Aldi-Erbin im Achenbach-Prozess „Wir wollten keinen Albrecht-Aufschlag zahlen“

Finale im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach: Als Zeugin erscheint die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht. Sie hatte Achenbach vor Gericht gebracht. In die Details war sie aber nicht eingeweiht.
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Achenbach-Prozess: Die als Zeugin geladene Babette Albrecht kommt im Landgericht in Essen an. Die Witwe des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht sagt gegen den angeklagten Kunstberater Helge Achenbach aus. Quelle: dpa

Achenbach-Prozess: Die als Zeugin geladene Babette Albrecht kommt im Landgericht in Essen an. Die Witwe des 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht sagt gegen den angeklagten Kunstberater Helge Achenbach aus.

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EssenKirchner, Gerhard Richter und Picasso - im Betrugsprozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach hat die Witwe des Aldi-Erben Berthold Albrecht einen Einblick in das Millionengeschäft mit Kunst gegeben. Unter großem Medienandrang sagte Babette Albrecht, die einst gut befreundet mit dem angeklagten Achenbach war, am Montag vor dem Landgericht Essen aus.

Die Aldi-Familie, die zu den reichsten Familien Deutschlands zählt, gilt als äußerst verschwiegen und zurückgezogen. Und nach eigenen Angaben war die Milliardärs-Witwe in Details nicht eingeweiht. Die Staatsanwaltschaft wirft Achenbach vor, den 2012 gestorbenen Berthold Albrecht bei Kunst- und Oldtimerverkäufen um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben.

Die Chromjuwelen der Aldi-Erben
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Helge Achenbach, hier eine Archivaufnahme mit seinem Bentley S1, beriet unter anderem den 2012 verstorbenen Unternehmer Berthold Albrecht (Aldi). Dabei soll er in berügerischer Absicht Einkaufspreise zu hoch angesetzt und Rechnungen falsch beziffert haben. Eine Schadenshöhe von rund 19 Millionen steht im Raum, um die sich die Witwe von Berthold Albrecht, Babette Albrecht, mit Achenbach vor Gericht streitet.

Foto: Andreas Endermann/dpa

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Wie "Bild" berichtete, brachte ein Jaguar E-Type die Affäre ins Rollen. Insgesamt soll Achenbach den Albrechts zehn Oldtimer beschafft haben. Bei dem Kult-Roadster aus den 60er-Jahren soll der von Achenbach berechnete Preis überhöht sein, weil Restaurierungsarbeiten z.B. an der Karosserie nicht in der Qualität wie von Achenbach angegeben durchgeführt worden waren. Gut erhaltene E-Types früher Baureihen werden heute kaum unter 100.000 Euro gehandelt.

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Als „Leckerbissen der damaligen Zeit“ bezeichnete ein Zeuge im Achenbach-Prozess die restaurierten Fahrzeuge, die der angeklagte Helge Achenbach für Aldi-Erbe Berthold Albrecht auftrieb. Sieben alte Fahrzeuge, zumeist Mercedes, ließ Albrecht von Achenbach bei einem süddeutschen Restaurationsbetrieb kaufen. Diese waren aber nicht Gegenstand des Strafprozesses gegen Achenbach vor dem Essener Landgericht.

Die Anklage wirft Achenbach vor, den Milliardär bei 14 Kunstverkäufen und neun Oldtimergeschäften um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben. Achenbach hatte zugegeben, beim Verkauf von Kunst unberechtigte Aufschläge vorgenommen und Rechnungen manipuliert zu haben. Bei den Oldtimer-Verkäufen habe er Albrecht jedoch nicht getäuscht ...

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Laut dem Zeugen war Albrecht seinem Freund Achenbach so dankbar für die Oldtimer-Dienste, dass er ihm ein altes Auto schenkte. Ein 150.000 Euro teures Mercedes 300 B Cabrio habe der Aldi-Erbe bei ihm gekauft, „damit Achenbach gemeinsam mit ihm in die Schweiz fahren konnte“, sagte der Restaurator im Prozess.

Bei den Oldtimer-Verkäufen habe er Albrecht über die Preisaufschläge vorab informiert, sagt Achenbach, der seit Juni 2014 in Untersuchungshaft sitzt. Seine Firmen sind inzwischen insolvent. Seine Kunstsammlung soll demnächst versteigert werden.

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Bei Kienle Automobiltechnik in Heimerdingen kaufte Achenbach für Albrecht ein exklusives Einzelstück: einen Mercedes 380 K von 1934, das erste Cabriolet der Welt mit einem klappbaren Blechdach. Das Auto war von Mercedes als Versuchsfahrzeug gebaut worden, mit einer speziellen Dachkonstruktion und einem besonderen Motor. Man einigte sich auf rund eine Million Euro.

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Mithilfe von Achenbach und der Beratung unter anderem durch Florian Zimmermann, den früheren Leiter des Mercedes-Benz Classic Centers in Fellbach bei Stuttgart, erwarb Achenbach nach dem Mercedes 380 K für Albrecht auch noch einen 86 Jahre alten Mercedes 680 S Roadster mit einem avantgardistischen Aufbau des französischen Karossiers Saoutchik. Ein ähnliches Fahrzeug wurde 2013 für umgerechnet knapp 6,2 Millionen Euro versteigert.

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Zudem kaufte Albrecht für angeblich 9,6 Millionen Euro einen Ferrari-Rennwagen vom Typ 121 LM aus dem Jahr 1955, hübsch anzusehen, aber schwer zu bändigen und meist auch sehr unzuverlässig. Die Fahrzeuge wurden vom Werk früher unter anderem beim heutigen Oldtimer-Rennen Mille Miglia und bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt.

Babette Albrecht (54) hatte nach dem Tod ihres Mannes die Rechnungen prüfen lassen. Eine Strafanzeige der Familie Albrecht hatte die Ermittlungen gegen den bekanntesten Kunstberater Deutschlands in Gang gebracht. Die Geschäftsbeziehung sei auf „Vertrauensbasis“ gelaufen, sagte Babette Albrecht. Es habe keinen schriftlichen Vertrag mit Achenbach gegeben.

Mündlich vereinbart worden sei eine fünfprozentige Provision, sagte die 54-Jährige. „Das heißt, das war kein Freundschaftsdeal, sondern schon Geschäft.“ Sie sei aber nicht in die Preisvereinbarungen zwischen Berthold Albrecht und Achenbach einbezogen gewesen. Ihr verstorbener Mann habe die Rechnungen immer selbst bezahlt.

Insgesamt hatte Achenbach 28 hochkarätige Kunstwerke innerhalb von knapp zweieinhalb Jahren an Albrecht verkauft, unter anderem Bilder von Kokoschka, Kirchner, Picasso und Gerhard Richter. In 14 Fällen soll Achenbach laut Anklage nicht abgesprochene Preisaufschläge vorgenommen haben.

Achenbach sollte als Berater und Fachmann „den bestmöglichen Preis ergattern“, sagte Babette Albrecht. „Wir wollten doch keinen Albrecht-Aufschlag zahlen.“ Achenbach sitzt seit Juni 2014 in Untersuchungshaft. Er hatte in einem Teilgeständnis eingeräumt, teilweise „unberechtigte Aufschläge“ bei den Kunstverkäufen an seinen Duzfreund Albrecht vorgenommen und Rechnungen eigenhändig manipuliert zu haben. Bei den Oldtimergeschäften will er Albrecht über die Millionenaufschläge vorab informiert haben.

„So entwickelte sich eine ganz nette Freundschaft“
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