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Plug-in-Hybrid-SUV Opels Dienstwagen-Hoffnung – so schlägt sich der Grandland X Hybrid 4 im Handelsblatt-Autotest

Der Insignia war lange Opels Firmenauto-Bestseller. Jetzt soll ihn der Grandland X Hybrid 4 beerben – ein SUV mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Im Handelsblatt-Autotest prüfen wir, ob das gelingt.
15.07.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Der Plug-in-Hybrid-SUV der Rüsselsheimer soll den Insignia als künftiges Firmenauto beerben. Quelle: Opel [M]
Opel Grandland X Hybrid 4

Der Plug-in-Hybrid-SUV der Rüsselsheimer soll den Insignia als künftiges Firmenauto beerben.

(Foto: Opel [M])

Düsseldorf Das erste Auto, in dem ich in meinem Leben saß, war ein Opel. 1990 hatte mein Vater einen nigelnagelneuen Vectra in Bordeauxrot gekauft. Acht Jahre zuvor war er aus Polen nach Deutschland emigriert. Dieser neue Opel war für meinen Vater ein Symbol des Aufstiegs. Damals war man nämlich noch wer, wenn man Opel fuhr.

Knapp 30 Jahre später sitze ich wieder in einem Opel, im Grandland X Hybrid 4. Diesmal sitze ich am Steuer und mein Vater auf dem Beifahrersitz. Mit dem Vectra aus alten Tagen hat dieser Opel nicht mehr viel zu tun.

Das merkt man bereits, wenn die Zündung getätigt wird. Denn dann hört man zunächst gar nichts. Der 200 PS starke Verbrennungsmotor ruht, die beiden Elektromotoren, einer an der Vorderachse, einer an der Hinterachse, die zusammen etwa 100 PS generieren, sind zuerst an der Reihe. Mit dem für Elektromotoren typischen Surren fährt der SUV flüsterleise an.

Die Traditionsmarke hat sich verändert: Vom Renommee früherer Zeiten ist im Jahre 2020 nicht mehr viel übrig geblieben. Der Grandland ist eines der Modelle, die bei Opel für den Neuanfang stehen. Mit dem Plug-in-Hybrid-SUV will der Autobauer an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen.

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    Das jahrelange Flaggschiff Insignia, das auch einen Großteil der Verkäufe der Marke ausmachte, wird langsam zum Auslaufmodell. Der halbelektrische Grandland X könnte – auch dank des Steuervorteils für Elektroautos – die Nachfolge antreten.

    Für einen SUV wirkt der Grandland optisch recht dynamisch – zumindest verglichen mit den unzähligen teils obszön großen SUVs anderer deutscher Hersteller. Quelle: Handelsblatt
    Will allen gefallen

    Für einen SUV wirkt der Grandland optisch recht dynamisch – zumindest verglichen mit den unzähligen teils obszön großen SUVs anderer deutscher Hersteller.

    (Foto: Handelsblatt)
    Ein Blick auf die Heckklappe macht deutlich, dass es kein gewöhnlicher Opel ist. Die komplette Modellbezeichnung und das E-Kennzeichen zeigen Hinterherfahrenden, dass man elektrisch unterwegs ist. Quelle: Handelsblatt
    Modellbezeichnung

    Ein Blick auf die Heckklappe macht deutlich, dass es kein gewöhnlicher Opel ist. Die komplette Modellbezeichnung und das E-Kennzeichen zeigen Hinterherfahrenden, dass man elektrisch unterwegs ist.

    (Foto: Handelsblatt)

    Entwickelt wurde er zwar in Zeiten, in denen Opel noch zu General Motors gehörte. Doch die technische Plattform entstand in einer Kooperation mit Neueigentümer PSA (Peugeot-Citroën). Er basiert auf der EMP-2-Plattform des französischen Konzerns, auf der unter anderem auch der Peugeot 3008 und der Citroën C5 gebaut werden. Der Grandland selbst kam 2017 auf den Markt, im Mai 2019 wurde der Plug-in-Antrieb nachgereicht.

