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Udos Tankstelle in Düsseldorf

„Ergreifen sie bloß nicht diesen Beruf!“ (Foto: Angelika Ivanov / Orange)

Zapfsäulen Lohnt es sich noch, eine Tankstelle zu betreiben?

Du findest Tankstellen teuer? Dann schau dir mal an, wie die Betreiber kalkulieren müssen. Ein Report über ein aussterbendes Geschäft.
17.05.2019 - 11:47 Uhr Kommentieren

Dieser Artikel ist am 17. Mai 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Während seine Altersgenossen spazieren gehen, drückt der 85-jährige Udo Andrees täglich die Bezinpreise. „Zumindest in Düsseldorf“, sagt er. Denn als freier Tankwart kann er die Preise selbst bestimmen. Seit 61 Jahren versucht er, jeden Tag günstiger zu sein als die Konkurrenz.

Tankstelle betreiben: Lohnt es sich in Zukunft, eine Tankstelle zu betreiben?

Am Ende des Monats komme er damit meistens auf „plus minus Null“, wie er behauptet. „Ein Hobby“, sagt er, finanziert mit dem Geld aus den guten Zeiten des Geschäfts mit dem Öl. Wie genau sein Preis entsteht, will er nicht verraten.

Preiszusammensetzung Benzin

Der Mineralöl Wirtschaftsverband nennt Zahlen, die einen Eindruck geben. Demnach entfallen auf einen Liter Superbenzin für 1,46 Euro allein 88 Cent Steuern (siehe Grafik). Je nach Preislage kommen noch etwa 46 Cent für den Einkauf hinzu. Bleiben elf Cent übrig.

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    Davon muss der Tankwart noch Kosten für Lieferung, Lagerung, gesetzlichen Vorrat, Verwaltung und Vertrieb abdrücken. Was dann noch übrig bleibt, geht in der Regel für Personal, Miete und Kosten für die EC- und Kreditkartenzahlungen ab. Ein Nullsummenspiel.

    So wie Andrees geht es vielen Tankstellenpächtern in Deutschland. Doch anders als bei dem Rentner hängt von dem Geschäft ihre Existenz ab. Und das läuft seit Jahren immer schlechter. 20 Prozent der 14.500 Tankstellen verdienen kein Geld oder machen sogar Verluste, sagt Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband (TiV).

    Tankstelle betreiben: Wieviel Zuschuss zahlen Aral, Shell oder Total?

    Sie können sich nur durch Zuschüsse der Großkonzerne, also Aral, Shell oder Total, am Leben halten. Die Frage ist: Wie lange noch? Denn je schneller der Trend zu Elektroautos voranschreitet, desto eher werden die Benzin-Tempel überflüssig.

    Schon heute macht der Verkauf von Tabak, Alkohol und Lebensmitteln 60 Prozent der Netto-Einnahmen (ohne Steuern) aus, sagt Herbert Rabl vom TiV. 20 Prozent entfallen auf Dienstleistungen wie Waschen oder Autos verleihen und nur 20 Prozent bringt das eigentliche Tanken. Bei Aral macht das Kraftstoffgeschäft sogar nur noch zehn Prozent aus, sagt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage von Orange.

    Doch allein für Kaffees und Snacks wird wohl niemand gezielt eine Tankstelle ansteuern. Ohne das Tanken, verliert der Ort seine Anziehungskraft. Deswegen arbeitet Aral an Ideen, wie sich die Tankstellen auch in 20 Jahren noch mit Kunden und Leben füllen lassen. Schließlich hat der Konzern mit fast 2300 Tankstellen das dichteste Netz in Deutschland.

    Tankstelle der Zukunft: Aral-Studie zeigt Hubschrauber und Carsharing

    In einer neuen Studie stellt Aral seine Standorte als mobile Umschlagplätze mit Hubschrauberlandeplatz, Carsharing, Büroräumen, Café und natürlich Zapfsäulen dar. Jahrzehntelang waren Tankstellen Orte, die fast schon romantisch, ranzig als Dreh- und Angelpunkt der Gesellschaft fungierten. Ob politisch links, konservativ oder Hippie: Hier trafen sich alle.

