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Elektro-Kombi Nordisch nobel – der Volvo V90 T8 Recharge im Handelsblatt-Autotest

Die Schweden gelten hierzulande als die zuverlässige Alternative zu den deutschen Premiummarken. Dabei zeigt der Volvo V90, dass die nordische Zurückhaltung auch ganz schön aufregend sein kann.
21.10.2020 - 09:08 Uhr 4 Kommentare
Der große Schweden-Kombi weiß im Test zu überzeugen. Quelle: Handelsblatt
Volvo V90 T8 Recharge AWD

Der große Schweden-Kombi weiß im Test zu überzeugen.

(Foto: Handelsblatt)

Düsseldorf Der Volvo V90 ist kaum angekommen, da habe ich eigentlich schon keine Lust mehr. Eine halbe Stunde fahre ich durch die Straßen, um nach einem Parkplatz für das schwedische Schiff zu suchen. Verzweifelt drücke ich den gläsernen Schaltknauf vor und zurück, um durch die engen Straßen zu manövrieren. Immer wieder schaltet der Volvo dabei in den Leerlauf. Das Hupen der anderen Autofahrer wird nur durch das Piepsen der Parkassistenten übertönt. Ein verdammt schlechter Start – und Futter für meine Vorurteile.

Volvo war für mich immer die Hausmarke der Spießer. Sicher, zuverlässig, aber eben auch sehr bieder. Wo andere Autos mich sofort erwärmen, bleibe ich beim Spitzenmodell der Schweden anfangs eiskalt. Und ich frage mich: Bleibt das die Testzeit über so?

Der V90 ist neben dem SUV XC90 das Flaggschiff des Autoherstellers. Der Oberklasse-Kombi, 2016 als Nachfolger des sehr erfolgreichen V70 vorgestellt, verabschiedete sich von der betonten Kantigkeit seiner Vorgänger und soll die Erfolgsgeschichte der robusten Raumwunder fortsetzen.

Als T8 Recharge war der V90 eines der ersten Modelle der Schweden, die auf halbelektrischen Antrieb umgestellt wurden. Spätestens 2023 will Volvo ganz auf den Diesel verzichten. Für eine Marke, deren Dieselanteil 2019 noch bei 61 Prozent lag, eine große Herausforderung.

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    Doch weil die Zukunft laut Volvo-Chef Hakan Samuelsson elektrisch ist, soll der Plug-in-Hybrid zur sparsamen Alternative aufgebaut werden. Beim V90 können Autokäufer aus zwei halbelektrischen Antrieben wählen: Neben dem getesteten T8 gibt es noch das etwas schwächer motorisierte T6-Modell.

    Von außen ist der Volvo gewohnt elegant und nicht unbedingt auffällig. In Schneeweiß setzt der Kombi auf Understatement. Das Markenlogo ist zwar prominent an der Front angebracht. Während die deutschen Marken mit Blick auf die Vorlieben des chinesischen Markts auf viel Chrom und einen wuchtigen Kühlergrill setzen, wirken die Schweden (die immerhin zum chinesischen Geely-Reich gehören) mit feinen Linien und LED-Elementen eher nordisch nobel. Hier wurde keinesfalls zu dick aufgetragen.

    Edles Kristallglas und eine Anlage von Bowers & Wilkins

    Auch der Innenraum überrascht mich positiv. Dort fühlt man sich wie im skandinavischen Möbelhaus. Nein, nicht das, in dem Köttbullar und Billy-Regale verkauft werden. Eines dieser Designhäuser, in denen man interessiert auf das Preisschild guckt – um dann unauffällig weiterzugehen.

    Die aluminiumverkleideten Lautsprecher der Bowers & Wilkins-Anlage wurden elegant in der Seitentüre verbaut. Besonders schön (und sicher auch ein bisschen empfindlich) ist die Armatur mit Echtholzeinlage in Eiche. Für Mutige hat Volvo in diesem Testwagen auch noch hellgraue Stoffsitze eingebaut, was modern aussieht, mir als Familienvater aber den Schweiß auf die Stirn treibt.

    In Schneeweiß setzt der schwedische Kombi auf Understatement.
    Thors Hammer

    In Schneeweiß setzt der schwedische Kombi auf Understatement.

    Mit fast fünf Metern ist der V90 ziemlich lang.
    Langer Schwede

    Mit fast fünf Metern ist der V90 ziemlich lang.

