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Facel Vega Mit dem zweitschönsten Auto der Welt in Konkurs

Facel Vega, das war einmal eine der vornehmsten Luxus-Automarken der Welt. Wie kann solch ein Unternehmen in Vergessenheit geraten? Eine Spurensuche.
30.11.2014 - 15:08 Uhr 1 Kommentar
Facel Vega FV 1 von 1955 Quelle: ampnet

Facel Vega FV 1 von 1955

Paris Die Hausnummer 19 der Avenue George V in Paris gehört zu den edelsten Geschäftsadressen der französischen Hauptstadt. Hier residiert die Agentur „Elite Model Look“, die unter anderem die Supermodels Gisele Bündchen, Cindy Crawford, und Tatjana Papitz entdeckte. In Parterre schneidert der Herrenausstatter Scabal Maßanzüge für erheblich Besserverdienende, und in den oberen Etagen liegt der Quadratmeterpreis für ein Appartement bei rund 12.000 Euro. Exklusivität hat eben ihren Preis. Das war schon vor 50 Jahren so. Damals lockte eine der vornehmsten Automarken der Welt ihre Kundschaft hierher.

Sie hieß Facel, und ihre ersten Fahrzeuge trugen die Bezeichnung Facel Vega, ein Name, der inzwischen sogar manchem Autokenner entglitten ist. Vielleicht auch deshalb, weil es in diesen Tagen genau ein halbes Jahrhundert her ist, da Facel-Eigner Jean Daninos den Gang zum Konkursrichter antreten musste.

Ferrari ist nicht zu toppen
Ferrari 250 GTO_2
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Alte Ferrari gehören zu den begehrtesten Autos der Welt, das zeigt die aktuelle Liste der zehn teuersten Oldtimer, die 2014 bei Auktionen verkauft wurden. Die Bilanz der Marktbeobachter von „Classic-Analytics“ aus Bochum sortiert auf den ersten neun Plätzen ausschließlich Klassiker, die das springende Pferd als Markenzeichen tragen ...

(Foto: PR)
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Geld in teure Oldtimer anzulegen ist ein Trend, eine Blase ist hingegen nicht in Sicht, meint Experte Wilke: „Der Markt ist transparent, die Käufer im Hochpreissegment sind gut informiert und arbeiten fast ausschließlich mit eigenem, nicht mit geliehenem Geld.“

(Foto: PR)
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Das aktuell teuerste Auto der Welt liegt auch auf Platz eins der diesjährigen Top-Ten: Mitte August fiel für den Ferrari 250 GTO von 1962 bei 38,1 Millionen Dollar (29,4 Euro) der Hammer, die höchste Summe, die je für ein Auto auf einer Auktion gezahlt wurde.

(Foto: PR)
Der Ferrari 275 GTB/C Speciale wurde für 26,4 Mio Dollar verkauft
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Platz 2: Der Ferrari 275 GTB/C Speciale wurde für 26,4 Millionen Dollar verkauft

(Foto: )
Der Ferrari 375 MM von 1954 liegt mit 18,3 Mio Dollar auf Platz drei
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Der Ferrari 375 MM von 1954 liegt mit 18,3 Millionen Dollar auf Platz drei

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Für 15,2 Mio Dollar wechselte der Ferrari 250GT California Spyder SWB von 1961 den Besitzer
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Für 15,2 Millionen Dollar wechselte dieser Ferrari 250GT California Spyder SWB von 1961 den Besitzer

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Preis für den Ferrari 250 LM von 1964 war 11,6 Mio Dollar
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Der Hammer-Preis für diesen raren Ferrari 250 LM von 1964 lag bei 11,6 Millionen Dollar.

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Die Namen vieler prominenter Kunden jedoch sind in Erinnerung geblieben. Zu ihnen zählten beispielsweise der Schah von Persien, der König von Marokko oder die Schauspielerin Ava Gardner und der Rennfahrer Sterling Moss.

