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E-Bike im Test Ein Pedelec für alle Fälle – das kann das Tern HSD S8i

Fahrradhersteller setzen auf Spezialisten. Dabei sind Reiserad, Cargobike und ein Fahrrad für den Alltag eigentlich unnötig. Das HSD S8i hat alles.
  • Mario Hommen
25.03.2020 - 10:08 Uhr Kommentieren
  • Spotpress
Test: Tern HSD S8i  - Das kleine Multitalent  Quelle: SP-X/Mario Hommen
Das kleine Multitalent

Das Tern HSD S8i bringt viele Funktionen mit.

Köln Lastenräder sind unheimlich praktisch, allerdings auch sperrig und deswegen für viele Einsatzzwecke unattraktiv. Anders das neue HSD vom Klappradspezialist Tern, das sich trotz ladefreudiger Gepäcklösungen wendig und handlich fährt und als Alltagsrad eine gute Figur macht. Das Pedelec lässt sich problemlos selbst durch enge Passagen führen oder platzsparend in Keller, Hofeinfahrt oder Garage parken.

Einen Schönheitspreis dürfte das HSD allerdings kaum gewinnen. Dem Streben der Branche nach immer eleganteren Designs erteilt es auf seine Weise eine Absage. Hier gibt es sich in viele Richtungen windende Rohre, Gepäcklösungen im XL-Format oder einen im Rahmengeflecht umkaschiert untergebrachten Batterieriegel. Schlicht und elegant sieht anders aus. Dafür wirkt das Ensemble solide, sauber verarbeitet und besonders durchdacht.

Letzteres merkt man bereits beim Einstellen der Sitzposition: Diese lässt sich dank einer zweiteiligen Sattelstange mit zwei Schnellspannern auf sehr kleine wie sehr große Fahrer anpassen. Clever ist auch die spezielle Verstelltechnik für den Lenker, der sich nach dem Lösen zweier Hebel mit einer Bewegung in Höhe, Weite und Winkel anpassen lässt. Der Fahrer kann so spontan ohne Werkzeug eine eher sportliche oder gemütliche Haltung einstellen.

Gemütlichkeit steht beim HSD im Vordergrund. Das unterstreichen der für leichtes Auf- und Absteigen tiefe Rahmen, Gel-Sattel, Ergon-Griffe, dicke Ballon-Reifen sowie die Suntour-Federgabel. Unebenheiten nimmt das Rad jedenfalls jeglichen Schrecken. Wenn das nicht reicht, ist eine Federung für den Sattel lieferbar. Angesichts dieser Auslegung vermittelt das HSD ein bisweilen auch etwas schwammiges Fahrgefühl.

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    Wer eine direktere Rückmeldung bevorzugt, erreicht dies durch prall gefüllte Reifen und aktivierter Dämpfungssperre der Vorderradgabel. Dann setzt das verwindungssteife Lastenrad Lenkbefehle präzise um. Ebenfalls für ein Gefühl perfekter Kontrolle sorgen die hydraulischen Scheibenbremsen von Magura mit feinfühliger Dosierbarkeit und souveräner Verzögerung.

    Nettes Detail: Der Modellname in der Durchsicht Quelle: SP-X/Mario Hommen
    Liebe zum Detail

    Der Modellname in der Durchsicht zeigt, dass mit viel Detailfreude gearbeitet wurde.

    Der hintere Tray ist riesig und auch für den Transport von Getränkekisten geeignet Quelle: SP-X/Mario Hommen
    Bereit für den Einkauf

    Der hintere Tray ist riesig und auch für den Transport von Getränkekisten geeignet.

    Einen wiederum gemütlichen Charakter vermittelt der dank Gates-Riemen besonders leise Antrieb. Hier kommt der Active-Line-Plus-Mittelmotor von Bosch zum Einsatz, den man selbst in höchster Unterstützungsstufe „Turbo“ als ausgeglichen und mäßig druckvoll erlebt. 25 km/h sind auf ebener Strecke kein Problem, Steigungen oder kräftiger Gegenwind verlangen nach niedrigeren Gängen der achtstufigen Nabenschaltung sowie Muskelkraft.