    Vom Erfolg des SUVs hängt auch die Zukunft des Opel-Werks in Eisenach ab. In Thüringen lief jahrzehntelang der Corsa vom Band, bis General Motors entschied, den Kleinwagen in Spanien bauen zu lassen. Mittlerweile ist das Werk auf die SUV-Produktion umgestellt. Der Grandland X ist Eisenachs Lebensversicherung.

    Andererseits hat das Auto die besten Chancen, Käufer zu finden. Denn während der Marktführer VW noch kein mittelgroßes SUV mit Plug-in-Hybrid im Angebot hat, kann Opel schon liefern. Erst im Herbst kann der kompakte SUV Tiguan auch als Plug-in-Hybrid geordert werden. Die Rüsselsheimer haben einen Zeitvorsprung.

    Beim Design hat man sich darum alle Mühe gegeben zu gefallen. Für einen SUV wirkt der Grandland optisch recht dynamisch – zumindest verglichen mit den unzähligen teils obszön großen SUVs anderer deutscher Hersteller. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch auffällig ist allerdings der zweifarbige Look. Die Türen und die Heckklappe des Testfahrzeugs sind blau, die Motorhaube und das Dach schwarz.

    Die Batterie hat eine Kapazität von 13,2 Kilowattstunden. Das soll laut Hersteller für rund 60 rein elektrische Kilometer reichen. In der Realität sind es allerdings locker zehn Kilometer weniger. Immerhin genug für ein E-Kennzeichen, das eine rein elektrische Reichweite von 40 Kilometern erfordert. Der ermäßigte Steuersatz für Firmenwagen von 0,5 Prozent dürfte den Grandland X für Dienstwagenfahrer interessant machen. Wer diesen Opel fährt, darf außerdem die Umweltspur nutzen.

    Das Dach und die Motorhaube sind schwarz lackiert, der Rest blau. Etwas gewöhnungsbedürftig. Quelle: Handelsblatt
    Zweifarbig

    Das Dach und die Motorhaube sind schwarz lackiert, der Rest blau. Etwas gewöhnungsbedürftig.

    (Foto: Handelsblatt)
    In den Frontscheinwerfern sind LEDs verbaut, in den Heckleuchten herkömmliche Halogen-Lämpchen. Quelle: Handelsblatt
    LED-Scheinwerfer

    In den Frontscheinwerfern sind LEDs verbaut, in den Heckleuchten herkömmliche Halogen-Lämpchen.

    (Foto: Handelsblatt)

    Natürlich hängt die elektrische Reichweite vom Fahrstil ab. Im Stadtverkehr allerdings – und da ergibt der Elektroantrieb am meisten Sinn – war es trotz Rekuperation kaum möglich, unter 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer zu kommen.

    Dank der Funktion „e-Save“ kann im Opel eine Stromreserve für bis zu 20 Kilometer bereitgehalten werden. Die Batterie wird dann bis zu dieser Restreichweite entladen. Ist die erreicht, übernimmt der Verbrennungsmotor.

    Auf der Autobahn lag der Verbrauch im Hybrid-Modus bei elf Kilowattstunden. Rein elektrisch können die beiden Elektromotoren den Grandland X bis auf eine Geschwindigkeit von 135 Kilometern pro Stunde bringen. Auch die Beschleunigung ist dank der Elektromotoren für ein Auto dieses Ausmaßes und Gewichts – immerhin knapp zwei Tonnen – erstaunlich. Ein kurzer Tritt aufs Gaspedal lässt zumindest bis auf 50 Kilometer pro Stunde so manchen Sportwagen stehen.

    Es stehen vier Fahrmodi zur Verfügung. Verlässt man den elektrischen Modus und wechselt in den Hybrid-Modus oder Allrad-Modus, unterstützt der Verbrennungsmotor die elektrischen Antriebe – zum Beispiel, wenn man an einer Autobahnauffahrt stärker beschleunigt. Den Wechsel vom Elektro- zum Verbrennungsmotor nimmt man kaum wahr.

    Im Sportmodus wiederum übernimmt der Verbrennungsmotor die Beschleunigung, die zwei Elektromotoren sind jetzt nur noch Helfer. Wenn man das Gaspedal durchtritt, drängen die Motorgeräusche lauter in den Innenraum. Das wird spätestens dann etwas nervig, wenn die Batterie leer ist. Dann nämlich hat der 1,6-Liter-Motor mit seinen 200 PS so seine Mühe, die fast zwei Tonnen fortzubewegen. Und der Verbrauch steigt deutlich an: Statt der angegebenen 1,6 Liter auf 100 Kilometer gönnt sich der Opel dann im Schnitt sechs bis sieben Liter Super Benzin. Der Wow-Effekt der Beschleunigung verschwindet ebenfalls.

