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Mini Cooper SE So wird der Mini zum Elektroauto

Der Mini wird elektrisch. Doch optisch bleibt die englische Traditionsmarke sich treu. Lohnt sich der Umstieg auf den neuen Antrieb trotzdem?
  • Peter Maahn
29.01.2020 - 10:11 Uhr 1 Kommentar
  • Spotpress
Fahrbericht: Mini Cooper SE - Englands Klassiker tankt an der Steckdose Quelle: Mini
Ein Klassiker wird elektrisch

Der Mini-Cooper wird künftig geladen, nicht mehr getankt.

Miami In Florida scheint die Sonne und das Thermometer schrammt auch im Januar die 30-Grad-Marke. Trockene Straßen statt überfrierendem Asphalt, blauer Himmel statt Hochnebel-Suppe, cool ist nur die Sonnenbrille und die Klimaanlage. Und das Auto natürlich. Der ur-englische Mini, längst mit deutscher BMW-Technik unterwegs, gilt vor allem in den trendigen US-Staaten wie Kalifornien und auch Florida als Kultmobil. Und jetzt darf er auch zwischen den Teslas rumstromern.

Ein rein elektrischer Mini und keiner dreht sich um. Erst, wenn er mit einer der schnell gefundenen Ladesäulen verkabelt ist, haben Passanten oder Vorbeifahrer einen Aha-Effekt. Denn das Elektrische am Mini ist gut im gewohnten Kleid versteckt. Um ihn zu kennzeichnen, haben die Designer in den Topf mit gelber Farbe gegriffen.

Kein Sorge, Verwechslungsgefahr mit Postautos besteht nicht. Das warme Gelb ziert nur die Gehäuse der Außenspiegel, einen Mittelsteg auf der Abdeckung des einstigen Kühlergrills und die Oberfläche eines speziellen Logos am Heck. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt die Farbigkeit auch noch als dünne Umrandung der 16-Zoll-Alu-Räder. Wer da alles nicht will, braucht den Schmuck bei der Bestellung nicht ankreuzen und fährt dann optisch einen Mini wie jeden anderen.

Ein weiterer Unterschied beim neuen Cooper SE (E steht für „elektrisch“) ist ebenfalls dezent. Um die 32,6 kWh-Batterien so unterzubringen, dass kein Kofferraumvolumen verloren geht, ist der Mini um 1,8 Zentimeter höher gelegt. Um das vertraute Bild dennoch nicht anzukratzen, trägt er leicht veränderte Karosserieteile an Bug und Heck und rund um die Radkästen. Die sympathische Mogelei der Designer fällt wirklich nicht weiter auf. Britisches Understatement statt Elektrostolz.

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    Das Exzentrische lauert wie gewohnt im Innenleben. Das Design des kreisrunden 8.8-Zoll-Zentralmonitors der Mitte gleicht dem aller Minis. Das 5,5-Zoll-Gehäuse der Anzeigen im direkten Blickfeld wurde verändert und beherbergt jetzt Infos, die für E-Auto wichtiger sind als die Drehzahl. Wieviel der verfügbaren Kraft des 135 kW/184 PS starken E-Motors wird gerade genutzt und wieviel Prozent der Reichweite bleibt noch übrig. Da muss die Tempoanzeige auf digitale Zahlen ausweichen.

    Um die 32,6 kWh-Batterien so unterzubringen, dass kein Kofferraumvolumen verloren geht, ist der Mini um 1,8 Zentimeter höher gelegt Quelle: Mini
    Aufgebockt

    Um die 32,6 kWh-Batterien so unterzubringen, dass kein Kofferraumvolumen verloren geht, ist der Mini um 1,8 Zentimeter höher gelegt.

    Innen gibt es die üblichen Ladestandsanzeigen Quelle: Mini
    Alles im Blick

    Innen gibt es die üblichen Ladestandsanzeigen.

    Bekannt auch das Quintett an Kipp-Schaltern unterhalb des Monitors. Sie beweisen spätestens nach dem Losfahren ihre besondere Bedeutung. Vor allem der zweite von links. Das Erlebnis des lautlosen Starts bieten alle E-Autos. Nur bei geöffnetem Fenster ist das künstliche Motorschnarren zu hören, dass Passanten vor der stillen Gefahr warnen soll.

