Auftakt in Rio de Janeiro Teurer Samba-Karneval

Glitzernde Pailletten, heiße Rhythmen, knappe Outfits – und viel Geld: Der Karneval in Brasilien kostet Unsummen. Ohne Zuschüsse von großen Konzernen wie BASF wären die Paraden der Sambaschulen kaum zu finanzieren.
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Heiße Nächte in Rio
huGO-BildID: 35650225 Topless dancers perform during a street parade of Banda da Rua do Mercado in Rio de Janeiro, Brazil, on Februrary 27, 2014. Rio
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Samba, Sonne, Karneval: In der Stadt am Zuckerhut herrscht Ausnahmezustand. In Scharen strömen die Narren zu den „Blocos“, der brasilianischen Samba-Variante der Stadtviertelzüge. Nicht Schal, Mütze und Handschuhe sind in Rios heißem Sommer angesagt, sondern Badehose, Bikini und Sonnencreme. „Só Alegria“ (Nur Freude) heißt der Schlachtruf des Narren-Volkes, das von „König Momo“, dem Karnevals-Regenten, durch die tollen Tage geführt wird. Mit nackten, bemalten Oberkörpern feiern diese Frauen bei der Straßenparade auf der Banda da Rua do Mercado in Rio de Janeiro.

Revellers kiss as they take part in the annual block party known as "Ceu na Terra" (or Sky on Earth), in Rio de Janeiro
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Kurze Pause vom Feiern: Küssende Nachtschwärmer am Rande einer Karnevalparty „Ceu na Terra“ (Himmel auf der Erde) in einem der Stadtviertel von Rio de Janeiro.

Revellers enjoy the annual block party known as "Ceu na Terra" (or Sky on Earth), in Rio de Janeiro
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Von wegen nur tanzen: Party heißt in Rio auch Seilchenspringen im kleinen Schwarzen.

huGO-BildID: 35650227 Topless dancers perform during a street parade of Banda da Rua do Mercado in Rio de Janeiro, Brazil, on Februrary 27, 2014. Rio
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Glitzerfarbe statt Stoff tragen auch diese Tänzerinnen oben bei der Feier in ihrem Stadtviertel der brasilianischen Metropole.

huGO-BildID: 35664920 A man, in a leash, kisses a reveler at the Carmelitas block party during Carnival celebrations in Rio de Janeiro, Brazil, Frida
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Es gibt kein Entkommen im brasilianischen Karneval: Dieser Mann, gefesselt und an der Leine, küsst eine der feiernden Frauen.

huGO-BildID: 35650229 Brazilian film-maker Ana Paulo Goncalves poses in topless with a man during a street parade of Banda da Rua do Mercado in Rio d
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Auch die brasilianische Filmemacherin Ana Paula Goncalves zeigte sich auf der Straßenparade oben ohne. Der Höhepunkt des Karnevals in Rio ist das Defilee der zwölf besten Sambaschulen, die in zwei Etappen durch das 1984 nach Plänen von Oscar Niemeyer (1907-2012) erbaute Tribünenstadion Sambódromo ziehen. Jede Schule hat zwischen 65 und 82 Minuten Zeit, ihr Thema auf der rund 750 Meter langen Strecke vor etwa 80 000 Zuschauern möglichst überzeugend zu präsentieren. Monatelang proben Tänzer und Trommler für die Auftritte in beiden Nächten zum Rosenmontag und zum Karnevalsdienstag.

huGO-BildID: 35646219 Topless dancers wait for a moment during a street parade of Banda da Rua do Mercado in Rio de Janeiro, Brazil, on Februrary 27,
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Erfindungsreichtum bei dieser Art von ungewöhnlichem Kostüm bevor die ganz farbenprächtigen Verkleidungen der Sambaschulen präsentiert werden. Jede Schule zieht im Durchschnitt mit bis zu 5000 fantasievoll kostümierten Teilnehmern, eigens komponierten Samba-Songs und riesigen Motiv-Wagen an Zuschauern und Juroren vorbei. „Unidos da Tijuca“ thematisiert in diesem Jahr unter dem Motto „Acelera, Tijuca“ (Gib' Gas Tijuca) das Leben des legendären brasilianischen Formel-1-Piloten Ayrton Senna (1960-1994). Vorjahressieger „Vila Isabel“ zeigt die Vielfalt des naturreichen Brasiliens. Das legendäre Sambódromo feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag.

Sie sitzen vor ihren Häusern aus Wellblech und Palmwedeln. Kinder spielen im Müll. Es existieren weder befestigte Straßen noch ein Abwassersystem. Tausend Favelas gibt es allein in Rio de Janeiro. Bis zum Start der Fußballweltmeisterschaft im Sommer investiert die Stadt viel Geld, um die Armenviertel zu „verschönern“. Befriedungspolizisten sollen sie sicherer machen, die Infrastruktur soll verbessert werden.

Szenenwechsel. Federn, Pailletten, schwitzende Körper. Acht passend zum Motto gestaltete Paradewagen legen die 800 Meter im Sambódromo in 80 Minuten zurück. Die Unidos da Tijuca gehört zu den zwölf besten Sambaschulen, die während des Karnevals in der Special Group gegeneinander antreten und um ihr Prestige kämpfen. Am heutigen Freitag beginnt die spektakulärste Karnevalssause der Welt. Bis zum 5. März feiert ganz Rio – und die Welt feiert mit. In diesem Jahr soll die Millionen-Marke an Gästen geknackt werden.

Der Auftritt in der Parade kostete die Sambaschule im vergangenen Jahr mehr als dreieinhalb Millionen Euro. Doch die Protagonisten bleiben die gleichen: die Mehrzahl, der Mitglieder in den Sambaschulen, stammt aus den Favelas. Wie passt das zusammen?

In den Anfängen des Karnevals war es üblich, dass sich die Reichen als Bürgerliche und die Armen als Prinzen und Prinzessinnen verkleideten. Die sozialen Rollen wurden getauscht. Auch heute noch ist der Karneval für die Favela-Bewohner die Zeit, in der sie ihr schwieriges Leben vergessen und feiern als gäbe es kein Morgen.

Deutlich werden die monetären Dimensionen der Sambaparade beim Blick auf die Anzahl der Mitwirkenden. Zwischen drei- und fünftausend Tänzer sowie dreihundert Trommler pro Sambagruppe defilieren jedes Jahr an 80.000 Zuschauern vorbei.

Millionen Zuschauer sehen die Parade im Fernsehen. Vor dem großen Tag werkeln zweihundert Arbeiter monatelang an den Paradewagen. Choreografen inszenieren die Tanzshow und Komponisten schreiben Sambalieder. Hunderte Frauen nähen die aufwändigen Kostüme. Allein das Material kostet Unsummen. Dazu kommt noch der Lohn für die professionellen Tänzer, Choreografen, Kostümdesigner und Komponisten.

Pyrotechnik und Illuminationen sind in den letzten Jahren als Spezialeffekte dazugekommen.
In der Samba City sind die Hallen untergebracht, in denen die Mottowagen immer weiter in den Nachthimmel wachsen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Fernsehrechte und Eintrittskarten reichen den Sambaschulen schon lange nicht mehr.

Trotz Zuschüssen von der Stadtverwaltung können sie nicht mehr auf Sponsorengelder verzichten. Vorher, so wird vermutet, finanzierten vor allem Verbrecherbanden, die ihr Geld mit dem Wettspiel jogo do bicho machen, die Schulen. Sponsoren statt Gangster. Auf den ersten Blick ein guter Tausch.

Stippeföttche kontra Hüftschwung
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