Englische Studie Die Handschrift - vom Aussterben bedroht?

Einer englischen Studie zufolge schreiben immer weniger Menschen mit der Hand. Stirbt die Handschrift aus? Es wäre ein gewaltiger Rückschritt und der Verlust einer Kulturtechnik, meint Graphologe Helmut Ploog.
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DüsseldorfMails tippen wir am Computer, Nachrichten auf dem Smartphone, unsere Twitter-Meldungen schicken wir übers Tablet raus: Laut einer aktuellen Studie schreiben immer weniger Menschen mit der Hand. Wie der englische Online-Schreibwarenhändler „Docmail“ herausgefunden haben will, hat einer von drei der 2000 befragten Erwachsenen in den letzten sechs Monaten nichts Handschriftliches festgehalten.

Laut Daily Mail wagen Forscher deswegen eine düstere Prognose: Schon bald könnten ganze Generationen des Schreibens mit der Hand nicht mehr mächtig und komplett auf Tastaturen angewiesen sein.

Helmut Ploog, Vorsitzender des Berufsverbands deutscher Graphologen, teilt diese Sorge: „Vor allem wenn das Tastaturschreiben gut beherrscht wird, bekommen Computer und IPad für die Menschen eine immer größere Bedeutung“, sagt Ploog, der unter anderem als Lehrbeauftragter für Schriftpsychologie an der Universität München gearbeitet hat.

„Wenn man das zu Ende denkt, würde am Ende der Verlust einer Kulturtechnik stehen. Das wäre ein gewaltiger Rückschritt!“ Denn das Schreiben mit der Hand hänge nicht zuletzt mit der Lesefähigkeit des Einzelnen zusammen: Wer nur tippen und nicht schreiben könne, sei auch im Lesen schlechter.

Schreiben am PC wegen des zeitlichen Drucks

Grundsätzlich sollten Kinder daher weiterhin lernen, mit der Hand zu schreiben, rät Hans Ploog. „Zudem prägen sich viele Lerninhalte viel besser ein, wenn man sie aufschreibt. Tippen am Computer allein reicht da nicht, weil im Lernprozess möglichst viele Sinne angesprochen werden sollten.“

Aktuelle Entwicklungen wie etwa in Hamburg sieht Ploog daher skeptisch: „Die Schulkinder dort bekommen eine Art Druckschrift beigebracht, das heißt, sie wissen nicht mehr, wie man Buchstaben verbindet.“ Dies führe zu einer „Verlangsamung des Schreibens“. „Und wer mit der Hand langsamer ist, wird später noch lieber am Computer schreiben“, erklärt Ploog.

Schnell und bequem muss es sein – Handgeschriebenes passt da immer seltener in den Zeitplan. Doch nicht nur wegen des zeitlichen Drucks bevorzugen viele Menschen das Schreiben am Computer: Laut „Docmail“-Studie können viele ihre eigene Handschrift gar nicht mehr lesen.

Mehr als die Hälfte aller Befragten gab an, dass sich ihre Schrift in den letzten Jahren deutlich verschlechtert habe. Laut Helmut Ploog ist das aber nur eine subjektive Einschätzung: „Es gibt andere Studien, aus denen klar hervorging, dass die Schrift nicht so schlimm war wie gefühlt.“ Immerhin.

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1 Kommentar zu "Englische Studie: Die Handschrift - vom Aussterben bedroht?"

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  • Daß die klassische Schreibschrift immer weniger Verwendung im Alltag findet, hat auch einen Grund in der Schrift selbst. Denn unsere von Abkürzungen und Zeichenkombinationen geprägte Umwelt läßt sich mit einer für die Abbildung des gesprochenen Worts intendierten Schrift nun mal nicht so gut verwenden wie selbst handgeschriebene Druckbuchstaben. Cut and Paste kleiner Zeichenketten anstelle einer Abschrift tun ihr übriges. Denn zum Abschreiben müßte man ja ein Gedächtnis bemühen...

    Dabei spielt der Zeitgewinn IMHO gar keine so große Rolle. Wer's nachvollziehen will, schreibe einfach mal spaßeshalber das Captcha unter dem Kommentarfeld erst mit Kuli auf ein Blatt Papier und danach genauso flüssig als Notiz mit dem Eingabestift ins eBook oder auf den Tablet. Mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnt der Kuli das Rennen, weil die digitale Variante des Papiers viel zu träge reagiert.

    Seit ich als Supporter das erste Mal mit Kladde und Kuli einen ganzen Arbeitstag lang im Dauerlauf unter Anwendern verbracht habe, suche ich nach einer schnelleren Lösung als Stift und Papier. Bis dato vergeblich. Statt dessen hat sich mit den Jahren eine ganz andere Lösung der Zeitnot ergeben: Eine Art Piktogrammsatz , der kontextbezogen das Problem erfaßt und den Lösungsweg dokumentiert.

    Die geschriebene Schrift wird sich also vermutlich nur weiterentwickeln. Wie dereinst der Gänsekiel zur beweglichen Letter.

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