Chaos, Kamelle und Frohsinn Der Straßenkarneval geht los

In vielen Regionen Deutschlands bricht wieder der karnevalistische Frohsinn aus. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gehören mittlerweile dazu wie Süßes. Es keimt aber eine erneute Diskussion um exzessive Saufgelage auf.
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Bewohner des Viertels um den Zülpicher Platz in Köln demonstrieren mit Plakaten gegen Exzesse beim Straßenkarneval. Quelle: dpa
Fünfte Jahreszeit

Bewohner des Viertels um den Zülpicher Platz in Köln demonstrieren mit Plakaten gegen Exzesse beim Straßenkarneval.

(Foto: dpa)

Köln/Düsseldorf/MainzHunderte Tonnen Süßigkeiten, Umzüge mit GroKo-Wagen und Gedränge in den Kneipen: Am Donnerstag beginnt in vielen Städten Deutschlands der Ausnahmezustand. Mit Weiberfastnacht brechen die tollen Tage an, die bis Aschermittwoch dauern. Wie schon im vergangenen Jahr gehören strenge Sicherheitsvorkehrungen zu dem Fest. Diskutiert wird in diesem Jahr noch mehr als sonst über die Exzesse, die die fünfte Jahreszeit begleiten: Saufgelage, Müll, Urin, Streit. Die Städte wollen sie 2018 möglichst gut in den Griff bekommen. Dass viele Menschen auf den Beinen sein werden, ist relativ wahrscheinlich.

An Weiberfastnacht erwarten Meteorologen frostiges, aber heiteres Wetter. Danach könnte es schlechter werden. In den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz werden Tausende Polizisten eingesetzt, um für Sicherheit zu sorgen. Bei einem Fastnachtsumzug in Eppingen nahe Heilbronn hatte es zuletzt bereits einen Unfall gegeben, bei dem eine Frau schwer verbrüht wurde. Als Hexen verkleidete Teilnehmer sollen sie über einen Kessel mit heißem Wasser gehoben haben. Die Kölner Polizei plant mit bis zu 1.600 Beamten. In Düsseldorf schützen an die tausend Polizisten den Rosenmontag. Eine ähnliche Größenordnung erreicht Mainz an diesem Tag.

Zudem gelten wieder Lastwagen-Fahrverbote. Terroranschläge wie in Nizza und Berlin sollen so verhindert werden. Laster wurden dabei als Waffen genutzt und in Menschenmengen gesteuert. Ein größeres Thema sind die traditionell im Karneval anzutreffenden Alkoholexzesse und ihre Folgen. Besonders in Köln hatte man mit Erschrecken beobachtet, wie die Zustände zum Karnevalsauftakt am 11. November – dem Elften Elften – aus dem Ruder liefen. Auch weil der Tag auf einen Samstag fiel, waren einige Viertel komplett überfüllt, Kostümierte pinkelten in großer Zahl an Häuser und hinterließen Müllberge. „Das hatte nichts mehr mit Karneval zu tun“, sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Köln will nun mehr Struktur in die Feier bringen. Rund 700 zusätzliche Möglichkeiten will die Millionenstadt schaffen, um auf das Klo zu gehen – 2017 waren es rund 80. „Wer nicht auf die Toilette geht, hat künftig keine Entschuldigung mehr. Keine“, gab der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung als Parole aus. Hinzu kommen mehr Zugangsbeschränkungen und erstmals ein Pfandsystem in der Altstadt. Auch gelten neue Regeln für Bierbuden. Es soll insgesamt weniger Orte geben, an denen abgesehen von Alkohol nicht viel geboten wird. Es ist sogar eine Studie geplant, um das Feierverhalten zu beleuchten.

Auch in Mainz bereitet das Thema Alkohol den Behörden verstärkt Sorgen – vor allem bei Jugendlichen. Polizisten sollen gezielt unterwegs sein, um Mädchen und Jungen auf ihren Alkoholkonsum anzusprechen. An Alkoholkontrollen beteiligt sich auch das Jugendamt. Sozialarbeiter sollen betrunkene Jugendliche betreuen und ihren Eltern übergeben. „Ich kann nicht verstehen, wenn sich junge Leute mit 13 oder 14 Jahren mit Wodka zulaufen lassen“, sagte der Sänger Sven Hieronymus. „Wir kotzen die Stadt voll, aber dann wird gegen Flüchtlinge gehetzt, dass sie sich nicht an unsere Kultur anpassen.“

Politisch haben die Karnevalisten an Rosenmontag bei den diesjährigen Umzügen die Qual der Wahl - es gibt massig Themen, die man bissig kommentieren könnte. Viel Platz wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Regierungsbildung rund um die GroKo (große Koalition) in Berlin eingeräumt. Sowohl in Köln als auch in Mainz wird die Regierungschefin gleich mehrfach als Karikatur zu sehen sein – unter anderem als alte Schildkröte. Sie findet sich zwischen US-Präsident Donald Trump als Walze und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beim Tanz mit einer Atomrakete wieder.

In Düsseldorf wird um die genauen Motive bis zuletzt ein Geheimnis gemacht. Mit einem eigenen Wagen erstmals dabei ist in diesem Jahr die jüdische Gemeinde. Ziemlich sicher ist, dass sich nicht nur die Politiker, sondern auch die Karnevalisten warm anziehen sollten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt für Weiberfastnacht Temperaturen rund um den Gefrierpunkt voraus. „Schön dick anziehen“, empfahl eine DWD-Sprecherin. Aber: Es wird wohl zunächst trocken bleiben.

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  • dpa
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