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Hybrid für den Großstadtdschungel Die Funktionsjacke unter den Autos – der Jeep Renegade im Handelsblatt-Autotest

Ein Halbstromer, der den Allradantrieb zwischen beiden Motoren aufteilt: Das klingt spannend. Doch kann der Jeep für die Stadt auch Parkplatzsafari?
18.11.2020 - 09:14 Uhr Kommentieren
Der kleine SUV soll mit den runden Scheinwerfern optisch an den Wrangler, dem Vorgänger des Renegade erinnern.
Jeep Renegade 4xe

Der kleine SUV soll mit den runden Scheinwerfern optisch an den Wrangler, dem Vorgänger des Renegade erinnern.

Düsseldorf Ich lebe in einer Wohnung in Düsseldorf, keine zwei Kilometer vom Stadtzentrum. Die Parkplatzsuche ist da schon eine kleine Safari. Parkassistenten, egal ob akustisch oder optisch, erleichtern einem da das unfallfreie Quetschen in engste Parklücken.

Es ist eigentlich auch diese Art der Safari, für die der Jeep Renegade mit Hybridantrieb konzipiert ist. Trotz des großen Markennamens ist er mehr für die Jagd nach der Lücke als die Geländefahrt durch die Savanne ausgestattet. Und vor allem dank dieser Einparkhelfer, speziell der akustischen, bleibt die Safari für mich ein unvergessliches Erlebnis. Offenbar wollten die Ingenieure von Fiat Chryslerzu dem Automarkenkonglomerat gehört Jeep – ganz sicher gehen, dass der Assistent selbst bei voll aufgedrehtem Radio lautstärkenmäßig überlegen bleibt.

Das Heck steht schon in der Lücke, da muss ich den Parkvorgang unterbrechen. Selbst auf niedrigster Lautstärke dröhnt ein lautes, blechernes Piepen durch das Fahrzeuginnere. Im Großstadtdschungel fiept der Geländewagen vor lauter Aufregung. Dabei ist der Einstiegs-Jeep eigentlich maßgeschneidert für den europäischen Markt.

Als erstes Modell der Marke wird er außerhalb der USA gebaut: im italienischen Melfi. Dort teilt er sich die Produktionslinie mit dem Fiat-SUV 500X. Seit dem vergangenen Jahr ist der 2018er-Facelift auch als Hybrid zu haben – und gehört damit zu den ersten Modellen der Marke, die elektrifiziert wurden. Kein Wunder: Der Renegade ist ein Erfolgsmodell aus der italienisch-amerikanischen Partnerschaft und der Einstieg in die Markenwelt.

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    Die Design-Abteilung des Geländewagenherstellers, der zum Markenimperium Fiat Chrysler gehört, hat dem Renegade eine kubische Formsprache verliehen.
    Kastenform

    Die Design-Abteilung des Geländewagenherstellers, der zum Markenimperium Fiat Chrysler gehört, hat dem Renegade eine kubische Formsprache verliehen.

    Von hinten ist die Würfelform des Mini-SUVs besonders deutlich zu sehen. Selbst die Rückleuchten haben eine quadratische Form.
    Hoch wie breit

    Von hinten ist die Würfelform des Mini-SUVs besonders deutlich zu sehen. Selbst die Rückleuchten haben eine quadratische Form.

    Doch im Unterschied zu anderen Modellen der Amerikaner merkt man dem Renegade leider an, dass Fiat Chrysler mit ihm vor allem auf eine ordentliche Rendite schielt, die sich mit der Schwestermarke Fiat nicht erzielen lässt. Während größere Modelle wie der Cherokee die zahlungskräftige Kundschaft locken sollen, geht es im Renegade eher funktional denn komfortabel zu.

    Doch zunächst zur Optik: Der Renegade orientiert sich an der klassischen Jeep-Front, die einst vom Wrangler und seinem Vorgänger, dem Willys MB geprägt wurde. Zwei Scheinwerfer in Kulleraugenoptik, dazwischen der Kühlergrill mit seinen Längslinien: OIIIIIO.

    Meiner Freundin ist das deutlich zu verspielt, sie fühlt sich beim ersten Anblick des Autos unmittelbar an Lego erinnert. Die Klotzform mit den beinah quadratischen Radkästen und die runden Frontscheinwerfer haben eher etwas von Spielzeug und wenig Verwandtschaft mit den großen SUVs, die sie beim Namen Jeep erwartete. Ich dagegen kann damit leben. In SUV-Maßstäben haben Fiat Chryslers Designer einen soliden Job gemacht.

    Auch wenn es für meinen Geschmack nicht so schlimm aussieht wie manch deutsches SUV – auch der Jeep hat seine Designschwächen. Zum Beispiel diese pseudopotente Hutze auf der Motorhaube, die während der Fahrt permanent im Blickfeld ist. Einem V8 mit absurd großen Hubraum würde ich diese Show noch verzeihen. Aber diesem Downsizing-Motor mit 1,3 Liter Hubraum und vier Zylindern?

