Drama am Everest Sherpas retten gestrandete Kletterer

Triumph und Tragödie liegen am Mount Everest oft nur knapp nebeneinander. Ein Bergsteiger aus Pakistan und sein Sherpa hätten ihren Gipfeltraum fast mit dem Leben bezahlt. Ihre Rettung verdanken sie dem Mut mehrerer Sherpas.
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Wo Berge zur tödlichen Gefahr werden
Steilwand
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Im vergangenen Jahr zählte der Deutsche Alpenverein (DAV) weltweit 884 Bergunfälle, wie er am Donnerstag in München mitteilte. Dabei kamen 45 Menschen ums Leben. Die meisten Unfälle ereigneten sich in Österreich und Deutschland. Damit stieg zwar die Zahl der Rettungseinsätze, nicht aber die der Toten und Verletzen in den Bergen.

Alarmierend sind nach DAV-Angaben die Notfälle bei der Trendsportart Klettersteiggehen. Seit 2002 habe sich die Meldequote verdreifacht. Meistens müssten die Betroffenen gerettet werden, weil sie nicht mehr vor und nicht mehr zurück kämen. Unfallgefährdet seien insbesondere unerfahrene Bergsportler. Mangelhafte Kondition und Selbstüberschätzung sei immer öfter der Grund für Notfälle. An der Ausrüstung mangele es hingegen nicht.

Der DAV erhebt seit 1952 Unfallzahlen. Die Statistik basiert auf Unfällen und Notfällen, die DAV-Mitglieder der Versicherung melden.

Fünf deutsche Bergsteiger in der Schweiz tödlich verunglückt
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Der Alpenverein stützt sich in seiner Statistik auf Unfallzahlen seiner Mitglieder. Deren Zahl steigt kontinuierlich, damit steigt auch die absolute Zahl der Unfälle. Beim Wandern als häufigster sportlicher Betätigung in den Bergen gibt es regelmäßig auch die meisten Unfälle - umgerechnet auf die Zahl der Wanderer ist es aber laut DAV die sicherste Sportart in den Bergen.

Wie beispielsweise am Lagginhorn in den Walliser Alpen (Foto) in der Schweiz: Beim schlimmsten Bergunfall in den Alpen seit Jahren waren Anfang Juli 2012 fünf deutsche Bergsteiger ums Leben gekommen. Sie stürzten am Lagginhorn im Wallis hunderte Meter tief in den Tod.

California teen scales 'The Seven Summitts of the World'
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Elbrus (5.642 m)

Der Elbrus ist der höchste Berg des Kaukasus und Russlands. Zwei deutsche Bergsteiger, die auf dem Berg Elbrus im Kaukasus als vermisst gemeldet wurden, sind heute lebend aufgefunden worden, wie der Zivilschutz RIA Novosti berichtet Am Mittwochabend war eine Mitteilung eingetroffen, wonach kein Kontakt zu zwei Bergsteigern aus Deutschland hergestellt werden konnte, die auf dem östlichen Abhang des Elbrus unterwegs waren, teilte ein Sprecher von RIA Novosti mit. Die Sportler hätten sich Mittwoch 19.30 Uhr Ortszeit (17.30 Uhr MESZ) melden sollen.

Die ursprünglich aus vier deutschen Bergsteigern und einem Bergführer bestehende Gruppe hatte bereits die Westspitze des Elbrus bezwungen. Zwei Sportler wollten allerdings auch den etwas niedrigeren Ostgipfel (5621 Meter) erklimmen, während die beiden anderen, vom Bergführer begleitet, den Abstieg begannen.

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Annapurna (8091 Meter), Nepal

Der Annapurna gilt als der am seltensten bestiegene Achttausender. Besonders aufgrund der extremen Lawinengefahr birgt der zehnthöchste Berg der Erde ein hohes Risiko für Kletterer. Seit seiner Erstbesteigung 1950 erreichten nur rund 150 Bergsteiger den Gipfel erreicht. Auch Young-Seok Park wollte eine neue Aufstiegs-Route an der Süd-West-Flanke probieren. Der Südkoreaner (47) gilt als bester Bergsteiger der Welt. Er und seine beiden Begleiter gerieten aber in einen Schneesturm und gelten seit dem 18. Oktober 2011 als vermisst. Rettungs-Teams entdeckten am Rand einer 40-Meter-Gletscherspalte Spuren einer Lawine, mussten die Suche aber abbrechen, weil es zu gefährlich wurde.

