Die Katastrophe im Video Strahlung, Angst und explosive Stimmung

Nach einer weiteren Explosion im Kernkraftwerk Fukushima I spitzt sich die Lage in Japan dramatisch zu. Vielerorts kam es nach Hamsterkäufen zu Lieferengpässen. Derweil steigt die Wut der Bevölkerung auf die Regierung.
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TokioIn der Nacht zu Dienstag hat sich die ohnehin dramatische Lage um das japanische Kernkraftwerk Fukushima I weiter verschärft. Nachdem es am Wochenende bereits in zwei der sechs Reaktoren zu Explosionen gekommen war, kam es am Dienstagmorgen gegen 6 Uhr japanischer Zeit auch in Reaktor 2 zu einem Zwischenfall. Dabei wurde laut Regierungsangaben offenbar auch die innere Reaktorschutzhülle beschädigt.

In einem Lager in Reaktor 4, in dem sich ein Abklingbecken für ausgebrannte Brennstäbe befindet, hat es zudem einen Brand gegeben, der inzwischen jedoch wieder gelöscht werden konnte.

Das Video: Zu sehen ist eine Aufnahme der jüngsten Explosion vom Dienstagmorgen in Reaktor 2, die durch eine zu hohe Druckbelastung nach Ausfall des Kühlsystems ausgelöst wurde. Dabei kam es erstmals auch zu Schäden an der inneren Reaktorschutzhülle. Die Strahlenbelastung am Kraftwerk stieg nach Angaben des Betreibers nach der erneuten Explosion auf 8217 Mikrosievert pro Stunde.

Regierung räumt Reaktorleck ein

Die japanische Regierung und der Betreiber des Unglückskraftwerks Fukushima, Tepco, bislang stets um Besonnenheit bemüht, räumten am Dienstag erstmals ein Strahlungsleck am Reaktor 2 und eine erhöhte Gefahr für die Gesundheit durch möglichen Fallout ein.

In der Bevölkerung wird derweil die Kritik an Tepco und der Regierung von Premierminister Naoto Kan immer lauter. Nicht nur die Menschen vor Ort, auch ausländische Regierungen werfen dem Kraftwerksbetreiber und den Behörden mangelnde Transparenz und eine verfehlte Informationspolitik vor.

Das Video: Der Clip zeigt einen Ausschnitt der Rede von Premierminister Naoto Kan nach der dritten Explosion. Darin räumt er die Gefahr einer weiteren Erhöhung der Strahlenbelastung ein und fordert die Bevölkerung in einem Radius zwischen 20 und 30 Kilometern um das Kraftwerk herum auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Wut auf Behörden wächst

Vor allem in den evakuierten Gebieten um das Kraftwerk sind die Menschen stark verunsichert. Viele fürchten den unsichtbaren radioaktiven Fallout und werfen Regierung und Kraftwerksbetreibern vor, die Bevölkerung zu spät und unzureichend über die Risiken informiert zu haben. Vor allem in den Notunterkünften, in denen zahlreiche Evakuierte einquartiert wurden, wächst die Skepsis.

Das Video: In einer Notunterkunft ca. 50 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt steigen die Sorgen vor Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln und einer möglichen Strahlenbelastung. Eine ältere Frau bringt ihre Wut auf die Regierung zum Ausdruck, die ihrer Meinung nach zu spät mit der Evakuierung begonnen habe.

Hamsterkäufe sorgen für Engpässe

Durch die allgemeine Verunsicherung kommt es inzwischen in Tokio und anderen betroffenen Gebieten verstärkt zu Hamsterkäufen. Vor allem Radios, Taschenlampen, Kerzen und Gaskartuschen sind begehrt, wodurch in einigen Landesteilen bereits Lieferengpässe aufgetreten sind. Die Regierung hat zudem die Stromversorgung aus Angst vor Versorgungsausfällen gedrosselt

Damit gehen sogar im westlich gelegenen Hiroshima, das vom Erdbeben und dem Tsunami verschont blieb, in den Geschäften die Batterien aus. In den Medien wurden die Menschen aufgefordert, keine größeren Mengen Waren einzulagern.