    Sofort ist die Power erlebbar, ein kräftiger Tritt bringt den Mini ohne Schaltrucke ins Galoppieren. Nur sanfte Behutsamkeit des rechten Fußes bewahrt im Stadtverkehr vor Aufmerksamkeit uniformierter Tempowächter. Neulinge haben die Zurückhaltung schnell gelernt, das Mitschwimmen im dicken Miami-Verkehr zwischen den dicken SUV und den Monster-Pickups drumherum bringt bereits den Fahrspaß des Elektro-Zeitalters.

    Und dann die geheimnisvolle zweite Taste von links. In der ersten ihrer beiden Stufen ist alles so, wie einst in der Fahrschule gelernt. Vor der in den USA immer weit oben hinter der Kreuzung hängenden Ampel Gaspedal lupfen und den Mini rollen lassen. Dann brav mit Hilfe der Bremse zum Stehen kommen. Die zweite Tastenstufe bietet den „One-Pedal_Modus“, der beim Mini besonders ausgeprägt ist. Nur noch das Gaspedal ist gefragt. Beim E-Auto-Pionier Nissan Leaf ist das übrigens ähnlich.

    Ein Beispiel ist eben jene Annäherung an eine Ampelkreuzung: Wird das Gaspedal wie gewohnt gelupft, verzögert der Mini schlagartig, kommt viel zu früh und unerwartet dank der heftigen Bremswirkung des E-Motors zum Stillstand, aktiviert dabei aber die Bremsleuchten. Dennoch ist wütendes Gehupe der überraschten Fahrer hinter dem Mini durchaus verständlich. Also muss geübt werden, wann und wie gefühlvoll je nach eigenem Tempo und Abstand zum Vordermann das rechte Pedal entlastet werden muss.

    Wird das Gaspedal wie gewohnt gelupft, verzögert der Mini schlagartig Quelle: Mini
    Mit einem Pedal

    Wird das Gaspedal wie gewohnt gelupft, verzögert der Mini schlagartig.

    Wer eine Schnellladesäule mit 50 kW per App ins Kalkül zieht, ist nach 35 Minuten wieder mit zu 80 Prozent aufgefrischter Batterie auf Achse Quelle: Mini
    Schnell wieder voll

    Wer eine Schnellladesäule mit 50 kW per App ins Kalkül zieht, ist nach 35 Minuten wieder mit zu 80 Prozent aufgefrischter Batterie auf Achse.

    Wer den Bogen nach ein paar Stadtkilometern raus hat, kann das Prinzip auch auf den sechsspurigen Freeway anwenden. Elektronische Hilfe wie beim bekannten Abstandsradar darf er dabei nicht erwarten. Der würde sich laut eines Mini-Ingenieurs nur mit noch aufwendigerer Elektronik und Sensortechnik mit dem „Ein-Pedal-Modus“ vertragen. Also bieten die Engländer diese Art des automatischen Abstandshalten erst gar nicht an.

    Unterm Strich, ob mit gedrückter Taste oder ohne, fährt sich der erste elektrische Mini genauso problemlos und souverän wie die anderen Stromer. Vorausgesetzt, dass der stechende Sport-Hafer gezähmt bleibt. Denn volles Rohr auf der linken Spur auch im teilweise noch tempolimit-losen Deutschland sollte nicht sein Ding sein. Die Spitze ist auf 150 km/h begrenzt, der Reichweite wegen.

    Selbst auf dem Florida Turnpike, der Mautautobahn zwischen Miami und Orlando, schmilzt bei erlaubten 70 Meilen (112,6 km/h) der Batterievorrat bei freier Fahrt sichtbar dahin. Aber auch der Cooper SE ist halt ein Mini und der ist nun mal so eng mit dem Begriff „Stadtauto“ verbunden wie sonst nur der Smart.

    Der Cooper SE reißt mit 32.500 Euro zunächst ein großes Loch in die Haushaltskasse Quelle: Mini
    Teurer Spaß

    Der Cooper SE reißt mit 32.500 Euro zunächst ein großes Loch in die Haushaltskasse.

