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Weekend-Briefing Baerbocks Fehler, soziale Spaltung, Unternehmertum: Der Wochenrückblick des Chefredakteurs

Die Vermögensungleichheit in Deutschland wird überschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue DIW-Studie. Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat.
03.07.2021 - 10:37 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

von dem Investor Guy Kawasaki stammt der wunderbare Satz: „Unternehmer ist keine Berufsbezeichnung. Es ist eine Geisteshaltung von Menschen, die die Zukunft verändern möchten.“ An den Satz musste ich diese Woche denken, als das Handelsblatt – wie jedes Jahr – herausragende Unternehmerpersönlichkeiten mit der Hall of Fame der Familienunternehmen ehrte. Dieses Jahr haben wir in einem aufwendigen Digitalevent Bettina und Reinhold Würth, Alfred Ritter und die Brüder Arndt, Johannes und Wolfgang Kirchhoff ausgezeichnet.

Alfred Ritter wurde ausgezeichnet.
Alfred Ritter und Judith Rakers

Alfred Ritter wurde ausgezeichnet.

Es ist aber nicht nur die Geisteshaltung, die große Unternehmer eint, sondern auch der Wunsch, bleibende Strukturen zu schaffen. Mit diesen Strukturen sind Familienunternehmen nicht nur die Stütze der deutschen Wirtschaft

  • Rund 90 Prozent aller Firmen in Deutschland werden von Familien kontrolliert.
  • Die vielen Unternehmen des industriellen Mittelstands haben unser Land durch die Krise getragen.
  • 58 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten bei Familienunternehmen.
  • Die 500 größten von Familien kontrollierten Unternehmen haben zwischen 2007 und 2016 die Zahl ihrer Mitarbeiter in Deutschland um 23 Prozent gesteigert. Bei Dax-Konzernen legte die Beschäftigung nur um vier Prozent zu.
  • Bei der Digitalisierung tun sich Familienunternehmen laut Studien der WHU mitunter zwar schwer.
  • Dafür spielen sie bei Umwelttechnologien eine führende Rolle, wie das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik eindrücklich feststellte: In den wichtigsten Umweltbranchen liegt der durchschnittliche Anteil von Familienunternehmen bei rund 90 Prozent.
  • Und sie kommen wegen ihrer langfristigen Ausrichtung besser durch Wirtschaftskrisen, wie gleich mehrere Studien belegen.

Um zu erfahren, wie Familienunternehmern das gelingt, muss man nur Reinhold Würth zuhören. In seiner Dankesrede sagte er bei der Hall of Fame: Es ginge ihn dann zwar dann nichts mehr an, aber er mache sich gerade intensiv Gedanken darüber, wie sein Unternehmen im Jahr 2050 aussehen werde. Deshalb trommelt er seine Leute gerade immer wieder zusammen, um über Künstliche Intelligenz und die Folgen der Digitalisierung zu sprechen.

Zur Erinnerung: Würth ist 86 Jahre alt.

Hans-Jürgen Jakobs (links) und Reinhold Würth mit seiner Tochter Bettina. Quelle: Scanner GmbH Kuenzelsau
Hans-Jürgen Jakobs, Reinhold Würth und Tochter Bettina

Hans-Jürgen Jakobs (links) und Reinhold Würth mit seiner Tochter Bettina.

(Foto: Scanner GmbH Kuenzelsau)

Es sind diese langen Linien, in denen echte Unternehmer denken. Linien, die im besten Fall über viele Generationen hinweg reichen.

Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

1. Annalena Baerbock steht unter Druck. Wieder einmal. Diese Woche wegen abgekupferter Passagen in ihrem Buch, und schon rollt die Welle der Empörung. Sicher hat die Spitzenkandidatin der Grünen Fehler gemacht. Man fragt sich nur: Wann widmen wir uns in diesem Wahlkampf endlich den wirklich wichtigen Themen? Statt über Lebensläufe sollten es um Wachstumsperspektiven für dieses Land gehen, statt Bücherdebatten brauchen wir Rentendebatten. Statt Diskussionen darüber, von wem sich Spitzenkandidaten interviewen lassen, ist ein Gespräch über die Modernisierung des deutschen Bildungssystems überfällig. Es droht ein Wahlkampf um Nebensächlichkeiten.

2. Irgendwann in den vergangenen Jahren hat dieses Land verlernt, über die wirklich wichtigen Dinge zu streiten. Was fehlt sind echte Konfrontationen und klare Kanten, kommentiert sehr treffend mein Kollege Christian Rickens, den Sie diese Woche bereits als neuen Co-Autor des Morning Briefings kennengelernt haben. Mehr Streit, so schreibt Rickens, würde die demokratische Kultur stärken.

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3. Die Klagen aus dem linken Lager kennt jeder: Seit Jahren schon, so heißt es, nehme die Ungleichheit in Deutschland zu. SPD, Grüne und Linke wollen deshalb die Vermögenssteuer wieder einführen. Doch so einfach ist die Sache möglicherweise nicht. Eine Studie des IW Köln kommt zu dem Ergebnis, dass die Vermögensungleichheit in Deutschland überschätzt werde, weil zu viele Faktoren außen vor gelassen werden – die Rentenansprüche zum Beispiel.

