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Inder kaufen italienische Designschmiede Mahindra übernimmt Pininfarina

Kaum ein Name steht mehr für italienisches Autodesign als Pininfarina. Künftig wird das Unternehmen aus Indien gelenkt.
15.12.2015 - 13:50 Uhr Kommentieren
  • Spotpress
Mahindra übernimmt Pininfarina - Inder kaufen italienische Designschmiede Quelle: Pininfarina
Mahindra übernimmt Pininfarina: Inder kaufen italienische Designschmiede

Diese radikale Konzeptauto zeigte die Designschmiede Pininfarina 2013 auf dem Genfer Salon. Das markanteste Detail des Pininfarina Sergio ist die fehlende Windschutzscheibe. Die Front sollte so konzipiert sein, dass sie den Fahrtwind über die Köpfe der beiden Insassen leitet. Benannt nach dem im Sommer 2012 verstorbenen Firmenchef basiert der offene Zweisitzer auf dem Ferrari 458 Spider.

Der traditionsreiche italienische Karosseriebauer Pininfarina gehört künftig zum indischen Unternehmen Mahindra. Der Mischkonzern kauft zunächst für 25,2 Millionen Euro 76 Prozent der Anteile an der Designschmiede, die aktuell von einem Bankenkonsortium kontrolliert wird. Das Geschäft soll im ersten Quartal 2016 abgeschlossen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt im kommenden Jahr können auch die restlichen Anteile aufgekauft werden.

Die Mahindra-Gruppe engagiert sich unter anderem im Maschinen- und Flugzeugbau, in Europa am bekanntesten dürfte die an dem Kauf beteiligte Tochter Mahindra & Mahindra sein. Der Automobilhersteller hatte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunächst mit Jeep-Lizenz-Nachbauten einen Namen als Geländewagen-Produzent gemacht, seit 2005 produzieren die Inder im Joint-Venture mit Renault auch eine asiatische Version des Dacia Logan. 2011 erwarb Mahindra zudem einen 70-Prozent-Anteil des südkoreanischen Autoherstellers Ssangyong.

Design-Experimente und Formen für die Ewigkeit
Der Ferrari 250 LM von 1964 war eines der ersten Ferrari-Modelle, die unter der Ägide von Sergio Pininfarina entstanden. 
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Der Name Pininfarina ist am engsten mit Ferrari verbunden. Firmengründer Sergio Pininfarina starb 2012 mit 85 Jahren. Mit seinem Namen sind Triumphe der Autogestaltung ebenso verbunden wie wirtschaftliche und persönliche Tragödien. Das Ende nach einer langen Erkrankung muss für einen der bedeutendsten Autodesigner des 20. Jahrhunderts so etwas wie eine Erlösung gewesen sein.

Der Formschöpfer und Unternehmer musste in den letzten Lebensjahren nicht nur den wirtschaftlichen Niedergang seines Unternehmens verfolgen, sondern auch den plötzlichen Tod seines Sohns und Nachfolgers Andrea, der 2008 mit 51 Jahren bei einem Autounfall starb.

(Foto: PR)
Der junge Sergio Pininfarina (rechts) mit seinem Vater Battista (links) und Enzo Ferrari.
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Die Beziehung zwischen den beiden schillernden Unternehmen Pininfarina und Ferrari hatte Sergios Vater Battista in die Wege gleitet. Der kleinwüchsige Battista Farina hatte das Unternehmen 1930 gegründet und nach dem Krieg schnell zu einem der führenden italienischen Designstudios aufgebaut.

Als die aufblühende Sportwagenmanufaktur Ferrari aus Modena die Anfrage nach gestalterischer Unterstützung gen Turin richtete, bestand der selbstbewusste Battista Farina darauf, dass sich Commendatore Ferrari bitte nach Turin bemühen sollte. Dagegen bestand der nicht mit geringerem Selbstwertgefühl ausgestattete Enzo Ferrari, Signore Farina sollte ihm doch bitte für die Gunst einer möglichen künftigen Zusammenarbeit seine Aufwartung in Modena machen.

Schließlich trafen sich beide Patriarchen in der Mitte der Achse Turin-Modena, schlossen eine lebenslange Freundschaft und begründeten eine der erfolgreichsten Kooperationen zwischen einem Designstudio und einem Hersteller.

(Foto: PR)
Fiat 124 Spider
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Sergio Pininfarina übernahm das Unternehmen Anfang der 1960er Jahre. Sein kleinwüchsiger Vater hatte es per Staatsdekret durchgesetzt, dem Familiennamen Farina seinen Spitznamen "Pinin" anhängen zu dürfen, was nichts anderes als "Zwerg" heißt. Und der arbeitete in den folgenden Jahrzehnten nicht nur für Ferrari.