    Die Wertigkeit ist diesem Volvo an jeder Ecke anzusehen. Selbst der Schaltknauf ist nicht einfach nur aus Glas, es ist Orreforer Kristallglas. Das fühlt sich gut an und sieht auch richtig gut aus – vor allem, wenn es dunkel wird und der Schaltknauf von innen beleuchtet wird. Zum Glück ist es in Schweden häufig dunkel. Mit seinen Voll-LED-Scheinwerfern in markentypischer Thor-Hammer-Optik leuchtet der V90 die Straße gut aus.

    Das Multimediasystem der Schweden ist durchdacht – und nervt die Fahrer nicht mit unendlich vielen Auswahlmöglichkeiten. Über das 12-Zoll-Display sind die gängigen Funktionen (Navigation, Audio, Telefon, Fahrdaten) einfach ansteuerbar. Lautstärke regelt man über einen Drehknopf, die verbaute Anlage klingt toll. Viel besser geht es nicht.

    Besonders überzeugend ist aber das Fahrverhalten. Obwohl der V90 mit seinen 4,93 Meter Länge und 2,1 Tonnen Schwergewicht ein echtes Dickschiff ist, lenkt er sich wahnsinnig elegant und leicht. Das Zusammenspiel von Benzin- und Elektromotor bemerkt man kaum. Das Achtgang-Automatikgetriebe schaltet sanft hoch. Obwohl der reine Elektroantrieb mit rund 80 PS schwach auf der Brust ist, bemerkt man das kaum. Kombiniert kommt der Antrieb auf eine Systemleistung von 390 PS. Aber ein Raser ist dieser Kombi nicht.

    Unebenheiten im Boden schluckt der V90 dafür mit skandinavischer Gelassenheit weg. Im Innenraum ist es dabei ruhig wie an einem Fjord am frühen Morgen – selbst wenn draußen der Berufsverkehr tobt. Über dem Kopf bietet das Panoramadach freien Blick auf den Himmel.

    Realer Verbrauch liegt deutlich über den offiziellen Angaben

    Wer in dieser angenehmen Umgebung gedanklich abschweift, wird von den Assistenten vor größerem Schaden bewahrt. Hier wird der V90 dem Markenimage und der aktuellen Werbung gerecht. Der Lenk- und der Bremsassistent funktionieren einwandfrei. Dezent weist der Volvo zunächst auf eventuelle Gefahren hin – und greift bei Bedarf beherzt ein. Das selbst gesteckte Ziel, dass ab 2020 kein Insasse eines Volvos mehr stirbt oder schwer verletzt wird, haben die Schweden zwar nicht erreicht. Aber im Rahmen der beeinflussbaren Faktoren kommen sie ihm näher.

    Dazu trägt auch das eingebaute Tempolimit von 180 Stundenkilometern bei, das Volvo sich selbst auferlegt hat. Ist man rein elektrisch unterwegs, ist die Spitzengeschwindigkeit sogar auf 125 Stundenkilometer begrenzt. Die rein elektrische Reichweite ist im Test ohnehin eher mager: Offiziell kommt der V90 rund 58 Kilometer weit, unter realen Fahrbedingungen ist bei 45 Kilometern Schluss. 2022 dürfte dieser Volvo damit sein Anrecht auf eine staatliche Kaufprämie verlieren. Dann müssen Plug-in-Hybride mindestens 60 Kilometer rein elektrisch fahren.

    Real schluckt der V90 als Plug-in-Hybrid mitunter über acht Liter Benzin.
    Hoher Verbrauch

    Real schluckt der V90 als Plug-in-Hybrid mitunter über acht Liter Benzin.

    Für einen Kombi ist der V90 mit seinen LED-Leuchten sehr elegant gezeichnet.
    Schöner Kasten

    Für einen Kombi ist der V90 mit seinen LED-Leuchten sehr elegant gezeichnet.

    Und für die Ladung reicht eine Kaffeepause leider nicht aus. Bis zu acht Stunden hängt der Plug-in-Hybrid am Kabel, bis er wieder auf die volle Reichweite kommt. Ein paarmal lade ich den Volvo an öffentlichen Ladestationen, was wegen der Größe des Autos nicht nur unpraktisch, sondern am Ende auch teurer ist. Denn die Sparvorteile der vollen Batterie können den Aufwand nicht ausgleichen. Um eine eigene Lademöglichkeit kommen V90-Käufer, die umweltfreundlich unterwegs sein wollen, nicht umhin.