    Die angedeutete Hutze auf der Motorhaube wirkt angesichts des kleinen Verbrennungsmotors, der darunter steckt, etwas deplatziert.
    Mehr Schein als Sein

    Die angedeutete Hutze auf der Motorhaube wirkt angesichts des kleinen Verbrennungsmotors, der darunter steckt, etwas deplatziert.

    Für das von außen relativ wuchtig wirkende Fahrzeug ist der Platz im Fonds knapp bemessen.
    Rücksitzbank

    Für das von außen relativ wuchtig wirkende Fahrzeug ist der Platz im Fonds knapp bemessen.

    Technisch gesehen ist der 1,3-Liter-Motor, der die Vorderräder antreibt und 180 PS leistet, eine Glanzleistung, was das Verhältnis von Leistung und Verbrauch angeht. Der elektrische Hinterradantrieb dazu verpasst dem Renegade dann einen Allradantrieb. Dank eines Starter-Generators, der mit dem Benzinmotor verbunden ist, funktioniert der auch, wenn die Batterie leer gefahren ist.

    Der Renegade 4xe hätte also ein wirklich effizientes Fahrzeug sein können. Doch leider macht der Luftwiderstand da nicht mit. Der Renegade ist wegen seiner auffälligen Optik ein aerodynamischer Albtraum. Der cw-Wert liegt bei 0,35. Zum Vergleich: Selbst ein deutlich größerer und klobiger wirkender Audi Q7 hat mit 0,33 einen niedrigeren cw-Wert.

    Der angegebene Verbrauch von zwei Litern ist damit eine Angabe, die nichts mit der Realität zu tun hat – vor allem wenn die Batterie leer ist. Dann liegt der Spritverbrauch bei gut zehn Litern. Dieses Manko teilt der Jeep mit vielen anderen halbelektrischen Modellen.

    Immerhin sorgen die 240 PS Systemleistung für Vortrieb, den man dem kleinen SUV erst gar nicht zutraut. Allerdings harmonieren die Antriebe nicht ideal. Wenn sich der Verbrennungsmotor bei stärkerer Belastung dazuschaltet, geht ein Ruck durchs Fahrzeug. Immerhin schluckt das Fahrwerk Straßenunebenheiten komfortabel.

    Auf den Vordersitzen ist das Platzverhältnis sehr gut. Hinten geht es leider enger zu. Der Kofferraum ist wegen des am Heck verbauten Elektroantriebs mit 330 Litern eher auf Limousinen- als auf SUV-Niveau.

    Vorn geht es dafür umso luftiger zu. Fahrer und Beifahrer bekommen viel Raum im Renegade.
    Platzangebot vorne

    Vorn geht es dafür umso luftiger zu. Fahrer und Beifahrer bekommen viel Raum im Renegade.

    Auch wenn es sich beim Renegade um ein Einstiegsmodell in der Jeep-Familie handelt. Beim Innenraum hätte Fiat Chrysler angesichts eines Testwagenpreises von 44.000 Euro etwas höherwertigere Materialien verbauen können.
    Zu viel Plastik

    Auch wenn es sich beim Renegade um ein Einstiegsmodell in der Jeep-Familie handelt. Beim Innenraum hätte Fiat Chrysler angesichts eines Testwagenpreises von 44.000 Euro etwas höherwertigere Materialien verbauen können.

    Dank der 11,4 Kilowatt großen Batterie, die den Renegade mit einem Gesamtgewicht von knapp 1,8 Tonnen rund 200 Kilo schwerer macht als „normale“ Renegades, ist der Schwerpunkt sehr niedrig. Dadurch liegt der quadratische SUV ordentlich auf der Straße. Leider fehlte im Testfahrzeug ein Ladekabel für Ladesäulen, für das Jeep auch beim Serienfahrzeug 283 Euro verlangt.

    An einer normalen Steckdose dauert der Ladevorgang rund sechs Stunden. Dafür bekommt man laut Herstellerangabe bei einem angegebenen Verbrauch von 21,9 Kilowattstunden auf 100 Kilometer eine elektrische Reichweite von 50 Kilometern, in der Realität sind es etwas mehr als 40 Kilometer.

    Was den Renegade von den etlichen Stadtgeländewagen unterscheidet, die sich in der gleichen Klasse tummeln: Er ist tatsächlich bereit für eine Safari ins Gelände. Nicht nur eine Differentialsperre ist vorhanden. Es gibt Fahrmodi für Matsch und Schnee sowie eine Bergabfahrhilfe. Außerdem wird eine Wattiefe bis zu 60 Zentimetern garantiert. Der Jeep darf sich also nass machen.

    Beim Testfahrzeug handelt es sich allerdings um den Renegade S, der sportlicher daherkommt. Der Wagen steht auf 19 Zoll großen Felgen mit recht niedrigem Reifenprofil. Daher dürften Käufer des Renegade S eher seltener auf einem Terrain unterwegs sein, für den die Marke Jeep eigentlich steht. Aber wann waren Sie das letzte Mal mit Ihrem Range Rover Sport in der Kiesgrube? Richtig.

