Breivik-Berichterstattung Dem Grauen die Stirn bieten

Berichterstattung - ja, aber wie? Die Medien, natürlich auch wir bei Handelsblatt Online, stecken beim Prozess von Anders Breivik in einem Dilemma: Bieten wir womöglich dem Mörder ein Plenum? Eine Stellungnahme.
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Seite 1 oder nicht: Wie viel Aufmerksamkeit dürfen wir Journalisten Anders Breivik erlauben? Quelle: Reuters

Seite 1 oder nicht: Wie viel Aufmerksamkeit dürfen wir Journalisten Anders Breivik erlauben?

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEs ist ein Thema, bei dem die Umschreibung „es erhitzt die Gemüter“ zu kurz greift. Anders Behring Breivik hat gestanden, am 22. Juli vergangenen Jahres in Oslo und auf der Ferieninsel Utøya 77 Menschen getötet zu haben. Seine Gerichtsverhandlung nutzt er als Bühne für sich und seine rechtsextremen Ansichten. Der Sachverhalt löst eine ganz andere Debatte aus – die um die Verantwortung von uns Journalisten, die darüber berichten.

Es geht um den Konflikt zwischen einen möglichst lückenlosen Berichterstattung und der Instrumentalisierung durch einen Menschen, der 77 Tote auf seinem Gewissen hat. Muss darüber berichtet werden? Oder schaffen wir Journalisten einem geständigen Verbrecher damit nur ein Plenum für menschenverachtende Ansichten?

Wir bei Handelsblatt Online haben uns dafür entschieden, dass es ohne Berichterstattung nicht geht. Damit ist nicht die reißerische Präsentation jedes noch so kleinen Details gemeint. Es geht um die Informationspflicht, die es jedem, der uns liest, ermöglichen soll, sich ein eigenes Bild des Prozesses zu machen. Das ist, auch ohne pathetische Überhöhung die demokratische Pflicht der Presse. Pflicht es auch, die unwürdigen Äußerungen Breiviks als solche zu brandmarken. Und, ungeachtet dessen, wie häufig eine Geschichte gelesen wird, das Thema nicht zu übertreiben.

Wir werden also über den Prozess berichten – in maßvollem Rahmen, mit Bildern, die dokumentieren und teils verstören, aber keinesfalls verherrlichen. Urteilsverkündung und besonderes Vorkommnisse von generellem Interesse werden wir aber auch entsprechend prominent berichten.

Zwei Dinge dürfen keinesfalls geschehen: Dass aus Angst vor den Ansichten eines Extremisten die Berichterstattung zum Erliegen kommt, eine Selbstzensur erfolgt. Und dass ein Extremist unreflektiert eine Plattform für seine Inhalte bekommt.

Zuschriften der vergangenen Tage haben uns übrigens in unserem Kurs bestärkt.

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5 Kommentare zu "Breivik-Berichterstattung: Dem Grauen die Stirn bieten"

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  • Niemand verhöhnt die Opfer. Die Opfer wollen das Recht gesprochen wird und ansonsten in Ruhe gelassen werden. Wir zeigen dem Täter durch diesen Prozeß nur eins: Das wir als Gesellschaft besser sind, als er.

  • Da muss man wirklich Verständnis für aufbringen. So wie es die Vorkommentatoren hier tun. Mörder sind kranke Menschen. Und wenn man sie auch nicht heilen kann, dann sollte man sie nicht einfach so verurteilen. Die Opfer sind nämlich die waren Schuldigen und man sollte diese ruhig verhöhnen indem man Toleranz, für einen Mörder übrig hat.

    Wie leichtfertig doch Menschen, die weit weg von so einem Verbrechen leben, so eine Gefühlsduselei über ihre Lippen bringen. Hoffentlich trifft es nicht mal einen Angehörigen von diesen "Alle-Menschen-sind-lieb"-Schwachsinn verbreitenden. Dieser Typ hat alle Rechte auf Fairness verspielt. Ich schäme mich dafür, dass hier Menschen, die nicht im Ansatz das Ausmaß dieser Katastrophe und des Leids, das er verbreitet hat, fassen können, die Opfer und Angehörigen so verhöhnen dürfen. Sie sollten sich alle schämen. Schande über sie.

  • Sehe ich genau so! Es ist gut zu wissen, dass es in der deutschen Medienlandschaft noch Journalismus gibt, welcher sich nicht so sehr an den "modernen" Hetzkampagne beteiligen, welche ja schon fast etwas von der mittelalterlichen Hexenjagd haben... Es ist definitiv nicht die Aufgabe der Medien über gewisse Ereignisse/Vorfälle und ganz besonders nicht über andere Menschen zu Urteilen bzw VERurteilen! Was und vor allem wie in den letzten Monaten über Menschen berichtet wurde, macht mich eig. nur noch traurig... da ist es aber auch völlig egal ob es sich um Herrn Grass, Herrn Wulff,Herrn Strauss Kahn oder auch unserem "Irren von Teheran" Herrn Mahmud Ahmadinedschad dreht...und auch ein Herr Breiviks sollte nach dem Wesen der Menschenrechte(Universalität,Egalität,Unteilbarkeit) behandelt werden...

  • Liebe Handelsblatt-Redaktion,

    es ist sehr begrüßenswert, dass Sie Ihre Leserschaft in dieser Sache durch Meinungsumfrage direkt ansprechen und somit der ganzen Leserschaft die Möglichkeit geben, über eine und die Form Ihrer Berichterstattung Wünsche zu äußern.

    Meine persönliche Meinung: eine detaillierte Berichterstattung ist von Nöten, denn es nutzt ja nichts, vor der absurden Realität die Augen zu verschließen. Die Bürger müssen wissen und sich damit auseinandersetzen können, welche Umstände zu solch einer Tragödie führen können. Außerdem muss die Bevölkerung erfahren, wie juristisch mit dieser Tat umgegangen wird.

    Ein Abrutschen auf Bild-Niveau, wo Menschen diffamiert werden und eine Sensationsberichtersttung stattfindet, die widerum die Neugier des "Mobs" befriedigen würde, muss jedenfalls vermieden werden. Aber das liegt im Rahmen dessen, was eine seriöse Berichterstattung beinhaltet.

    Vielen Dank für Ihr Verantwortungsbewusstsein.

  • Für mich ist es wirklich unverständlich wieviel Zeit und Kosten in diesen Gerichtsprozess investiert werden, bei dem am Ende nur eine lapidare Strafe für den Täter herauskommt. Dieses ganze Spektakel dient dem Täter noch, um sich selbst in Szene zu setzen. Und warum ist das so? Weil die Gesetze und Strafen in solchen eindeutigen Fällen viel zu lasch sind. Da wird mit einem Massenmörder im Gericht nochmal alles durchgekaut, damit er sich nochmal schön an seinen Taten ergötzen kann. Was gibt es da noch zu diskutieren? Wozu noch die Zeitverschwendung? Die Tat geschah in aller Öffentlichkeit. Es gab unendlich viele Zeugen. Der Täter ist geständig. Es kann doch eh nur die Höchststrafe verhängt werden. Und diese Höchststrafe ist doch trotzdem viel zu gering.

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