Artensterben Das letzte männliche Breitmaulnashorn ist tot

Sudan, das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, ist tot. Eine kleine Hoffnung für das Überleben seiner Unterart gibt es aber noch.
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Das Nördliche Breitmaulnashorn wurde 45 Jahre alt. Quelle: AP
Sudan

Das Nördliche Breitmaulnashorn wurde 45 Jahre alt.

(Foto: AP)

NanyukiDas letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn der Welt ist tot. Der 45 Jahre alte Sudan habe zuletzt altersbedingt stark gelitten – daher hätten die Tierärzte die Entscheidung getroffen, ihn am Montag einzuschläfern, teilte das Wildtierreservat Ol Pejeta in Kenia am Dienstag mit.

„Er war ein großartiger Botschafter für seine Art“, sagte Richard Vigne, Leiter des Wildtierreservats nördlich von Nairobi, über das berühmte Tier. „Eines Tages wird sein Tod hoffentlich als wegweisender Moment für Naturschützer weltweit gesehen werden.“

Nach Sudans Tod gibt es weltweit nur noch zwei Tiere dieser Unterart des Breitmaulnashorns, Sudans Tochter und Enkelin. Mithilfe künstlicher Reproduktion versuchen Wissenschaftler, unter anderem am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), den Fortbestand zu sichern. Eizellen der beiden Weibchen sollen mit vor längerer Zeit gewonnenen und eingelagerten Spermien verschmolzen werden. Dies wurde Ol Pejeta zufolge noch nie zuvor mit Nashörnern versucht.

Bei Aussterben droht Chaos
Schwindende Artenvielfalt
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Säugetiere, Fische, Vögel, Würmer, Käfer, Algen, Pilze, Pflanzen - es gibt Millionen Arten auf der Welt. Doch die Vielfalt ist vielerorts bedroht – durch den Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wilderei oder die Vernichtung von Lebensraum zum Beispiel. Seit 1970 sind die Wirbeltierbestände nach einer Untersuchung der Umweltstiftung WWF um 58 Prozent zurückgegangen.

Bedrohte Art
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Einige Tierarten haben besondere Funktionen in ihrem Lebensraum – und ihr Verlust hätte besonders verheerende Konsequenzen. Hier eine Auswahl von Tieren, die auf der Roten Liste stehen.

Indischer Geier (Gyps indicus)
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Geier säubern die Welt von Tierkadavern. Durch ihren Schwund verrotten in Indien mehr Kadaver an der Luft und verseuchen zum Beispiel Trinkwasser. Mehr noch: Durch das Verschwinden der Geier wächst die Zahl der wilden Hunde in Indien, die etwa auch Tollwut übertragen. Status Rote Liste: vom Aussterben bedroht. (IUCN/dpa)

Crau-Schrecke (Prionotropis rhodanica)
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Diese Heuschreckenart kommt ausschließlich in der Crau-Steinsteppe in Frankreich vor und ist dort als größte vorhandene Art überlebenswichtiges Nahrungsmittel für viele bedrohte Vögel. Status Rote Liste: vom Aussterben bedroht. (Axel Hochkirch/dpa)

Flachland-Tapir (Tapirus terrestris)
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Die Tiere mit dem markanten Rüssel leben in tropischen Wäldern und fressen dort vor allem Blätter, Obst und Knospen. Durch ihren Magen geschleust keimen viele Samen besser, mit der Ausscheidung über den Kot sorgen die Tiere in ihrem großen Lebensraum zudem für die Verbreitung der Samen. Tapire gelten deshalb als „Gärtner des Waldes“ oder „Ökoingenieure“. Status Rote Liste: verletzlich.

Seeotter (Enhydra lutris)
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Die intelligenten Raubtiere leben in Küstennähe vor Alaska und der nordamerikanischen Pazifikküste und stehen dort auf der obersten Stufe der Nahrungskette. Das heißt, sie kontrollieren die Bestände anderer Nahrungssucher, etwa der Seeigel. Die Seeigel wiederum fressen den Seetang, den zahlreiche Fischarten als Spielwiese für ihre Jungen brauchen. Seetang bindet zudem Unmengen klimaschädliches CO2 und schützt Küsten vor Stürmen. Status Rote Liste: stark gefährdet. (Nicole Duplaix/IUCN/dpa)

Tiger (Panthera tigris)
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Was der Seeotter vor der Küste, ist der Tiger in seinem Lebensraum: mächtigstes Raubtier. Er reduziert die Zahl der Pflanzenfresser und sorgt dafür, dass Pflanzen in Ruhe nachwachsen können. Gesunde Wälder wiederum sind unter anderem für den Wasserkreislauf wichtig. Status Rote Liste: stark gefährdet.

„Sudans Tod ist ein trauriger Weckruf, dass wir die biologische Vielfalt unserer Erde in rasantem Tempo verlieren“, sagte Katharina Trump, Expertin für Wildartenkriminalität beim WWF Deutschland. „Aus eigener Kraft kann sich diese Nashornunterart nicht mehr retten.“

Die künstliche Reproduktion könnte Ol Pejeta bis zu neun Millionen Dollar (7,3 Millionen Euro) kosten. Um Geld zu sammeln hatte sich das Wildtierreservat unter anderem mit der Dating-App Tinder zusammengetan: Sudan bekam ein Profil, das weltweit von Nutzern der App zu sehen war und zu einer Spenden-Webseite führte. Insgesamt konnte Ol Pejeta bislang etwa 250.000 Dollar (203.000 Euro) sammeln. Das Reservat rief auch nach Sudans Tod erneut zu Spenden auf.

Sudan wurde 1973 im heutigen Südsudan, damals noch Sudan, geboren. Er wurde gefangen genommen und zusammen mit weiteren Nashörnern in einen Zoo in Tschechien gebracht. Als jegliche Versuche der Fortpflanzung scheiterten, wurden vier der Nördlichen Breitmaulnashörner, darunter Sudan, 2009 nach Ol Pejeta gebracht. Doch auch hier klappte die natürliche Reproduktion nicht.

Das Nördliche Breitmaulnashorn lebte einst in Zentral- und Ostafrika. 1960 gab es der Naturschutzunion IUCN zufolge noch 2360 der Tiere in der freien Wildbahn. Doch Nashörner werden vor allem wegen ihrer Hörner gejagt, das pulverisierte Horn gilt in vielen asiatischen Ländern als Medizin. Seit 2008 gilt das Nördliche Breitmaulnashorn Experten zufolge als ausgestorben in der freien Wildbahn.

Vom Südlichen Breitmaulnashorn gibt es dank intensivem Tierschutz im südlichen Afrika heute mehr als 20.000 Exemplare. Doch auch andere Arten sind vom Aussterben bedroht. Vom Java- und Sumatra-Nashorn etwa gibt es dem WWF zufolge jeweils nicht einmal mehr 100 Tiere.

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  • dpa
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