So liefen rund 200.000 Stück des Fiat Spider seit den Sechziger Jahren von den Bändern von Fiat und Pininfarina. Als niemand mehr dem Cabrio und dem Roadster eine Chance gab, war die Zeit des klassisch gezeichneten Zweisitzers gekommen ...

(Foto: PR)
Maserati Quattroporte
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Der noch heute im Verkauf befindliche viertürige Familien-Sportwagen symbolisiert die seltene Eleganz, die von Pininfarina-Entwürfen ausging. Der in deutsch übersetzt schnöde übersetzt “Viertürer” genannte Quattroporte begründete schon in den Sechzigern die Klasse des viertürigen Gran Tourismo, als man bei Aston Martin oder Porsche noch nicht an Konkurrenzmodelle dachte.

(Foto: PR)
Peugeot 504 Cabriolet
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In den Studios entstanden auch der Peugeot 504 des Jahrgangs 1968 oder der Volvo C70 von 2006. Doch die Entwürfe von Pininfarina zeichnete sich nicht alleine durch ihre gelungenen Formen aus. Der Chef hatte schon in den Sechzigern die Bedeutung der Aerodynamik für den Verbrauch erkannt und richtete einen der ersten professionellen Windkanäle ein.

Sergio Pininfarina reüssierte jedoch nicht nur als Designer, er baute sein Unternehmen von der Manufaktur zum Fahrzeughersteller aus. In bis zu drei Werken baute Pininfarina komplette Fahrzeuge in großen Stückzahlen. 2005 und 2006 verlor man aber einige dieser Großaufträge. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigten die Italiener mehr als 3.500 Mitarbeiter.

2009 hatte das Unternehmen 600 Millionen Euro Schulden angehäuft. Der Unfalltod von Andrea Pininfarina im Jahr 2008 warf die Restrukturierungsbemühungen zurück. Sergios zweiter Sohn, Paolo Pininfarina, führte den Betrieb in der dritten Generation weiter.

(Foto: Pressefoto)
Ferrari Pinin
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Leonardo Fioravanti verfolgte die Idee Sergio Pininfarinas und schuf diese elegante viertürige Limousine mit dem Emblem des springenden Pferdes. Doch Enzo Ferrari wollte nicht über den eigenen Schatten springen und so blieb der “Ferrari Pinin” ein Einzelstück.

Mittlerweile zeigen Porsche Panamera und Aston Martin Rapide, dass auch für viersitzige und reinrassige Sportwagen jenseits der Preise für einen BMW M5 spürbare Nachfrage zu generieren ist.

(Foto: Bonhams)
Der Chef führt den Griffel nicht immer selbst.
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Dieses futuristische Konzept namens Ferrari Modulo ziert auch heute noch den Pavillion der Veranstalter auf der Essener Oldtimer-Messe Techno Classica. Im Hintergrund sind der Pininfarina-Gründer und die weltbekannte Schauspielerin Audrey Hepburn zu sehen.

Der Filmstar mag seine Liebe zu Italien bei den Dreharbeiten zu “ein Herz und eine Krone” entdeckt haben. Das Auto war dem im Film gezeigten Vespa-Roller haushoch überlegen. Dafür sorgte im Jahr 1980 schon der Zwölfzylinder des Ferrari 512,  der dem Design-Experiment als Organspender diente.

(Foto: )

Deutlich bekannter als der indische Konzern ist hierzulande Pininfarina. Die 1930 gegründete Design- und Karosseriebaufirma entwarf zahlreiche Fahrzeuge der Marken Alfa Romeo, Ferrari, Fiat, Jaguar, Lancia, Maserati und Peugeot.

Zu den populärsten Entwürfen zählen die Ferrari-Sportwagen Testarossa und 250 GT, der Alfa Romeo Spider und der Maserati Quattroporte der fünften Generation. Aber auch bürgerlichere Modelle wie der Kompakt-Van Hyundai Matrix oder die China-Limousine Brilliance BS6 wurden von Pininfarina gestaltet.

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    Zuletzt hatte das Unternehmen mit Designstudien wie dem BMW Gran Lusso Coupé oder dem Sergio Concept, einer Hommage an den Firmengründer, für Furore gesorgt. Zwischenzeitlich waren die Italiener auch als Auftragsfertiger für Cabrios gut im Geschäft. Zu den im eigenen Werk gebauten Modellen zählten etwa der kürzlich in moderner Form neu aufgelegte Fiat 124 Spider oder der Ford Focus CC. Auch außerhalb der Automobilindustrie hat sich Pininfarina einen Namen gemacht, unter anderem gestalteten die Italiener Eisenbahnzüge, Computer und das Elektro-Moped E-Solex.

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