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Montblanc (4810 Meter), Frankreich/Italien

Mit knapp 5000 Metern ist der „Weiße Berg“ der König der Alpen. Am 7. August 1786 schafften Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard über die Nordflanke die Erstbesteigung des Gipfels.

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Seitdem hat die Besteigung des Mont Blanc einige Opfer gefordert. Im Juli 2012 kamen neun Menschen – darunter drei Deutsche - in einer Lawine ums Leben. Das Unglück hatte sich laut der Hochgebirgspolizei (PGHM) im französischen Chamonix am Mont Maudit ereignet, einem mehr als 4400 Meter hohen Berg der Montblanc-Gruppe. Er liegt für Bergsteiger auf dem Weg zum Montblanc.

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Matterhorn (4478 Meter), Schweiz

Die weiße Idylle täuscht. Das Matterhorn im Schweizer Kanton Wallis ist einer der höchsten Berge der Alpen und eine echte Herausforderung für jeden Bergsteiger. Seit 1857 versuchen Alpinisten den Gipfel zu erklimmen. Mehr als 450 von ihnen sind dabei ums Leben gekommen.

KathmanduAbdul Jabbar Bhatti und Dawa Sange Sherpa können wieder lächeln, wenn auch unter Schmerzen. Der 60-jährige Bergsteiger aus Pakistan und sein junger nepalesischer Sherpa haben am Mount Everest Erfrierungen erlitten. Ihre Finger sind schwarz und verkrümmt. Der 20-jährige Dawa Sange wird vermutlich alle verlieren.

Doch dass die beiden Kletterer überhaupt noch am Leben sind, gleicht einem Wunder. Bhatti und Dawa Sange hatten Ende Mai den höchsten Berg der Welt erklommen. Für beide war es das erste Mal auf dem 8848 Meter hohen Gipfel. Doch beim Abstieg, etwa hundert Meter unter dem Gipfel, ging ihnen der Sauerstoff aus. In dieser Höhenlage ist der Sauerstoffgehalt der Luft nur ein Drittel so hoch wie auf Meereshöhe. Bergsteiger müssen zusätzliche Sauerstoffkanister mitnehmen.

Die erschöpften Kletterer konnten nicht mehr und verbrachten die Nacht in der sogenannten Todeszone. Jeder Atemzug ist in dieser Höhe schwierig, die Temperaturen fallen auf 40 Grad unter Null.

Bhatti und der Sherpa erzählen, wie sie andere Bergsteiger um Sauerstoff baten, damit sie das Lager 4 auf 7900 Meter erreichen könnten. Doch niemand kam ihnen zu Hilfe. Jeder Kletterer versucht, die Todeszone so schnell wie möglich zu durchqueren. Touristen zahlen Zehntausende Dollar für den Aufstieg. Der Gipfel hat Priorität. Es komme nur selten vor, dass jemand seine eigenen Bemühungen hinten anstelle, um Fremden zu helfen, sagen Beobachter.

Um Mitternacht wurden die Gebete von Bhatti und Dawa Sange erhört - eine Gruppe von Sherpas und chinesischen Bergsteigern auf dem Weg zum Gipfel gab ihnen einen Kanister Sauerstoff, heißes Wasser und eine Jacke. Der erfahrene Bergführer Pemba Onchhu Sherpa sah Dawa Sanges Zustand: „Er war am Leben, aber seine Hände waren hart wie Holz.“

Als die Gruppe auf dem Rückweg wieder durch die Todeszone kam, fassten die Sherpas einen waghalsigen Entschluss: Pemba sollte mit den chinesischen Kunden allein zum Lager zurückkehren, während die anderen drei Sherpas eine Rettungsaktion starteten. Bei Tagesanbruch begannen sie, den bewusstlosen Dawa Sange mit einem Seil über einen schmalen Grat talwärts zu ziehen und über Felsen zu bugsieren. Manchmal mussten sie auch zuerst Felsbrocken aus dem Weg räumen, erzählen die Retter.

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