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Kia Ceed SW

Die Koreaner besetzen mit dem halbelektrischen Plug-in-Hybrid ein Segment, das bislang von den meisten Herstellern vernachlässigt wird.

(Foto: Kia/Handelsblatt)

Plug-in im Alltag Ein Hybrid-Kombi als Diesel-Killer – der Kia Ceed SW im Handelsblatt-Autotest

Die Koreaner bauen einen Familienkombi zum bezahlbaren Preis. Die halbelektrische Variante entpuppt sich als überraschend tauglicher Lastenesel.
14.10.2020 - 09:41 Uhr 1 Kommentar

Düsseldorf Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft oft eine Lücke, besonders wenn man sich selbst als grün bezeichnet. Das erlebe ich regelmäßig, wenn ich mit meinem Vater über Autos diskutiere. Bei ihm auf dem Dach ist längst eine Photovoltaikanlage installiert, am Haus ein eigener Ladepunkt, doch vor der Garage parkt weiterhin ein Diesel von Renault.

Denn größer als die Sehnsucht nach sauberer Mobilität ist bislang noch die Liste der Gegenargumente: Ist ein Elektroauto nicht viel zu teuer? Genügt die Reichweite? Und: Kann das denn unseren Wohnwagen ziehen? Schließlich soll das Auto auch für den jährlichen Campingurlaub in Frankreich genutzt werden. Gut, dass ich mit dem Kia Ceed SW einen Gegenbeweis vor die Tür stellen kann.

Denn die Koreaner besetzen mit dem halbelektrischen Plug-in-Hybrid ein Segment, das bislang von den meisten Herstellern vernachlässigt wird. Einen rein elektrischen Kombi sucht man wegen des grassierenden SUV-Trends noch vergeblich. Und selbst bei den halbelektrischen Modellen ist die Zahl der bezahlbaren Alternativen in der Kompaktklasse überschaubar.

Die Antriebstechnik hat sich der Koreaner vom Hyundai Ioniq geliehen, doch anders als der Konzernbruder gibt der Kia alles, um optisch nicht zu sehr aus dem Rahmen zu fallen. Allzu viel Futurismus könnte die kostenbewusste Kundschaft verschrecken. Und so setzt dieser Kia eher auf gefälliges Design – modern, aber nicht zu modern.

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    Die markentypische Tigerschnauze, ein paar dynamische Linien bis zum Heck und ein paar LED-Scheinwerfer – fertig ist ein Design auf der Höhe der Zeit. Optisch können sich die Koreaner dank der soliden Arbeit des deutschen Designers Peter Schreyer mit der Konkurrenz messen. Im täglichen Verkehr und auf dem Supermarktparkplatz fällt der mausgraue Testwagen aber nicht auf, auch wenn sich mancher über das E-Kennzeichen wundern dürfte.

    Die markentypische Tigerschnauze fällt auch bei diesem Modell auf. Quelle: Lukas Bay
    Gewohnter Look

    Die markentypische Tigerschnauze fällt auch bei diesem Modell auf.

    Die LED-Scheinwerfer in der Nahaufnahme. Quelle: Lukas Bay
    Design auf der Höhe der Zeit

    Die LED-Scheinwerfer in der Nahaufnahme.

    Im Innenraum setzt sich diese Linie fort: Mit Aluminium, schwarzem Leder und dunklem Kunststoff hat Kia hier gar keine Experimente gewagt. Allein das Multimedia-System, das über ein Zehn-Zoll-Display gesteuert wird, passt mit seinem pinken Neon-Design eher in die Vergnügungsviertel von Seoul als in ein Familienauto. Aber immerhin: Alles funktioniert und lässt sich intuitiv bedienen.

    Was zieht der?

    Etwas unbequem sind leider die Sitze, die selbst für einen normalgewichtigen Fahrer etwas eng geschnitten sind. Auf der Rückbank ist dagegen genug Platz für zwei Kindersitze und einen entspannten Familienausflug zu viert.

    Anders als viele andere Elektro-Alternativen ist der Koreaner auch mit Anhängerkupplung erhältlich und kann bis zu 1,3 Tonnen ziehen. Das reicht nicht nur für den Fahrradträger, den Kia dem Testwagen beigelegt hat, sondern sogar für einen kleinen Wohnwagen. Der ist nun allerdings nicht inklusive.

    Anders als viele andere Elektro-Alternativen ist der Koreaner auch mit Anhängerkupplung erhältlich. Quelle: Lukas Bay
    Modern, aber nicht zu modern

    Anders als viele andere Elektro-Alternativen ist der Koreaner auch mit Anhängerkupplung erhältlich.

    Auch im Kofferraum ist trotz Einschränkungen Platz genug. Das Ladekabel verschwindet noch unter einer Klappe, der Stauraum ist allerdings deutlich kleiner als beim Verbrenner – irgendwo muss die doppelte Antriebstechnik ja hin. Doch die 437 Liter reichen im Alltag völlig, für den Kinderwagen zum Beispiel. Und mit umgeklappter Rückbank können sogar 1506 Liter zugeladen werden.

    Ein- und Ausparken ist dank eingebauter Hilfe kein Problem – auch wenn die akustischen Signale dabei mitunter etwas sehr dramatisch fiepsen. Zudem hilft eine Kamera. Ein wenig technische Hilfe ist beim Parken des Kombis allerdings auch nötig, denn A- und B-Säule im Ceed sind relativ breit und nehmen beim Schulterblick die nötige Übersicht.