    Hier hätte Opel ein paar Dinge besser machen können. Die Innenverkleidung der Tür besteht überwiegend aus Hartplastik. Auch die Plastikblenden in der Mittelkonsole hätten hochwertiger sein können. Dafür überzeugen die perforierten Ledersitze mit Belüftungsfunktion. Quelle: Handelsblatt
    Qualität im Innenraum

    Hier hätte Opel ein paar Dinge besser machen können. Die Innenverkleidung der Tür besteht überwiegend aus Hartplastik. Auch die Plastikblenden in der Mittelkonsole hätten hochwertiger sein können. Dafür überzeugen die perforierten Ledersitze mit Belüftungsfunktion.

    (Foto: Handelsblatt)
    Leider gibt es serienmäßig nur ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose. Der Ladevorgang dauert dann über sieben Stunden. Das optionale 7,4 kWh-Ladekabel kostet über 240 Euro Aufpreis. Quelle: Handelsblatt
    Ladekabel

    Leider gibt es serienmäßig nur ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose. Der Ladevorgang dauert dann über sieben Stunden. Das optionale 7,4 kWh-Ladekabel kostet über 240 Euro Aufpreis.

    (Foto: Handelsblatt)

    Trotz seiner Spitzenleistung von bis zu 300 PS ist der Grandland X aber kein Sportler: Der Fokus liegt mehr auf der Gemütlichkeit und der Ausstattung: Bodenwellen schluckt der SUV fast unbemerkt. Sofern die Batterien genügend Strom haben und im Hybrid-Modus gefahren wird, bleibt es im Innenraum angenehm leise, selbst bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn. Eine 360-Grad-Kamera hilft beim Einparken. Die Ledersitze sind bequem und können wahlweise beheizt und sogar belüftet werden.

    Und so macht der Opel das, was beliebte Autos am besten können: nichts falsch. Aber ein paar Dinge hätten die Opel-Ingenieure besser machen können: Die Türverkleidung besteht überwiegend aus Hartplastik. Die analoge Tachoanzeige ist nicht mehr zeitgemäß, der Bildschirm des Multimediasystems relativ klein, und serienmäßig bekommt man nur ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose. Hier dauert das Aufladen der Batterie über sieben Stunden.

    Darüber könnte man noch hinwegsehen, wenn da nicht der Preis wäre. Mit über 53.000 Euro ist der Grandland in der besten Ausstattung für Opel-Verhältnisse recht teuer. Da hätte der Autobauer wenigstens das 240 Euro teure „Schnellladekabel“ serienmäßig dazulegen können. Das ist zwar mit einer Ladeleistung von 7,4 Kilowattstunden nicht wirklich schnell. Aber immerhin dauert der Ladevorgang damit nur noch knapp zwei Stunden.

    Wohnt man in der Stadt und hat nicht gerade ein Haus mit eigener Einfahrt und eigener Wallbox, kann es mitunter nervig sein, zur nächsten öffentlichen Ladesäule zu fahren, um den Wagen zu laden. Doch es hat auch Vorteile: In der Innenstadt entfällt die lästige Parkplatzsuche.

    Während sich alle anderen SUV-Fahrer in die viel zu engen Parklücken zwängen, zum Parkautomaten eilen und mit Euro-Münzen Parkscheine ziehen mussten, konnte ich in aller Ruhe an eine Ladesäule fahren, den Wagen einstöpseln und einkaufen gehen. Parkgebühren zahle ich keine, nur für das Aufladen muss ich bezahlen. Beim Grandland X kostet eine volle Ladung etwa vier bis fünf Euro. Wird das Fahrzeug geladen, kann es zudem vortemperiert werden. Die Ladesäule liefert den dafür nötigen Strom.