    In der letzten Woche des Tests fahre ich nur noch mit dem Vierzylinder-Benziner, der kaum lauter ist als der elektrische Antrieb. Dann kommt der V90 allerdings nicht auf den versprochenen – oder besser gesagt utopischen – offiziellen Verbrauch von 2,2 Litern, sondern schluckt locker 7,9 Liter Benzin und mehr auf 100 Kilometer weg. Eine wirkliche Langstrecken-Alternative zum Diesel ist das nicht.

    Das anfangs so verhasste Einparken verliert im Laufe des Tests dagegen schnell seinen Schrecken. Dank einer hochpräzisen Kamera sind selbst engere Parklücken unproblematisch – man muss den Wagen kennen lernen. Optisch warnt der Volvo beim Ausparken, wenn ein Auto von der Seite kommt.

    Selbstbewusster Preis für den Volvo V90

    Und auch beim Einkaufen überzeugt der Schwede. Der Kofferraum ist mit 560 Litern zwar etwas kleiner als der bei Premiumkonkurrenten wie der Mercedes E-Klasse, doch für den Wocheneinkauf ist genug Platz. Und mit umgeklappter Rückbank reicht es sogar für den Besuch im skandinavischen Möbelhaus – ja, das mit Köttbullar und Billy.

    Beim Preis ist der V90 sehr selbstbewusst unterwegs. Der Einstiegspreis von 73.700 Euro wäre dank einer Kaufprämie von 5625 Euro im Premiumsegment noch vertretbar. Der Testwagen kommt mit allen Extras allerdings auf 91.571 Euro – selbst für einen Oberklasse-Kombi ist das ganz schön viel.

    Allerdings bekommt man dafür auch einiges geboten. Meine anfängliche Skepsis ist nach dem Test jedenfalls gänzlich gewichen. Manchmal kann es richtig Spaß machen, ein Spießer zu sein.

    Mehr: Ein Hybridkombi als Dieselkiller – der Kia Ceed SW im Handelsblatt-Autotest.

    Dank intelligenter Konstruktion passen 560 Liter in den Kofferraum.
    Große Klappe

    Dank intelligenter Konstruktion passen 560 Liter in den Kofferraum.

    Technische Daten

    • Kombi der Oberklasse
    • Länge: 4,94 Meter
    • Breite: 1,89 Meter, mit Außenspiegeln: 2,02 Meter
    • Höhe: 1,47 Meter
    • Radstand: 2,94 Meter
    • Leergewicht: 2100 Kilogramm
    • Kofferraumvolumen: 560 Liter
    • Motoren: Vierzylinder-Benzinmotor + Elektromotor
    • Max. Leistung kombiniert: 223 + 65 kW (303 + 87 PS)
    • Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2.200 bis 4.800 Umdrehungen
    • Beschleunigung 0 - 100 km/h: 5,3 Sekunden
    • Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
    • Höchstgeschwindigkeit elektrisch: 125 km/h
    • Verbrauch (nach WLTP): 2,2 Liter Benzin auf 100 km
      CO2-Emissionen: 50 Gramm pro Kilometer
    • Elektrische Reichweite: 58 Kilometer
    • Preis: ab 73.700 Euro
    • Preis des Testwagens: 91.600 Euro
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    4 Kommentare zu "Elektro-Kombi: Nordisch nobel – der Volvo V90 T8 Recharge im Handelsblatt-Autotest"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Guter Test und gut geschriebener Artikel! Fahre das gleiche Modell mit Dieselmotor und kann die positiven Fahreindrücke nur bestätigen. Der Kofferraum ist wirklich groß genug - genauso groß wie im 5er-BMW oder A6 Avant. Die Serienausstattung ist sehr umfangreich und die Sicherheitsausstattung fast perfekt. Ich kann jedem Leser, der ein Interesse an dieser Fahrzeugkategorie hat, die Probefahrt nur empfehlen.

    • Klimaziele offensichtlich weit verfehlt.

      Das "E" wird so wohl eher zum netten Akzent auf dem Nummernschild eines Statussymbols degradiert.

      ...aber immerhin kann man betuchten Kunden per Umweltprämie ein paar Extras finanzieren.

    • @Olaf Pott: Völlig richtig. Danke fürs aufmerksame Lesen. Ist korrigiert.

    • "...Kombiniert kommt der Antrieb auf eine Systemleistung von 303 PS..."

      Ich will jetzt nicht den Schlaumeier spielen, aber 303 PS Benzin plus 87PS Elektro ergeben für mich eine Systemleistung von 390PS...

      aber egal...schönes Auto

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