    Das wichtigste Versprechen des Kia Ceed SW PHEV ist sein Verbrauch. Dank Doppelherz schluckt der Kombi nach offiziellen Angaben nur 1,3 Liter. Ehrlicherweise sei aber gesagt, dass dieser Wert eher theoretischer Natur ist – und massiv von der eigenen Fahrweise abhängt.

    Der reale Verbrauch ist im Test wie erwartet höher. Doch selbst wenn der Kia auf der Langstrecke auf einen Verbrauch von 5,2 Litern kommt, reicht das für 725 Kilometer. Mit einer Tankfüllung wäre mein Vater damit schon hinter Paris – allerdings ohne Wohnwagen.

    Wo andere Plug-in-Hybride Fantasiewerte bei der elektrischen Reichweite angeben, hält der Kia sein Versprechen. Die offizielle Reichweite von 60 Kilometern erreicht man mit der 8,9-kWh-Batterie zwar nicht ganz, aber eine Pendelstrecke von 27 Kilometern schaffe ich tatsächlich hin und zurück rein elektrisch. Schuld daran ist allerdings auch der typische Berufsverkehr, der Geschwindigkeiten über 100 Stundenkilometer gar nicht zulässt. Damit ist dieser Kia für Berufspendler eine günstige Alternative zum Diesel.

    Ladestation erweist sich als hilfreich

    Am Steuer des halbelektrischen Kombis sollte man gelassen bleiben, sehr gelassen. Denn im rein elektrischen Fahrmodus wird das 1,6-Tonnen-Auto von einem Elektromotor mit 44,5 kW, also etwa 60 PS angetrieben, und das Ergebnis ist wie erwartet: Wo andere Stromer lossprinten, schiebt der Kia sehr, sehr gemütlich an.

    Selbst wenn der 1,6-Liter-Benzinmotor sich zuschaltet und die Systemleistung auf 140 PS steigt, wird dieser Kombi seinem Beinamen Sportwagon (SW) nicht gerecht. Mit Sport hat dieser Kombi rein gar nichts am Hut: 10,8 Sekunden dauert der Sprint auf 100 Stundenkilometer. Auf mancher Beschleunigungsspur fühlt man sich damit etwas untermotorisiert.

    Der Stauraum ist deutlich kleiner als beim Verbrenner – irgendwo muss die doppelte Antriebstechnik ja hin. Quelle: Lukas Bay
    Kofferraum

    Der Stauraum ist deutlich kleiner als beim Verbrenner – irgendwo muss die doppelte Antriebstechnik ja hin.

    Im Stop-and-go-Verkehr zwischen Krefeld und Düsseldorf teste ich die Fahrassistenten wie den adaptiven Tempomaten, die rund 380 Euro zusätzlich kosten. Die funktionieren zuverlässig. Allerdings bremst und beschleunigt der Kia bei eingeschaltetem Assistenten auch wie ein nervöser Fahrschüler in der zweiten Stunde. Bei anderen Herstellern funktioniert das System nach meinem Eindruck etwas eleganter.

    Eine eigene Ladestation sollte man für den Hybrid schon haben. Geladen wird der Kombi nur einphasig, und das bedeutet: Auch hier ist Geduld gefragt. Zweieinhalb Stunden muss man selbst an Ladestation einplanen, an einer ganz normalen Steckdose sind es fünf. Wohlgemerkt, für 60 Kilometer reinelektrische Reichweite. Das Ladekabel kostet 250 Euro extra.

    Mit einem Preis von 36.450 Euro ist der Testwagen zwar deutlich teurer als der Ceed-Verbrenner. Allerdings sind damit auch alle Extras bereits inklusive. Und dank staatlicher Kaufprämie von 6750 Euro landet der Kombi real unter der magischen Grenze von 30.000 Euro. Wer unter 60 Kilometer am Tag fährt und eine eigene Ladestation hat, ist damit deutlich günstiger unterwegs als mit einem Diesel. Meinem Vater dürften die Argumente langsam ausgehen.

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    1 Kommentar zu "Plug-in im Alltag: Ein Hybrid-Kombi als Diesel-Killer – der Kia Ceed SW im Handelsblatt-Autotest"

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    • So lange ich nicht mit meinem Wohnwagen mit 1800kg zlgG, diesen anhängen kann und damit in 2 Tagen von Stuttgart bis kurz hinter Valencia ca. 1700km fahren kann, sind das für mich Spielzeuge für Sonntags- oder Schönwetterfahrer.
      Rein und ausschließlich nur um zur Arbeit zu fahren benötigt man einen Kleinstwagen und hier entscheidet dann der Gelsbeutel ob elektrisch oder Benziner.
      E-mobilität ist eh nur eine Zwischentechnologie hin zum Wasserstoff. Ob in der Luft oder im Lkw eh nur mit Wasserstoff sinnvoll, aber auch beim Pkw.
      Wer mit Kinderarbeit und massiver Umweltzerstörung bei der Kobalt, Lithium Gewinnung keine Probleme hat weil diese nicht vor seiner Haustüre sind kann sich ein E-Auto kaufen aber bitte die andern normal denkenden Menschen in Ruhe lassen die Kinderarbeit ablehnen. Die großen Kobaltvorkommen sind überwiegend im Kongo und den Anrainerstaaten andere Vorkommen sind marginal, weshalb auch China massiv dort investiert hat und von China kaufen wir die Akkuzellen dann.

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