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Weekend-Briefing Krypto-Krise, Erbschaftssteuer, US-Talente: Der Wochenrückblick des Chefredakteurs

Angela Merkel mahnt die Industrie, die Digitalisierung nicht zu verschlafen. Autohersteller dürften nicht zur verlängerten Werkbank der IT werden. Was uns sonst noch bewegt hat.
22.05.2021 - 11:09 Uhr Kommentieren

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung habe ich diese Woche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und dem Präsidenten des IT-Branchenverbands Bitkom, Achim Berg, über die digitalpolitische Bilanz der Bundesregierung diskutiert. Es war eine durchaus kritische Debatte, in der Merkel die deutschen Industrieunternehmen mahnte, das nächste Kapitel der Digitalisierung nicht zu verschlafen. Vor allem die Autohersteller warnte sie davor, zu einer Art „verlängerter Werkbank“ von IT-Unternehmen zu werden.

Auch zum staatlichen Engagement bei großen IT-Projekten hat sie eine klare Meinung: Bei dem Cloudprojekt Gaia X arbeite die Bundesregierung mit vielen Unternehmen zusammen. In den USA dagegen komme die Innovation im Bereich Cloud viel stärker aus dem privaten Sektor. Sie glaube nicht, dass die Regierung für den wirtschaftlichen Erfolg in diesem Feld vorrangig zuständig sei. Stattdessen gelte: „Der Staat muss Rahmenbedingungen schaffen.“ Das ganze Gespräch hören Sie diese Woche in meinem Podcast Handelsblatt Disrupt.

Merkel hat Recht, wenn sie sagt, der Staat müsse vor allen den Rahmen für technologische Entwicklungen setzen. Die Wirklichkeit sieht allerdings etwas anders aus. Wir erleben derzeit eine grundsätzliche Verschiebung im Verhältnis zwischen Staat und Markt, wie meine Kollegen Martin Greive und Christian Rickens in unserem sehr lesenswerten Wochenendreport analysieren.

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    Quelle: Mona Eing & Michael Meissner
    Der Staat begnügt sich diesmal nicht mit der Rolle des Nothelfers, der sich nach der Krise wieder zurückzieht.
    (Foto: Mona Eing & Michael Meissner)

    Vor gut zehn Jahren, als das Weltfinanzsystem am Abgrund stand, begnügten sich Regierungen meist noch mit der Rolle des Retters. Heute wollen sie zum Taktgeber des Wandels werden. Mit schuldenfinanzierten Programmen wollen sie den Kampf gegen den Klimawandel finanzieren und der Wirtschaft bestimmte Innovationspfade vorgeben. Gut möglich, dass sich der Staat damit übernimmt, weil er nach der Krise weit schlechter dasteht als zuvor: mit stark strapazierten Sozialsystemen und enormen Schulden.

    Was uns diese Woche sonst noch beschäftigt hat:

    1. Der Bitcoin war noch nie eine Investition für Anleger mit schwachen Nerven. Vergangene Woche ging es besonders turbulent zu. Am Wochenende sorgte Tesla-Chef Elon Musk für Verwerfungen am Krypto-Markt, weil er sich kritisch zur Energiebilanz des Bitcoin geäußert hatte. Keine neue Erkenntnis eigentlich, musste ich da denken. Aber sei’s drum. Donnerstag dann der nächste Schlag, als die Kryptowährung zeitweise um 30 Prozent einbrach. Unsere Krypto-Reporter Mareike Müller und Andreas Neuhaus haben die Entwicklung die ganze Woche über analysiert – und kommen nun zum Schluss: Der Bitcoin könnte gestärkt aus dem Crash hervorgehen.

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    2. Im Interview mit Thomas Sigmund, Martin Greive und mir hat Friedrich Merz in diese Woche ein überraschendes Zugeständnis gemacht: Über eine höhere Erbschaftssteuer zur Bewältigung der Krise könne man reden, sagte der CDU-Politiker. Bedingung dafür sei, dass das sogenannte „Familiengebrauchsvermögen“ im Erbschaftsfall steuerfrei bleibe. Klar ist spätestens nach diesem Interview: Egal welche Partei die nächste Regierung führt, die Steuern werden steigen.

    3. Klar ist außerdem: Insbesondere den Besserverdienenden wird es nach der Wahl an den Kragen gehen. Davon hat übrigens die Deutsche Bank so einige auf der Payroll – mehr als jede andere europäische Bank, wie unsere Bankenreporterin Yasmin Osman recherchiert hat. Aus meiner Sicht die spannendste Grafik der Woche.