4. Die Debatten über die Vermögenssteuer haben bei Anwälten, Treuhändern und Steuerberatern in den vergangenen Monaten jedenfalls geschäftiges Treiben ausgelöst: Auf der Suche nach Möglichkeiten, eine solche Steuer zu umgehen, das zeigen Recherchen unseres Zürich-Korrespondenten Jakob Blume, boomt die Beratung zu Stiftungsmodellen in Liechtenstein.

Vermögende suchen nach Möglichkeiten, eine Vermögenssteuer zu umgehen. Quelle: Bloomberg
Lichtenstein

Vermögende suchen nach Möglichkeiten, eine Vermögenssteuer zu umgehen.

(Foto: Bloomberg)

5. Im ersten Halbjahr dieses Jahres konnten Anleger in den meisten Märkten Geld verdienen. Welche aber schlossen am besten ab? Unser Geldanlage-Team hat analysiert, was aus 100.000 Euro in unterschiedlichen Anlageklassen wurde. So viel vorab: Zu den erfolgreichsten Anlageklassen gehörte: Mais.

6. Eine Recherche meiner Kollegen Kathrin Witsch, Dana Heide und Moritz Koch hat diese Woche in der Energiebranche für Aufruhr gesorgt. Sie schildert fragwürdige Verbindungen deutscher Solaranbieter zu chinesischen Lieferanten, die wegen Zwangsarbeit in Verruf geraten sind. Einige deutsche Firmen ziehen bereits Konsequenzen, sie kappen die Verbindung nach China. Andere halten die Lieferanten dort für unersetzbar. Beispiele wie diese zeigen die Doppelmoral der Energiewende. Und diese Grafik bringt das Dilemma auf den Punkt:

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7. In Berlin ist längst ein Überbietungswettlauf rund um den CO2-Preis ausgebrochen. Natürlich geht es beim Klimaschutz um ein wichtiges Anliegen, keine Frage. Für die negativen Auswirkungen dieses Wettlaufs interessiert sich in Berlin bislang allerdings kaum jemand. Deshalb haben sich meine Kollegen Jürgen Flauger und Silke Kersting der Sache angenommen. Sie beschreiben, wie die ohnehin schon steigenden CO2-Preise den Großhandelsstrompreis in den vergangenen 18 Monaten um über 100 Prozent in die Höhe getrieben haben – und welche dramatischen Folgen das für die deutsche Industrie hat. Klimaschutz ist wichtig. Aber ohne eine industrielle Basis wird Deutschland nicht in der Lage sein, den grünen Umbau der Wirtschaft zu finanzieren.

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8. Während sich Europa in den Sommerurlaub verabschiedet, machen viele Länder Asiens wieder dicht, wie mein Kollege Mathias Peer aus Bangkok berichtet. Die nächste Welle kommt, bislang will es nur kaum jemand wahrhaben.

9. Seit Monaten hören meine Kollegen in vertraulichen Gesprächen mit Bankern und Private-Equity-Insidern von großen Übernahmen und Fusionen, die im Verborgenen vorbereitet werden. Diese Woche erfuhren meine Kollegen Martin Murphy, Martin-W. Buchenau und Roman Tyborski, dass der Münchner Automobilzulieferer Knorr-Bremse in das Bieterrennen um den Elektronikspezialisten Hella eingestiegen ist. Es geht um einen Sieben-Milliarden-Deal. Und das dürfte erst der Anfang einer großen Übernahmewelle sein, meinen Banker. Sie hätten noch nie so viel Geld zur Verfügung gehabt – und die Gelegenheiten waren nie besser. Viele Mittelständler sind zur Konsolidierung regelrecht gezwungen, weil sie die technologische Transformation finanziell allein nicht mehr stemmen können.

Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzlichst,
Ihr

Sebastian Matthes

Chefredakteur Handelsblatt

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PS: Unsere Titelgeschichte haben wir diese Woche einem Ausnahme-Unternehmer gewidmet: Jeff Bezos. Am Montag zieht er sich aus dem operativen Geschäft von Amazon zurück, nach exakt 27 Jahren an der Spitze. Er hat innerhalb nur einer Generation aus einer Garagenfirma ein Imperium mit fast 1,3 Millionen Mitarbeitern geschaffen, mit einer Marktkapitalisierung von über 1,7 Billionen Dollar. Das macht ihn, wie unser großer Titelreport zeigt, zum größten Unternehmer unserer Zeit.
Die Zahl junger IT-Firmen von Weltrang ist in Deutschland überschaubar. Das Mdax-Unternehmen Teamviewer aus Göppingen gehört zu den wenigen Stars der Szene.

Das Kernprodukt: eine Software für die Fernsteuerung und Fernwartung von Computern und anderen Geräten. Nun wird Teamviewer Hauptsponsor bei Manchester United, einem der bekanntesten Fußballclubs der Welt. Ist das Größenwahn? Oder tatsächlich eine kluge Marketingstrategie? Diese Fragen und mehr beantwortet Teamviewer-CEO Oliver Steil in der aktuellen Folge des Podcasts Handelsblatt Disrupt.

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In Lima, der Hauptstadt Perus, dauern die Proteste gegen die Regierung weiter an. Dabei kommt es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei.

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