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Weekend-Briefing Katastrophen-Wahlkampf und Neue Regeln der Macht: Der Wochenrückblick des Chefredakteurs

Am Mittwoch verkündete die EU-Kommission ihr Klimapaket “Fit for 55”. Dann brach die Flut los und sorgte für katastrophale Szenarien. Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat.
17.07.2021 - 09:21 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

hinter uns liegt eine Woche, in der sich die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte auf wenige Stunden verdichtet haben. Am Mittwoch verkündeten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und ihr Vize Frans Timmermans das Klimapaket “Fit for 55”. Einen Tag später brach die Flut los und sorgte vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz für Szenen, die sprachlos machen: Überflutete Straßen, eingestürzte Häuser, weggeschwemmte Ortschaften. Über 100 Menschen sind umgekommen, Dutzende werden vermisst, Abertausende haben ihre Bleibe verloren. Gestern löste das Verteidigungsministerium den militärischen Katastrophenalarm aus.

Wie groß der Anteil des Klimawandels an dieser Katastrophe ist, lässt sich schwer sagen – und zugleich sehr genau. Ob eine einzelne Überschwemmung kausal auf die Erderwärmung zurückzuführen ist, wird kaum zu belegen sein. Aber als sicher kann gelten: Solche extremen Wetterereignisse werden umso häufiger, je stärker sich das Klima aufheizt. Mit der Flutkatastrophe ist daher der Moment erreicht, in dem die Ernsthaftigkeit in den Wahlkampf zurückkehren muss. Lückenhafte Lebensläufe, fehlende Fußnoten oder die Frage, ob ein Spitzenkandidat nun “junge Frau” oder doch eher “Entschuldigung” in einem Interview gesagt hat – wir sollten uns von den aufgeregten Twitterdebatten ab- und den wichtigen Themen zuwenden.

Der Frage zum Beispiel, wie sich das Klimapaket der EU im Detail umsetzen lässt, ohne dass es einen Flächenbrand im industriellen Mittelstand gibt. Der Vizepräsident der EU-Kommission Timmermans räumte im Handelsblatt-Interview selbst ein, dass durch den Klimaschutz Jobs verloren gehen werden. Es würden allerdings auch zwei Millionen neue entstehen, sagte er. Doch über genau diese Hoffnung müssen wir reden. Schon bei aktuellen CO2-Preisen geraten einige Unternehmen des industriellen Mittelstandes an ihre Belastungsgrenze. Zur Erinnerung: Das sind diejenigen Unternehmen, die eben noch dazu beigetragen haben, Deutschlands Wirtschaft durch die Coronakrise zu tragen.

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    Die Klimakrise zu bekämpfen ist die historische Aufgabe unserer Generation. Aber diesen Kampf wird dieses Land nur gemeinsam mit der Industrie gewinnen. Es ist im Übrigen die deutsche Industrie, die viele der Hightech-Produkte herstellt, die für den grünen Umbau der Wirtschaft in aller Welt nötig sind: Spezialbeschichtungen für Windräder, Hightech für Solaranlagen und wichtige Komponenten, ohne die keine Batterie von Elektroautos entstehen kann.

    Quelle: dpa
    Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem. Laut der Behörde sind einige Häuser eingestürzt, mehrere Menschen werden vermisst.

    Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

    1. In den Klima-Plänen der EU-Kommission ist das Aus des Verbrennungsmotors ab 2035 praktisch besiegelt. Der Umstieg auf Elektromobilität könnte allerdings schwieriger werden als gedacht. Denn die Nachfrage überfordert schon jetzt die Batteriehersteller, schreiben Kathrin Witsch und Franz Hubik. In den nächsten sechs Jahren werden weltweit Batteriezellen für fast 15 Millionen Neuwagen fehlen.

    2. Wer derzeit mit Führungskräften großer Konzerne spricht erfährt drei Dinge: Erstens sind viele überrascht davon, wie gut ihr Unternehmen durch die Krise gekommen ist. Zweitens haben viele die Krise für eine schnellere Transformation ihres Unternehmens genutzt, Strukturen verändert, neue Technologien getestet, Innovationen vorangetrieben. Und drittens meinen viele, dass die Zeit der Transformation nicht so bald enden wird. Vielmehr steht die Wirtschaft vor einem lang andauernden Veränderungsprozess. Das ist spannend, weil viel Neues entsteht. Aber das sorgt auch für Unsicherheiten, mit denen Führungskräfte und Mitarbeiter umgehen müssen. Wie das gelingen kann und wie einige der wichtigsten deutschen CEOs ihre Unternehmen gerade neu aufstellen, das lesen Sie in unserem aktuellen Wochenende-Titel, den ich Ihnen wärmstens empfehle.