    Mit dem „Schnellladekabel“ dauert ein Ladevorgang etwas weniger als zwei Stunden. An öffentlichen Ladesäulen bezahlt man zwischen vier und fünf Euro für eine komplette Ladung. Quelle: Handelsblatt
    Ladeanschluss

    Mit dem „Schnellladekabel“ dauert ein Ladevorgang etwas weniger als zwei Stunden. An öffentlichen Ladesäulen bezahlt man zwischen vier und fünf Euro für eine komplette Ladung.

    (Foto: Handelsblatt)
    Handelsblatt-Redakteur Roman Tyborski hat den Plug-in-Hybrid-SUV getestet. Quelle: Handelsblatt
    Opel Grandland X Hybrid 4

    Handelsblatt-Redakteur Roman Tyborski hat den Plug-in-Hybrid-SUV getestet.

    (Foto: Handelsblatt)

    Der Grandland ist damit nicht nur bequem, sondern erfüllt den Anspruch, den sich die Marke gesetzt hat. Das SUV will nicht kontrovers sein, nicht anecken, sondern allen gefallen. Er soll Firmenwagen, Familienauto und Langstreckenfahrzeug in einem sein – und dank elektrischer Unterstützung auch das grüne Gewissen des Autobesitzers beruhigen. Ein Balanceakt, der ganz gut gelingt.

    Kann der Grandland aber auch die Oberklasse ärgern, wie es der Insignia seinerzeit wollte? Mein Vater ist skeptisch. „Für einen Opel ist der ziemlich teuer. Für das Geld kaufe ich mir lieber einen Audi.“

    Technische Daten

    SUV der oberen Mittelklasse, Länge: 4,48 Meter, Breite: 1,86 Meter (Breite mit Außenspiegel: 2,10 Meter), Höhe: 1,61 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 390 Liter (1528 mit umgeklappter Rückbank)

    Grandland X Hybrid 4: 13,2-kWh-Batterie, zwei Elektromotoren (einer an der Vorder- und einer an der Hinterachse) mit jeweils 80 kW, Systemleistung: 221 kW/300 PS, maximales Drehmoment: 450 Nm, elektrischer Allradanrieb, Achtstufen-Automatik, 0-100 km/h: 6,1 s, Spitzengeschwindigkeit: 235 km/h, Verbrauch (kombiniert): 23 kWh/100 km, 1,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 36 g/km, Effizienzklasse: A+, Preis: ab 51.165 Euro, Preis des Testwagens: 54.052 Euro

    Mehr: Während bei Opel in Rüsselsheim kurzgearbeitet wird, fehlt der Konzernmutter PSA in Frankreich Personal. Opel soll nun mit 150 Mitarbeitern aushelfen.

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    1 Kommentar zu "Plug-in-Hybrid-SUV: Opels Dienstwagen-Hoffnung – so schlägt sich der Grandland X Hybrid 4 im Handelsblatt-Autotest"

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    • Wer kauft sich denn in 2020 ein Auto mit so einer hässlichen Mittelkonsole? Ist das Navigationssystem schon in bunt oder noch in graustufen? Vielleicht ist das an der Schwelle zu 50 nur ein Problem von mir - aber ich würde auf den Karten schon noch was erkennen wollen, während ich Auto fahre. Auch finde ich das Auto von der Fahrer-Innenperspektive wirklich hässlich - für 53.000 Euro etwas sehr "Logan" mäßig.

      Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in bequemen 6 Sekunden und dafür 235 km/h Endgeschwindigkeit? Puuh, bin ich alleine oder würden auch andere Endgeschwindigkeit gegen Beschleunigung tauschen? Mir reichen 200 km/h.

      Ich hatte mir wirklich sehr lange überlegt von der E-Klasse auf den Opel Insignia zu wechseln. Den fand ich super und mit einer interessanten Mischung aus Vernunft und Unvernunft. Als Lokalpatriot wäre mir Opel sogar sehr gelegen gekommen. Am Ende scheiterte es am Firmenwagen-Leasing. Aber nicht schlimm, denn der Grandland ist echt nicht meins. .... bei Opel wäre ich gerne mal der Design-Hofnarr ... die haben eigentlich tolle Ingenieure aber es braucht ein Enfant-Terrible, der neue Höchstleistungen rauskitzelt. Der Grandland ist es m.E. eher nicht.

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