitionen an

11.11.2025
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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

Der weltgrößte Cloud-Anbieter Amazon Web Services (AWS) hat seit dem Erfolg von KI-Chatbots wie ChatGPT mit sinkenden Marktanteilen zu kämpfen. Einst vereinte AWS mehr als 50 Prozent der weltweiten Cloud-Umsätze – einer aktuellen Auswertung von Synergy Research zufolge sind es mittlerweile nur noch 29 Prozent. Die Konkurrenten Microsoft und Google nutzen ihren KI-Vorsprung für einen rasanten Ausbau ihrer eigenen Cloud-Imperien und wachsen schneller als AWS.

Aber AWS ist immer noch Marktführer und will diese Position mit aller Kraft verteidigen. 125 Milliarden Dollar investiert Amazon im laufenden Jahr – vor allem in KI-Chips und Rechenzentren. Das entspricht ungefähr dem Jahresumsatz von AWS und ist weit mehr, als andere Tech-Konzerne aufwenden. Kritiker fürchten, dass sich die enormen Investitionen nicht rechnen könnten.

Matt Garman: „Wir halten unsere Finanzierungsangelegenheiten vorerst geheim.“ Foto: picture alliance / AWS, Imago/NurPhoto [M]

AWS-Chef Matt Garman teilt diese Sorge offenbar nicht. Im Gespräch mit unserem Westküsten-Korrespondenten Philipp Alvares de Souza Soares stellt er für 2026 noch höhere Ausgaben in Aussicht. Angesichts der starken Nachfrage sei das nur konsequent, sagte er:

Wir sehen eine riesige Nachfrage. Und das auf absehbare Zeit.

Mit Rücksicht auf den „Zustand, in dem sich die internationale Politik“ derzeit befinde, habe AWS zudem ein neues, „souveränes“ Cloud-Angebot entwickelt, das vom restlichen Netz des Konzerns getrennt operiere. Es werde von einer europäischen Firma betrieben, die von Europäern geführt werde. Der erste Teil des 7,8 Milliarden Euro teuren Projekts soll Ende des Jahres in Brandenburg ans Netz gehen. Garman zielt mit dem Angebot vorwiegend auf Regierungs- und andere besonders streng regulierte Kunden.

Wenn Sie noch wissen wollen, was der AWS-Chef über konzerneigene Atomkraftwerke und den Wettbewerber Microsoft sagt, können Sie hier das vollständige Gespräch nachlesen.

Syriens Präsident im Weißen Haus

„Vom Bordstein bis zur Skyline“ rappte einst Bushido, aber dieses Battle verliert der deutsche Unterhaltungsmusiker klar gegen Syriens Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Aus dem US‑Gefangenenlager bis ins Weiße Haus, das ist ein weit beeindruckenderer Aufstieg.

Al-Scharaa hatte nach dem Einmarsch der Amerikaner 2003 im Irak aufseiten der Terrororganisation al-Qaida gegen US-Truppen gekämpft und saß fünf Jahre in einem amerikanischen Lager. Nach seiner Rückkehr nach Syrien gründete er den dortigen Ableger von al-Qaida. Die USA setzten zehn Millionen Dollar Kopfgeld auf ihn aus.

In einer Blitzoffensive stürzte er zusammen mit verbündeten Islamisten überraschend das Regime des Despoten Baschar al-Assad. Al-Schaara zog in den Präsidentenpalast in Damaskus ein und wird seitdem international hofiert – vor allem, weil er Syriens beste, manche sagen: einzige Hoffnung auf leidliche Stabilität verkörpert.

Gestern Abend hat ihn US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen. In Washington warb al-Scharaa für die Aufhebung der Sanktionen, die gegen das Assad-Regime verhängt worden waren. Er erreichte aber lediglich, dass die Sanktionen ein weiteres Mal um sechs Monate außer Kraft gesetzt wurden.

US-Präsident Trump empfängt den syrischen Übergangspräsidenten al-Scharaa: Eben noch auf der Terrorliste, jetzt als Gast im Weißen Haus. Foto: HOGP/AP/dpa

Deutlich mehr Ukraine-Flüchtlinge

Im September sind so viele Menschen aus der Ukraine in die EU geflohen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Rund 79.000 Flüchtlingen wurde laut Zahlen des EU-Statistikamts Eurostat vorübergehender Schutz gewährt. Das seien 49 Prozent mehr gewesen als im August.