Das Video: Viele Regale in den Supermärkten Tokios sind bereits leer, die großen Ketten beteiligen sich zudem an Nachschub- und Hilfslieferungen in die vom Tsunami und von der Verstrahlung besonders betroffenen Gebiete. Viele Ausländer verlassen unterdessen aus Angst vor dem atomaren GAU und Verunsicherung über die dürftigen Informationspolitik der Behörden das Land.

Norden teilweise ohne Strom, Angst vor Verstrahlung wächst

Um Stromausfälle zu vermeiden, hat die Regierung die Energieversorgung in einigen Gebieten zurückgefahren. Auch die japanische Eisenbahn hat die Anzahl der eingesetzten Züge reduziert, um somit zusätzliche Energie einzusparen. Die Energierationierungen sollen laut Behördenangaben noch mindestens bis Ende April andauern.

In Tokio wächst derweil die Angst vor der nuklearen Wolke immer weiter. Nach der Explosion am Dienstagmorgen drehte der Wind im Tagesverlauf Richtung Süden und weht damit die Strahlenwolke in Richtung der japanischen Hauptstadt. Einige Unternehmen denken daher bereits an eine Verlegung des Firmensitzes aus Tokio. Die Lufthansa hat unterdessen angekündigt, die Hauptstadt vorerst nicht mehr anzufliegen.

Das Video: Wirtschaftsminister Banri Kaieda bereitet die Bevölkerung auf Energieeinsparungen vor. Armee und zahlreiche Hilfskräfte untersuchen die Menschen in den von Verstrahlung betroffenen Gebieten mit Geigerzählern.

Im Ausland lebende Japaner bangen um Angehörige

Die dramatische Lage in Japan nach Erdbeben, Tsunami und Atomunfall versetzt auch viele der im Ausland lebenden Verwandten in Angst um ihre daheimgebliebenen Angehörigen. Inzwischen riefen mehrere Botschaften und internationale Konzerne ihre Beschäftigten dazu auf, die von Radioaktivität betroffenen Gebiete zu verlassen.

Zahlreiche Medien zogen ihre Reporter aus Tokio ab. Die Journalisten wichen vor der Gefahr einer atomaren Wolke ebenfalls auf Standorte im Süden des Landes aus oder reisten direkt zurück nach Deutschland. Mittlerweile hat das Auswärtige Amt eine Teil-Reisewarnung für Japans Nordosten herausgegeben, von nicht unbedingt nötigen Reisen nach Japan wird generell abgeraten.

Das Video: Angehörige aus Los Angeles berichten über die Schwierigkeiten, ihre betroffenen Verwandten in Sendai und anderen Gebieten zu erreichen. Einige der im Ausland lebenden Japaner haben zudem spontane Spendenaktionen gestartet.

Viele haben alles verloren

Die Katastrophe in Japan hat nicht nur das Land ins Chaos gestürzt, sondern auch Tausende Menschen ihrer gesamten Existenz beraubt. Besonders schlimm getroffen hat es die Einwohner der Küstenstädte im Nordosten des Landes, wo das Erdbeben und der Tsunami für die schlimmsten Zerstörungen gesorgt hatte.

Viele haben die Hoffnung, vermisste Familienangehörige und Freunde wiederzufinden, inzwischen aufgegeben. Selbst die Hilfsorganisationen sehen vier Tage nach dem Beben kaum noch Chancen, Überlebende zu bergen.

Das Video: Die Bilder zeigen den zerstörten Badeort Minami Sanriku. Seit Montag konnten die Rettungskräfte in den Trümmern keine Überlebenden mehr finden. An vielen Orten wurden unterdessen Listen von Vermissten ausgehängt, die den Angehörigen bei der Suche behilflich sein sollen.

Neue Amateurfilme zeigen Ausmaß des Schreckens

Inzwischen sind weitere Amateuraufnahmen aufgetaucht, die die ganze Zerstörungskraft des Tsunamis vom vergangenen Freitag dokumentieren. Viele Küstenorte wurde von den Flutwellen einfach komplett weggerissen, Hunderttausende sind seitdem obdachlos und mussten in Notunterkünften Zuflucht suchen.

Das Video: Ein Amateurfilmer hält das Geschehen mit seiner Kamera fest, während ein zehn Meter hoher Tsunami über den Badeort Minami Sanriku hinwegfegt. Im Hintergrund hört man das Entsetzen der übrigen Augenzeugen, die sich rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.

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