Australien Warme Tränen und flammende Ignoranz

Australien im Ausnahmezustand: Rund um den Großraum Sydney werden ständig neue Brände gemeldet. Der Chef der Feuerwehr kämpft mit den Tränen und der australische Premierminister Tony Abbot leugnet den Klimawandel.  
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Tobende Buschfeuer westlich von Sydney. Tausend Hektar Land sind bereits verbrannt. Quelle: dpa

Tobende Buschfeuer westlich von Sydney. Tausend Hektar Land sind bereits verbrannt.

(Foto: dpa)

SydneyShane Fitzsimmons kämpfte mit den Tränen, als er sich vor laufenden Kameras dafür entschuldigte, dass seine Männer nicht alle Häuser vor den tobenden Buschfeuern der vergangenen Tage retten konnten. Der Chef des Rural Fire Services (RFS) im Bundesstaat New South Wales an der australischen Ostküste und sein Team kämpfen derzeit gegen 65 Feuer, die rund um den Großraum Sydney brennen, 24 davon entziehen sich bislang ihren Versuchen, sie unter Kontrolle zu kriegen. Gerade haben sie wieder zwei neue Flammenherde gemeldet.

Schon über 200 Familien haben ihr Heim an die Flammen verloren, tausende Hektar Land sind verbrannt. Wer wie ich hier lebt und ein australisches Buschfeuer mit eigenen Augen gesehen hat, kann Fitzsimmons' Entschuldigung dennoch nicht nachvollziehen, kämpfen die Feuerwehrleute doch gegen eine Übermacht.

Die Eukalyptusbäume, die Australiens Landschaft dominieren, sind voller ätherischer Öle und entflammen anders als europäische oder nordamerikanische Pflanzen: Sie entzünden sich nicht, sie explodieren wie Fackeln und produzieren dabei oft 40 Meter hohe Flammenwände und enorme Temperaturen, die alles zum Schmelzen bringen. Gegen diese Naturgewalt anzutreten, um anderer Leute Besitz zu schützen, ist schlicht heroisch.

Ein solches Arbeitsethos würde sich der Bürger auch vom neuen australischen Premierminister Tony Abbott wünschen. In Sachen Brandschutz kann sich der Konservative zwar nichts vorwerfen, hat er doch in den vergangenen Tagen 14 Stunden lang als freiwilliger Feuerwehrmann gedient. Fraglich ist allerdings, ob sich der Führer des Landes nur für das Wohl eines Vororts engagieren sollte oder ob es nicht eigentlich sein Job wäre, Schaden vom ganzen Land abzuwenden. Da wäre es zielführender, die Existenz des Klimawandels anzuerkennen. Die „sogenannte Wissenschaft“ zur menschengemachten Klimaerwärmung hält Abbott jedoch für „Mist“ – was er schon in den ersten drei Wochen seiner Amtsführung unter Beweis stellte, indem er die von der sozialdemokratischen Vorgängerregierung eingeführte Abgabe auf CO2-Emissionen prompt wieder abschaffte.

Als die Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, Christiana Figueres, dann prompt auf einen Zusammenhang zwischen Buschfeuer und Erderwärmung hinwies, ließ Abbott vernehmen, die Dame habe ihre Meinung wohl „aus dem Hut gezogen“. Buschfeuer seien ganz einfach Teil des Lebens in Australien.

Glühend heißer Sommer steht bevor

Das hat Figueres auch keineswegs in Abrede gestellt. Australien ist nach der Antarktis der zweittrockenste Kontinent der Erde und brennt seit tausenden von Jahren immer wieder. Sogar so regelmäßig, dass viele einheimische Pflanzen die Hitze eines Feuers sogar brauchen, damit ihre Samenkapsel überhaupt aufspringen. Tatsächlich hat die UN-Beamtin gesagt, dass der Klimawandel sowohl die Häufigkeit der Buschfeuer ebenso wie ihre Heftigkeit beeinflusst.

Und damit könnte sie recht haben. Der Kontinent hat gerade den wärmsten Winter seit Menschengedenken hinter sich. Im September hat es in den Blue Mountains, wo jetzt die schlimmsten Feuer toben, nur rund einen Millimeter Regen gegeben. Eigentlich steht im Frühling – der Oktober auf der Südhalbkugel entspricht dem April auf der Nordhälfte – das so genannte „Back Burning“ im Kalender. Das bedeutet, dass der Rural Fire Service selber kleine, kontrollierte Feuer legt, um das trockene Unterholz zu vernichten und so Großfeuer zu vermeiden.

Eines der größten Feuer in der Nähe von Lithgow hat die Armee versehentlich bei Schießübungen ausgelöst, aber dass es völlig außer Kontrolle gerade ist, hat auch damit zu tun, dass das Thermometer dort schon im Oktober 35 Grad Celsius anzeigt, statt wie im Langfristdurchschnitt um die 20 Grad.

Flammen von diesem Ausmaß hat das Land seit vielen Dekaden nicht mehr erlebt. Und noch nie hat es so früh im Jahr so schwer gebrannt. Die Sorgen in Sydney und im ganzen Land richten sich nun auf die kommenden Monate. Denn die heiße Jahreszeit beginnt normalerweise erst Anfang Dezember. Wie es aussieht, steht uns ein glühend heißer Sommer bevor und so gesehen ist es dann doch nachvollziehbar, dass Chef-Feuerwehrmann Fitzsimmons Tränen in den Augen hat. 

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2 Kommentare zu "Australien: Warme Tränen und flammende Ignoranz"

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  • Es gibt auch keinen menschengemachten CO2-Klimawandel!
    CO2 ist und bleibt ein lebenswichtiges Pflanzendünger Gas. OHNE CO2 würde es uns Menschen (Sauerstoff) nicht geben!
    Die Sonne und die Planetenstellung der Erde zur Sonne sind für den Klimawandel auf der Erde verantwortlich!

  • Da können sich die Australier ja freuen, dass ihr Premierminister Tony Abbot seinen Kopf nicht nur zum Haareschneiden benutzt oder?
    Aber deshalb haben sie ihn ja auch gewählt oder?
    Weil sies einfach satt haben solche LÖügen wie in diesem Artikel sich wieder und wieder anzuhören oder?
    Einziges Ziel dieser Ideologie ist die Versklavung der Völker Weltweit!

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