    Doch das geht vorbei. Zumindest in den Städten, heißt es in der Aral-Studie, die in Zusammenarbeit mit dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstanden ist. Demnach wird die private Auto-Nutzung zurückgehen, während in den Städten mehr Fahrzeuge von Dienstleistern wie etwa Paketboten und Taxis, rumfahren. Um die Städte herum und auf dem Land wird der Verkehr aber zunehmen, heißt es.

    Tankstellenbesitzer Andrees sieht die Entwicklung pragmatisch. „In Zukunft werden hier viel mehr automatische Zapfsäulen stehen.“ Die Personalkosten seien angesichts der Preiskalkulation einfach zu hoch.

    Tankstellen-Preise: Warum sind Tankstellen-Shops so teuer?

    Besonders kritisch sieht er die Arbeitsverhältnisse von Tankstellenpächtern der fünf großen Marken. Aral (BP), Shell, Esso, Jet und Total teilen sich den Markt untereinander auf. „Da gehen sie als reicher Mann rein und kommen arm und ausgelaugt wieder raus“, sagt er.

    Denn von ihren Pächtern fordern die Konzerne Sicherheiten. Schließlich bauen sie die Infrastruktur und befüllen die unterirdischen Speichertanks. Der Pächter bekommt dafür nur eine Provision, etwa 1 bis 1,5 Cent pro Liter. Geld soll er mit dem Shop und den zusätzlichen Services verdienen.

    Doch es gibt ein Problem: „Die Pächter müssen die Produkte von Firmen beziehen, die wiederum den großen Konzernen gehören“, erklärt Herbert Rabl vom Tankstellenverband. Die Preise für Eis und Cola lägen dabei über denen des Großhandels. „So entstehen auch die hohen Verkaufspreise an der Tankstelle“, sagt er.

    Denn um überhaupt Geld zu verdienen, müssten die Tankstellenbetreiber noch etwas draufschlagen. Hinzu kämen die langen Öffnungszeiten. „Viele Pächter beuten sich selbst aus und stehen 70 Stunden die Woche hinter der Kasse“, erklärt der Verbands-Sprecher. „Wir nennen es moderne Leibeigenschaft.“

    Beruf Tankwart: „Zukunft? Ergreifen sie bloß nicht diesen Beruf!“

    Aral-Sprecher Brandenburg kann mit diesem Vorwurf wenig anfangen. „Für uns ist diese Aussage nicht nachvollziehbar“, erklärt er und betont, dass Aral-Pächter im Marktdurchschnitt gut verdienen. Außerdem seien sie frei in der Wahl ihrer Lieferanten. Wie viele Tankstellen einen Zuschuss brauchen, um zu überleben, mag er jedoch nicht verraten. „Wettbewerbsgründe“.

    Für den Düsseldorfer Tankstellenbetreiber Andrees ist die Lage dagegen klar: Die Tankwarte sind zwar formell selbstständig. „Selbstständig bedeutet für mich, auch eigene Entscheidungen zu treffen. Das könnten sie bei den Großen aber vergessen“, sagt er. Denn vom Einkaufspreis der Ware bis zur Position des Schokoriegels wird alles vorgegeben.

    Das wäre für den freien Unternehmer unvorstellbar. Er selbst habe zwar auch immer sechs Tage die Woche gearbeitet. „Aber ich hatte immer großartige Mitarbeiter“, sagt er. Ohne die wäre das nicht gegangen. Doch die Branche habe sich zum Negativen gewandelt. Deswegen lautet sein Rat: „Ergreifen sie bloß nicht diesen Beruf.“

    Mehr: EnBW verspricht 10.000 Schnellladepunkte für Elektroautos

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