Der Anstieg folgt auf ein gelockertes Ausreiseverbot für junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren. Zuvor hatten sie ebenso wie die wehrpflichtigen Männer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren das Land in der Regel nicht verlassen dürfen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges sind den Angaben zufolge mehr als 4,3 Millionen Menschen aus der Ukraine in die EU geflohen. Deutschland hat über 1,2 Millionen von ihnen aufgenommen.

Handy-Sperre gegen Drohnen

Die Drohnenangriffe aus der Ukraine auf Russland haben eine kuriose, für Reisende mitunter auch lästige Folge: Die Staatsführung lässt neuerdings SIM-Karten in Telefonen für 24 Stunden ab Ankunft in Russland blockieren. „Wenn eine SIM-Karte aus dem Ausland nach Russland gelangt, muss bestätigt werden, dass sie von einer Person verwendet wird und nicht in eine Drohne eingebaut ist“, erklärte das Ministerium bei Telegram. Für die Zeit der Überprüfung werde die Karte deshalb für mobiles Internet und Kurznachrichten gesperrt.

Reisende hatten sich nach der Ankunft in Russland zuletzt bisweilen gewundert, dass zwar Telefonieren möglich war, aber das mobile Internet nicht funktionierte, um etwa ein Taxi über eine App zu bestellen. Das Ministerium weiter:

SIM-Karten mit mobilem Internet können sich in feindlichen unbemannten Flugobjekten befinden und für deren Navigation verwendet werden. Vorübergehende Sperren ermöglichen einen besseren Schutz vor Drohnen.

Über eine Autorisierung beim Mobilfunkanbieter per Anruf oder per Online-Link sei der Zugang zum Internet auch vor Ablauf der 24 Stunden möglich.

Ich vermute: Es kann sich nur noch um Monate handeln, bis die Drohnen-KI diesen Schritt im Flug erledigt.

Warren Buffett: Der Starinvestor übergibt zum Jahresende die Führung seines Konglomerats Berkshire Hathaway. Foto: AFP

Buffett will noch mehr an seine Kinder spenden

Starinvestor Warren Buffett will sein Vermögen noch schneller für gemeinnützige Zwecke einsetzen als bislang geplant. Das teilte der Noch-CEO von Berkshire Hathaway am Montag in einem Brief an seine Aktionäre mit. Dazu plant der 95-Jährige vor allem, die Spenden an die Stiftungen seiner drei Kinder zu erhöhen. Buffett hat schon vor vielen Jahren beschlossen, fast sein gesamtes Vermögen zu spenden. Sein Nachlass wird laut US-Börsensender CNBC auf 149 Milliarden Dollar geschätzt.

Buffett führt Berkshire seit 60 Jahren und ist mit dem Konglomerat zu einem der reichsten Menschen der Welt geworden. Zum Jahresende übergibt er den Chefposten an Greg Abel. Im Hinblick auf Berkshires langfristigen Erfolg bleibt Buffett zuversichtlich:

Unser Aktienkurs wird sich launisch entwickeln und gelegentlich um etwa 50 Prozent fallen – so, wie es in den letzten 60 Jahren bereits dreimal vorgekommen ist. Verzweifeln Sie nicht. Amerika wird sich erholen, genauso wie die Berkshire-Aktien
Nach kaum mehr als einem halben Jahr im Amt steckt die schwarz-rote Koalition von Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Tief. Foto: Michael Kappeler/dpa

Wie der Kanzler Geburtstag feiert

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wird heute 70, und seine Bundestagsfraktion feiert ihn mit einem Empfang im Reichstagsgebäude. Eingeladen sind etwa 300 Gäste, darunter Familienmitglieder, alle Bundestagsabgeordneten und die Unions-Ministerpräsidenten. Auch die Fraktionschefs von SPD und Grünen werden erwartet.

Am Abend will Merz mit seiner Frau Charlotte, seinen Kindern und seinen Enkeln in kleinem Kreise weiterfeiern. Er hat angekündigt, dass er kein großes Brimborium um seinen runden Geburtstag machen wolle. Für ihn sei es ein ganz „normaler Arbeitstag“, so Merz.

Anders ausgedrückt: heute kein Rambo-Zambo.

Sollten Sie in den karnevalsgeneigten Breiten leben, wünsche ich Ihnen einen vergnüglichen Auftakt der fünften Jahreszeit.

Herzliche Grüße,

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Christian Rickens

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