Besuch in Sarajevo Papst warnt vor dem dritten Weltkrieg

20 Jahre sind nach dem Krieg in Bosnien vergangen. Doch das Land ist weiter tief gespalten. Ein Besuch des Papstes in Sarajevo soll Hoffnung machen. Bei der Messe fordert Franziskus: Nie wieder Krieg.
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„Sarajevo wurde das Jerusalem des Westens genannt.“ Quelle: dpa
Papst Franziskus

„Sarajevo wurde das Jerusalem des Westens genannt.“

(Foto: dpa)

SarajevoPapst Franziskus hat bei seinem Besuch in Sarajevo vor einem neuen Weltkrieg gewarnt und zu Frieden und Aussöhnung zwischen den Religionen aufgerufen. „Auch in unserer Zeit kollidieren das Streben nach Frieden und der Einsatz, ihn aufzurichten, mit der Tatsache, dass in der Welt zahlreiche bewaffnete Konflikte im Gang sind. Es ist eine Art dritter Weltkrieg, der stückweise geführt wird, und im Bereich der globalen Kommunikation nimmt man ein Klima des Krieges war“, sagte Franziskus bei der Messe im Olympiastadion am Samstag, zu der mehr als 60 000 Menschen in die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina gekommen waren.

Sarajevo war vor 20 Jahren Schauplatz des Krieges zwischen muslimischen Bosniern, orthodoxen Serben und katholischen Katholiken. Von 1992 bis 1995 kamen rund 100 000 Menschen um. Weite Teile der Stadt wurden zerstört. Das Land ist immer noch tief gespalten und hat große wirtschaftliche und soziale Probleme.

Krieg bedeute zerstörte Häuser, zerbrochene Leben, sagte der Papst. „Ihr kennt das zu gut, weil Ihr es gerade hier erlebt habt. ... Heute erhebt sich noch einmal aus dieser Stadt der Schrei des Volkes Gottes und aller Männer und Frauen guten Willens: Nie wieder Krieg!“

Auf ein Gespräch mit Franziskus
Sie kommt
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Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Samstagmorgen im Vatikan erschienen: Papst Franziskus empfing die deutsche Regierungschefin dort zu einer Privataudienz. Nach dem rund 40 Minuten langen Audienz sagte Merkel: „Ich hatte die Freude, Papst Franziskus die Agenda der deutschen G7-Präsidentschaft vorzustellen.“

Guten Tag
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Papst Franziskus (l.) und Merkel schüttelten sich zur Begrüßung förmlich die Hände. Sie habe mit dem Papst auch über Frieden und kriegerische Auseinandersetzungen in der Ukraine gesprochen, sagte Merkel.

Er wartet schon
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Papst Franziskus wartete in Begleitung der Schweizer Garde auf die deutsche Kanzlerin. Zu den Themen des Gesprächs mit Merkel gehörten unter anderem Armutsbekämpfung mit dem Schwerpunkt Gesundheit. Auf der Agenda standen aber auch Themen wie die Rolle der Frau in Entwicklungsländern und Gleichberechtigung.

Im Gespräch
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Der Vatikan erklärte, bei dem Gespräch sei es auch um die Verpflichtung gegangen, „eine friedliche Lösung des Konfliktes in der Ukraine zu erreichen“. „Natürlich hat es mich gefreut, dass diese Agenda, die wir in den Mittelpunkt stellen, auch die Themen umfasst, die für Papst Franziskus und die katholische Kirche von Bedeutung sind“, sagte Merkel nach dem Treffen.

Man kennt sich
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Merkel (l.) und Papst Franziskus liefen auch durch eine Bibliothek des Vatikans. „Wie nicht anders zu erwarten, war es ein sehr bereicherndes Gespräch“, sagte die Kanzlerin.

Das zweite Mal
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Papst Franziskus (l.) und Merkel waren sich schon zuvor zwei Mal begegnet. Die protestantische CDU-Kanzlerin hatte am Samstag ihre zwei Privataudienz bei Papst Franziskus, hatte ihm zuvor aber schon bei seiner Amtseinführung im März 2013 kurz getroffen.

Rundgang
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Nach dem Treffen mit dem Papst wird Merkel ein Gespräch mit dem Kardinalstaatssekretär, Pietro Parolin, führen. Danach folgt ein Empfang im katholischen Kloster Sant'Egidio in Rom, zu dem die deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Merkels Parteikollegin Annette Schavan, geladen hat.

20 Jahre nach dem Krieg seien zwar Fortschritte in Bosnien-Herzegowina erzielt worden, sagte Franziskus bei seinem Empfang beim Staatspräsidium des Landes. „Es ist jedoch wichtig, sich nicht mit dem zufriedenzugeben, was bisher verwirklicht wurde.“ Sarajevo sei das „Jerusalem Europas“, sagte Franziskus, der nach seinen Worten als „Pilger des Friedens“ in die Hauptstadt des Balkanlandes gekommen war.

Die Politiker müssten die „ersten Diener ihrer Gemeinschaften sein“ und die Grundrechte des Menschen wahren, forderte das Oberhaupt der Katholiken. „Der Heilige Stuhl hofft sehr, dass Bosnien und Herzegowina mit dem Beitrag aller - nachdem die schwarzen Wolken des Sturmes endlich abgezogen sind - auf dem eingeschlagenen Weg fortschreiten kann, dass nach dem frostigen Winter der Frühling aufblühe.“

Die Muslime sind mit rund 50 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe des Landes, gefolgt von Orthodoxen und Katholiken. Deren Zahl hat sich seit dem Krieg ungefähr halbiert, Katholiken machen derzeit etwa 15 Prozent der Bevölkerung aus.

Bei der eintägigen Reise stand auch ein ökumenisches und interreligiöses Treffen mit Vertretern von Katholiken, Orthodoxen, Muslimen und der jüdischen Gemeinde an. Zum Abschluss seiner achten Auslandsreise wollte Franziskus auch ein Jugendzentrum in Sarajevo besuchen.

  • afp
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