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    4. In entsprechendem Shareholder Value schlagen sich die Spitzengehälter des Managements nicht nieder. In einem ausgiebigen Bilanzcheck analysieren Yasmin Osman und Michael Maisch den mühsamen Weg der Deutschen Bank zur Normalität. Trotz jüngster Erfolge: Nachhaltig profitabel ist die größte deutsche Bank noch lange nicht.

    5. Banker, Berater, Burn-out – darum geht es in einer Geschichte, die über ein Phänomen berichtet, über das sonst eher hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird: die oft angeschlagene psychische Gesundheit von Karrieremenschen, die statt im Flieger plötzlich nur noch im Homeoffice sitzen. Die segensreiche Wirkung der Senator-Lounge als Wellness-Oase ist offenbar bislang stets unterschätzt worden. Ein spannender Report über die Schattenseite von Remote-Work.

    6. Die Grünen erleben auch deshalb einen Höhenflug, weil es ihnen bislang am besten gelingt, vielen Wählern ein gutes Gefühl zu vermitteln: ein Gefühl von Aufbruch, Zukunft und „klimagerechtem Wohlstand“. Auf 136 Seiten hat die Partei aufgeschrieben, was sie im Falle eines Wahlsiegs anpacken will. Unser Berliner Büro hat mit Hilfe des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) recherchiert, was die vielen Ideen kosten werden. Die Antwort in einem kurzen Satz: Grün wird teuer.

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    7. Es ist noch ein kleines Start-up – aber das Unternehmen hat einen Plan, der Deutschland voranbringen könnte: Das Technologieunternehmen One Fiber will neben den Gleisen des Fernverkehrs der Deutschen Bahn ein Glasfasernetz aufbauen. Es geht dabei nicht nur um 27.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsnetz und 1,8 Milliarden Euro Investitionen, sondern auch um eine mögliche Antwort auf die Internet-Versorgungsprobleme in vielen ländlichen Regionen. Selbst das Verkehrsministerium ist angetan von den Plänen. Nun müssen sie nur noch auf die Schiene kommen. Oder vielmehr neben die Schiene, denn dort sollen die Glasfaserkabel durch die vielfach schon vorhandenen Leitungsschächte des Bahn-internen Kommunikationsnetzes verlegt werden.

    8. Lange war meine Kollegin Annett Meiritz nicht auf Dienstreise, weil sie pandemiebedingt in Washington festsaß. Nun war unsere US-Korrespondentin in Florida, um dort über die Geburt einer neuen Tech-Metropole zu recherchieren. Immer mehr Mitarbeiter junger Technologiefirmen ziehen dorthin. Selbst Softbank und Goldman Sachs expandieren dort. Es ist eine faszinierende Geschichte darüber, wie sich die Wirtschaftszentren der USA verschieben – auch infolge der Pandemie. Nie steckte mehr Wahrheit in dem Hiphop-Ohrwurm von Will Smith: Welcome to Miami!

    Quelle: Bloomberg
    Das Viertel Wynwood ist ein Labyrinth der Farbexplosion, Baustelle reiht sich an Baustelle, alle scheinen sich auf große Geschäfte vorzubereiten.
    (Foto: Bloomberg)

    9. Immer mehr US-Tech-Experten halten es stattdessen mit dem NDW-Klassiker von Ideal und sagen: „Ich steh auf Berlin.“ Eine wachsende Zahl deutscher Start-ups, das fand ich überraschend, rekrutiert Manager aus dem Silicon Valley. Und so viel sei verraten: Sie erhalten in der deutschen Gründer-Hauptstadt teils astronomische Gehälter. Diese zu bezahlen, fällt ihren neuen Arbeitgebern allerdings immer leichter. Nie zuvor steckten Kapitalgeber so viel Geld in deutsche Start-ups wie in den ersten drei Monaten dieses Jahres, wie aktuellste Zahlen zeigen. Jüngstes Beispiel dafür ist Trade Republic. Eine Rekordsumme von 740 Millionen Euro sammelte das Berliner Fintech diese Woche bei Risikoinvestoren ein. Wir sehen: Geld für junge Unternehmen gibt es genug. Nun brauchen wir nur noch mehr gute Ideen.

    Ihnen ein schönes Wochenende.

    Herzlichst,
    Ihr

    Sebastian Matthes

    Chefredakteur Handelsblatt

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