Sie alle bestellten in der Avenue George V Nummer 19 ein Exemplar jener handgefertigten Autos, die von der britischen Motorpresse nach Rolls-Royce in den späten 1950er-Jahren als „the second best car in the world“, das zweitbeste Auto der Welt, gerühmt wurden: einen Facel Vega. Sobald er es sich leisten konnte – etwas später, als seine Band zum ersten Mal die Spitze der britischen Hitparade erobert hatte –, unterschrieb auch der Beatle Ringo Starr einen Kaufvertrag.

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    Er muss einer der letzten Kunden gewesen sein, denn wenig später war das Unternehmen nach nur 20 Jahren Existenz pleite und musste von der exklusiven Adresse in Paris Abschied nehmen.

    Facel Vega HK 500 (1961). Quelle: ampnet

    Facel Vega HK 500 (1961).

    Auf dem Pariser Autosalon von 1954 hatte sich Frankreichs damals kleinste, aber feinste Autofabrik mit dem Facel Vega FV zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Der sportliche Zweisitzer mit einem amerikanischen, 4,8 Liter großen und 133 kW / 180 PS starken V8-Motor von Chrysler beeindruckte mit einem für damalige Zeiten stolzen Spitzentempo von 205 km/h und einer bestechend aussehenden Karosserie.

    Der Name „Facel“ leitete sich aus den Anfangsbuchstaben von Forges et Ateliers de Construction d'Eure-et-Loir ab, einer kleinen Fabrik für Stanzteile aus Metall, zunächst für Küchenmöbel, dann für Flugzeuge, später für Autokarossen.

    Deren Gründer war Designer Jean Daninos, der vor dem Zweiten Weltkrieg als Konstrukteur bei Citroën gearbeitet hatte und dort so sehr vom Automobil-Bazillus befallen worden war, dass er 1951 auf dem Fahrgestell eines Bentley als Einzelstück ein eigenes elegant gezeichnetes Auto bauen ließ, das er privat nutzte. 

    Auf den Geschmack gekommen, konstruierte Daninos 1953 den Rahmen für einen Sportwagen mit aufgeschraubter Karosserie, der in den folgenden Monaten laufend verbessert wurde. Gleichzeitig geriet die Ausstattung immer luxuriöser.

    Schließlich war das Fahrzeug reif genug, um als Facel Vega FV in den Verkauf zu gehen. Der Namenszusatz war Daninos' Bruder eingefallen, dem Schriftsteller Pierre Daninos, um „nach den Sternen zu greifen“. Schließlich trägt der hellste Stern am nördlichen Nachthimmel den Namen Wega.

    Vier Jahre lang produzierte Facel den Vega FV mit unterschiedlich starker Motorisierung und begründete mit ihm seinen guten Ruf als Edelsportwagenhersteller.

    Beispiellose Parade der PS-Pretiosen
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    So eine benzingetränkte Veranstaltung gibt es kein zweites Mal: Wenn der Golf-Club von Pebble Beach zum Concours d’Elegance bittet, beginnt eine beispiellose Parade der PS-Pretiosen: Auf dem Green stehen die schönsten Oldtimer der Welt, in den Zelten der Auktionshäuser hämmern sie Millionenpreise im Minutentakt, auf den Luxus-Lodges werden die Sammlerstücke von morgen enthüllt und zwischen den einzelnen Events fahren mehr Supersportwagen und Edel-Limousinen, als sich Otto Normalfahrer vorstellen kann. 

    (Foto: Spotpress)
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    Der gemeine Millionär gehört um diese Zeit noch ins Bett oder sitzt allenfalls im flauschigen Bademantel beim Champagnerfrühstück und genießt die Aussicht auf der Sonnenseite des Lebens. Doch an jedem dritten Sonntag im August quälen sich zumindest 200 schwerreiche Männer schon im Morgengrauen aus den Federn, stapfen tapfer durch den Küstennebel und schwingen bereits vor Sonnenaufgang den Putzlappen. Denn dann ist Concours d’Elegance in Pebble Beach und mit Lust und Leidenschaft polieren die feinen Herren auf Knien im nassen Gras ihren Oldtimern den letzten Staub vom Lack.