    Im Schnitt bewegen auch Mini-Fahrer ihr kultiges Designstück täglich weniger als 40 Kilometer weit, zumeist in und aus der Stadt heraus. Die Benutzung von Montag bis Freitag lässt also viel Luft für die Akkukapazität von mindestens 230 Kilometern. Die Normangabe von 270 Kilometern ist in der Praxis kaum zu schaffen. Das Wochenende und die Tour zur Oma aufs Land will also geplant werden. Wer eine Schnellladesäule mit 50 kW per App ins Kalkül zieht, ist nach 35 Minuten wieder mit zu 80 Prozent aufgefrischter Batterie auf Achse. Meist aber wird auch der Mini daheim an die Wallbox angedockt übernachten.

    Ein Schnäppchen waren Minis noch nie. Auch der Cooper SE reißt mit 32.500 Euro zunächst ein großes Loch in die Haushaltskasse. Mit einigen Extras mehr kommen schnell ein paar Tausender dazu. Abziehen kann man aber die Boni von Staat und Autoindustrie. Minus 6.000 Euro an Beihilfe erleichtern vielleicht manche Entscheidung.

    Technische Daten

    Dreitürige Limousine mit vier Plätzen, Länge: 3,85 Meter, Breite (ohne Außenspiegel) 1,73 Meter. Höhe: 1,43 Meter. Radstand: 2,50 Meter, Leergewicht: 1.350 kg, Kofferraumvolumen: 211-731 Liter

    Frontantrieb Antrieb: Elektromotor mit 135 kW/184 PS, maximales Drehmoment: 270 Nm, einstufiges Automatikgetriebe. Lithium-Ionen-Batterie: 32,6 kWh, Vmax: 150 km/h, 0-100 km/h in 7,3 sec. Durchschnittsverbrauch: 14,8-16,8 kWh/100 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Energieklasse: A+; Norm-Reichweite: 235-270 km. Ladezeiten auf 80 Prozent: 2.5 Std. an 11 kW dreiphasig. 3,2 Std. an 7,4 kW einphasig. 35 Min. an 50 kW Schnellladestation mit Gleichstrom. Grundpreis: ab 32.500 Euro

     Um das vertraute Bild dennoch nicht anzukratzen, trägt er leicht veränderte Karosserieteile an Bug und Heck und rund um die Radkästen Quelle: Mini
    Veränderte Karosserie

    Um das vertraute Bild dennoch nicht anzukratzen, trägt er leicht veränderte Karosserieteile an Bug und Heck und rund um die Radkästen.

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    1 Kommentar zu "Mini Cooper SE: So wird der Mini zum Elektroauto"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es ist bereits das zweite Mal, dass ich mich gegen ein Elektroauto entscheide. Das erste Mal vor 4 Jahren; es ging damals um einen Tesla. Und nun Ende 2019 dieselbe Entscheidung, es ging nun um einen Elektro-Mini.
      Das Thema sind weniger die Fahrzeuge als die Infrastruktur in der ich das Auto bewege – wir sprechen hier über Berlin. Der Vermieter ist nicht bereit eine Aufladestation in der Garage zu installieren, obwohl ich die Kosten hierfür übernommen hätte. Seine Antwort: nehmen sie doch die normale Steckdose – … „zur Freude der anderen Mieter“.
      Bleibt das Laden im Öffentlichen Raum an Ladestationen, in Zehlendorf sind das vielleicht 10 Stück. Wenn es regnet ist das nicht was man möchte. Fahre ich also mit meinen Euro 5 SUV zu meinem Elektro Mini und kann dann noch einen Parkplatz suchen, weil der freiwerdende Parkplatz für Elektroautos reserviert ist – und das in Berlin.
      Sei es drum, das kann sich ja in der Zukunft ändern; die Frage also: Gibt es einen Plan seitens der Rot-Rot-Grünen Regierung zwecks Ausbau der Ladestationeninfrastruktur – wie mir bekannt ist gibt es den nicht und er ist auch nicht gewollt. Hintergrund ist – perfekt im Handelsblatt Morning Briefing von heute Morgen auf den Punkt gebracht - … und eben Berlin (wo das Auto die Fahrradfahrer stört, wo aber regiert wird).
      By the way, endverhandelt und nach Einbeziehung aller Subventionen zu Gunsten es Elektro-Mini verbleibt immer noch eine Preisdifferenz von ca. 25% zu Gunsten des Benziners.
      Verbleibt die Frage wie in einem solchen Gemengelage die ambitionierten Klimaschutzziele erreicht werden können.

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