    Allerdings ist das gut 25 Kilogramm schwere HSD ein Pedelec, bei dem der Nutzer schnell die Lust an intensiver Beinarbeit verliert. Entsprechend wird er einen leeren Akku fürchten. Laut Hersteller soll die 500-Wh-Batterie bis zu 140 Kilometer Reichweite erlauben, praktisch waren es in unserem Fall bei vorwiegend höchster Unterstützungsstufe zwischen 40 und 50 Kilometer. Für den täglichen Weg zur Arbeit reicht das allemal, zumal sich die Batterie problemlos herausnehmen und entsprechend an jeder Haushaltssteckdose laden lässt.

    Der Stromspeicher ist selbstredend mit einem Schloss gesichert, dessen Schlüssel auch fürs Speichenschloss passt. Wer Letzteres schließt - dank einer im optionalen Textilfach im Rahmendreieck untergebrachten Kette ist auch ein Anschließen möglich - hält sogleich den Schlüssel für die Batterie in der Hand.

    Ein passender Stellplatz findet sich für das HSD leicht, denn für ein Lastenrad ist es erfreulich kompakt und schmal. Bei platzsparender Unterbringung hilfreich ist ein zusätzlicher Mechanismus, mit dem sich der Lenker längs ausgerichtet anklappen lässt. Dank spezieller Aufstellpunkte am Ende des langen Gepäckträgers ist sogar senkrechtes Parken möglich.

    Ein Gedicht: die hydraulischen Scheibenbremsen von Magura Quelle: SP-X/Mario Hommen
    Bremsbereit

    Ein Gedicht: die hydraulischen Scheibenbremsen von Magura.

    Die Batterie lässt sich herausnehmen oder direkt am Fahrrad laden Quelle: SP-X/Mario Hommen
    Flexibel laden

    Die Batterie lässt sich herausnehmen oder direkt am Fahrrad laden.

    Auch andere Gepäcklösungen, wie etwa die optionalen Textiltaschen oder der Frontgepäckträger, sind auf eine Beibehaltung der schlanken Linie ausgelegt. So gibt es Riemen an den Taschen, die ein möglichst enges seitliches Verzurren erlauben. Wird hingegen maximaler Stauraum benötigt, zeigen sich diese erstaunlich schluckfreudig. 60 Kilogramm verträgt der Gepäckträger, 170 Kilogramm das gesamte Rad.

    Bereits in den über 70 Liter fassenden Seitentaschen, die gut 190 Euro Aufpreis kosten, lässt sich ein Wocheneinkauf unterbringen. Selbst der Transport einer Getränkekiste oder anderer sperriger Güter ist dank eines auf dem Heckträger montierten „Shortbed Trays“ kein Problem.

    Die vielen Extras kosten allerdings. Bereits für die von uns getestete Variante S8i mit Riemenantrieb und Nabenschaltung werden 4.000 Euro fälligen. Kommen noch einige Gepäcklösungen hinzu, und hier bietet Tern eine große Zahl unterschiedlichster Optionen, können es locker 500 Euro mehr werden.

    Im Gegenzug erhält man dann ein äußert vielseitig nutzbares und zudem wartungsarmes Rad, das dank seiner vielen smarten Gepäckideen für fast jede Alltagsaufgabe die passende Lösung parat hält. Sogar als Reiserad eignet sich das Tern HSD, sofern dabei nicht das sportliche Erlebnis im Vordergrund stehen soll. Ebenso taugt es für die tägliche Fahrt zur Arbeit. Und wer nach Feierabend spontan einen Besuch beim Supermarkt einlegt, muss sich im Vorfeld keine Gedanken darum machen, ob er alles mitbekommt.

    Mehr: Dieses E-Bike wiegt nur acht Kilo

    Saubere Lösung: Beim S8i kombiniert Tern einen Riemenantrieb mit Achtgang-Nabenschaltung Quelle: SP-X/Mario Hommen
    Saubere Lösung

    Beim S8i kombiniert Tern einen Riemenantrieb mit Achtgang-Nabenschaltung.

    Auf Wunsch kann man das Tern HSD auch senkrecht parken und zudem den Lenler abklappen Quelle: SP-X/Mario Hommen
    Passt in jede Parklücke

    Auf Wunsch kann man das Tern HSD auch senkrecht parken und zudem den Lenker abklappen.

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