    Im Fahrzeuginneren fällt auf, dass nicht alles über den 8,4 Zoll großen Touchscreen bedient werden muss. Doch leider verstecken sich einige wichtige Funktionen hinter der umständlichen Menüführung des Infotainmentsystems, beispielsweise die Sitzheizung. Will ich die einstellen, muss ich mich über drei Klicks im Touchscreen zur entsprechenden Stelle durchwühlen. Im Stand kein Problem, doch während der Fahrt eine Zumutung.

    Einige wichtige Funktionen wie die Sitzheizung sind leider im Infotainment-System nur sehr umständlich zu erreichen. Das stört besonders während der Fahrt.
    Umständliche Bedienung

    Einige wichtige Funktionen wie die Sitzheizung sind leider im Infotainment-System nur sehr umständlich zu erreichen. Das stört besonders während der Fahrt.

    Bei den Materialien wurde doch sehr gespart: Es geht funktional zu. So ist ein Großteil des Innenraums mit Hartplastik verkleidet. Ungewöhnlich ist das nicht. Viele andere Hersteller machen das aus Kostengründen genauso. Doch leider merkt man es dem Jeep Renegade an, dass Fiat Chrysler hier die Priorität auf Kosteneffizienz gelegt hat.

    Auch der Schaltwahlhebel des 6-Gang-Automatikgetriebes und Großteile der Türverkleidung – Innenraumelemente, die öfter angefasst werden – sind aus Plastik. Für Autokäufer, die immerhin 44.000 Euro für diesen Renegade S (Hybridprämie nicht eingerechnet) berappen müssen, kann das ein größeres Problem sein. Die bequemen und hochwertigen Ledersitze und die 670 Euro teure Kenwood-Soundanlage reichen da nicht aus.

    Ein Blick in den Fußraum machte mich dann auch etwas sprachlos. Denn direkt neben dem Gaspedal ragt gut sichtbar ein Teil der Lenkstange samt Torx-Schraube hervor. Für Schrauber ist das wahrscheinlich ein Segen, aber auch eben nur für die.

    Natürlich schaut man nur sehr selten in den Fußraum. Dennoch wirkt es alles andere als hochwertig, wenn nicht einmal die Mühe gemacht wird, mechanische Bauteile samt Schrauben zu verbergen.
    Sichtbare mechanische Bauteile

    Natürlich schaut man nur sehr selten in den Fußraum. Dennoch wirkt es alles andere als hochwertig, wenn nicht einmal die Mühe gemacht wird, mechanische Bauteile samt Schrauben zu verbergen.

    Es ist diese Art von Details, die mich am Ende am Auto wirklich stören. Offenbar ist es Jeep nicht gelungen, Scheibenwischer zu finden, die sich unter die unförmige Frontscheibe absenken. So stehen sie immer ein wenig hervor. Und dann ist da noch die Sache mit dem Schalthebel.

    Der vom Fahrer aus gesehen rechte Scheibenwischer senkt sich nicht unter das Sichtfeld ab. Das sind kleine Fehler, die einem Premiumhersteller nicht passieren dürfen.
    Zu große Scheibenwischer?

    Der vom Fahrer aus gesehen rechte Scheibenwischer senkt sich nicht unter das Sichtfeld ab. Das sind kleine Fehler, die einem Premiumhersteller nicht passieren dürfen.

    Während der Fahrt lege ich meine rechte Hand sehr oft genau dort ab. Das habe ich mir aus meiner manuellen Schaltvergangenheit angewöhnt. Das Problem beim Renegade: Der manuelle Modus schaltet sich ein, sobald man den Schaltknauf zu sich, also nach links zieht. Das passiert mir im Test unangenehm oft.

    Trotz italienischer Gene, der Renegade bleibt der Jeep-Tradition treu. Verschiedene Fahrmodi sowie eine Differentialsperre und eine Bergabfahrhilfe ermöglichen, wenn gewollt, die Fahrt in unwegsamen Gelände.
    Bereit für den Geländeeinsatz

    Trotz italienischer Gene, der Renegade bleibt der Jeep-Tradition treu. Verschiedene Fahrmodi sowie eine Differentialsperre und eine Bergabfahrhilfe ermöglichen, wenn gewollt, die Fahrt in unwegsamen Gelände.

    Eigentlich passt der Renegade mit seiner Outdoor-Optik bestens in den Zeitgeist. Schließlich kaufen sich Menschen auch überteuerte Funktionsjacken, die theoretisch für eine Gebirgswanderung geeignet sind – am Ende aber doch nur für den Sonntagsspaziergang genutzt werden. Für Liebhaber der Geländewagen-Optik mag dieser Jeep darum ein geeignetes Auto sein, für die Parkplatzsafari im Großstadtdschungel wäre meine Wahl eine andere.

    Mehr: Hoch auf dem Hybrid – der Mercedes GLE 350de 4Matic im Handelsblatt-Autotest

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