    (Foto: Spotpress)
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    Schließlich müssen die Wagen makellos sein, wenn im Lauf des Vormittags zusammen mit zigtausend Zuschauern über 100 Juroren auf dem 18. Grün des berühmten Golfkurses ausschwärmen und unter den 200 Exponaten in zwei Dutzend Klassen den schönsten Oldtimer der Welt wählen.

    (Foto: Spotpress)
    Jon Shirley's 1954 Ferrari 375 MM Scaglietti Coupe is surrounded by guests after it won the Best of Show at the Concours d'Elegance in Pebble Beach
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    Zwar gibt es am Ende des Tages jede Menge Klassensieger. Nicht umsonst dauert die Award-Zeremonie über drei Stunden. Doch wirklich gelohnt hat sich die Mühe nur für Jon Shirley aus dem US-Staat Washington – denn sein Ferrari 375 MM von 1954 stand am Ende als letztes Auto vor dem Clubhaus im Konfetti-Regen und fährt jetzt als „Best-of-Show“ nach Hause.

    (Foto: Reuters)
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    Natürlich wird sich manch anderer Besitzer ärgern, dass nicht sein Auto über die Rampe gerufen wurde. Schließlich steht niemand gerne umsonst so früh auf. Von den vielen Millionen, die bei den meisten Klassikern in die Restaurierung geflossen sind, ganz zu schweigen.

    (Foto: Spotpress)
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    Aber die meisten nehmen ihre Niederlage sportlich: „Jeder, der es hier aufs Green geschafft hat, darf sich als Sieger sehen“, sagt der Tscheche Pavel Kasik, der eigens für den Concours seinen Tatra 77 aus dem Jahr 1936 eingeflogen hat und es mit den Olympioniken hält: „Dabeisein ist alles.“

    (Foto: Spotpress)
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    Das gilt übrigens nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Zuschauer: Die ersten 600 kommen schon mit „Dawn Patrol“ und zahlen 250 Dollar dafür, dass sie lauwarmen Kaffee aus Pappbechern trinken dürfen und sich ständig von Ordnern verscheuchen lassen müssen, wenn diese mit einer ausgeklügelten Choreographie die Concours-Fahrzeuge auf dem Green verteilen.

    (Foto: Spotpress)

    Als nächstes Modell folgte 1958 der Facel Vega HK 500, die letzte Entwicklungsstufe des sportlichen Coupés. Die Zahl 500 sollte auf das stolze Leistungsgewicht von fünf Kilogramm pro PS des Fahrzeugs hinweisen, das zum wirtschaftlicher Erfolg des Herstellers maßgeblich beitrug. Bis zur Einstellung der Baureihe im Mai 1961 entstanden rund 490 Exemplare.

    Der HK 500 gilt heute vielen Fans als der Facelschlechthin. Äußerlich stark an den Vorgänger angelehnt und technisch nicht wesentlich verändert, erhielt er zunächst einen V8-Motor mit 5,8 Litern Hubraum und bis zu 265 kW / 360 PS sowie ab Frühjahr 1959 einen Chrysler-Motor Typ 383 mit 6,3 Litern Hubraum und bis zu 290 kW / 395 PS. Die vier Scheibenbremsen gab es serienmäßig, aber die Servolenkung und das Automatikgetriebe mussten als Extra gesondert bezahlt werden.

    Albert Camus starb im Facel Vega
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    1 Kommentar zu "Facel Vega: Mit dem zweitschönsten Auto der Welt in Konkurs"

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    • Camus allerdings saß nicht am Steuer. Sein Verleger war es, der die Beherrschung über den Wagen verlor auf dem Weg von der Cote nach Paris.

      Der Facel war der schönste, aber weit übermotorisierte Luxuswagen weltweit. Die hohe Anzahl von Unfällen führte letztlich zum Ende der Marke und des Herstellers.

      Mitunter kann man heute noch einen im Verkehr sehen: wunderschön, unvergleichlich.

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