    Quelle: laif/Patrick Junker, Upstalsboom, dpa, action press, Gaby Gerster SAP
    Neue Regeln der Macht
    (Foto: laif/Patrick Junker, Upstalsboom, dpa, action press, Gaby Gerster SAP)

    3. Über Transformation habe ich diese Woche in meinem Podcast auch mit Nikolai Setzer gesprochen, dem neuen CEO des Automobilzulieferers Continental. Er hat ein nahezu irrwitziges Projekt vor der Brust: Setzer will das Unternehmen in einen Hightech- und Softwarekonzern verwandeln – mit angeschlossener Reifenproduktion. Ein komplexes Gebilde mit mächtigen Wettbewerbern. Denn im Feld Software hat Setzer es mit Namen wie Amazon und Google zu tun. Aber, so viel sei verraten, er sieht durchaus eine Lücke für Conti.

    4. Kaum ein Thema elektrisiert Handelsblatt-Leser so sehr wie die Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt. Dabei fällt der Blick oft auf Frankfurt, Berlin oder München. Doch die schnell steigenden Preise sind kein rein deutsches Phänomen: Weltweit steigen die Immobilienpreise so schnell wie seit 2006 nicht mehr. Das war das Jahr vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise. Wir haben uns in der Handelsblatt-Redaktion gefragt: Wie nah sind wir der Situation von damals? Droht womöglich eine neue globale Immobilienblase? Mit diesen Fragen haben sich unsere Korrespondenten auf den Weg gemacht. Herausgekommen ist eine spannende Analyse der Immobilienmärkte von New York über London bis Shenzhen.

    Grafik

    5. Meine Kollegin Dana Heide in Peking hat eine bewegte Woche hinter sich. Zuerst reiste sie in Chinas unterdrückte Provinz Xinjiang, um einen höchst lesenswerten Report über Unternehmen vor Ort zu schreiben: Sie besuchte Firmen, denen es immer schwerer fällt, Menschenrechtsstandards einzuhalten, weil das von der Staatsführung mittlerweile als Angriff gesehen wird. Der Report zeigt, dass der Standort Xinjiangs längst zur Belastung für viele westliche Unternehmen geworden ist. Und er zeigt, wie schwer die Arbeit für Journalisten dort mittlerweile ist. Heide wurde beschattet, immer wieder von Sicherheitskräften aufgehalten, musste sich immer wieder registrieren.

    Quelle: Reuters
    Arbeiter in der chinesischen Provinz Xinjiang

    6. Zum Ende der Woche befasste sich Dana Heide noch mit dem eher verhaltenen ökonomischen Ausblick Chinas. In einer großen Analyse beschreiben sie und die Handelsblatt-Auslandschefin Nicole Bastian warum die chinesische Wirtschaft derzeit schwächer läuft als es auf den ersten Blick aussieht. Und die Risiken nehmen zu, was auch daran liegt, dass die Chinesen weniger konsumieren als die Regierung in Peking gehofft hatte.

    7. Für sieben Firmen ist der Aufstieg in den Dax 40 so gut wie sicher. Um die drei weiteren Plätze kämpfen sechs Unternehmen. Unser Geldanlage-Team hat sich alle potenziellen Aufsteiger angeschaut. Und für die dürften sich immer mehr Deutsche interessieren. Jahrelang klagte die Wirtschaft, dass sich die Deutschen nicht für die Aktienmärkte interessieren. Das ändert sich, wie diese Grafik zeigt, vor allem bei Jüngeren:

    Grafik

    Und zum Schluss noch ein Blick nach Kalifornien, dem Ort der Träumer und Tech-Konzerne, wo der Klimawandel schon lange nicht mehr zu übersehen ist. Axel Postinett beschreibt, wie Hitze, Dürre und Großbrände dort mittlerweile den Alltag verändern. Und dass Zentralkalifornien pro Jahr ein paar Millimeter absackt, weil Landwirte und Industrie das Grundwasser abpumpen. Das hat auf Dauer fatale Auswirkungen auf Straßen, Brücken und Gebäude.

    Ihnen ein schönes Wochenende.

    Herzlichst,
    Ihr

    Sebastian Matthes

    Chefredakteur Handelsblatt

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