Ermordeter „Charlie-Hebdo“-Chef Erste Auszüge aus Charbonnier-Buch veröffentlicht

Der Frontmann des Magazins „Charlie Hebdo“ wollte sich in einem Buch den Kritikern seines Magazins widmen. Der Text wurde kurz vor seiner Ermordung fertig – und ist eine Abrechnung mit „Paternalismus“ gegenüber Muslimen.
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Der ermordete „Charlie-Hebdo“-Chef Stéphane Charbonnier rechnete in seinem Buch mit religiösen Extremisten ebenso wie mit dem „Paternalismus“ gegenüber Muslimen ab. Quelle: dpa
Erste Auszüge veröffentlicht

Der ermordete „Charlie-Hebdo“-Chef Stéphane Charbonnier rechnete in seinem Buch mit religiösen Extremisten ebenso wie mit dem „Paternalismus“ gegenüber Muslimen ab.

(Foto: dpa)

ParisIn einem kurz vor seiner Ermordung fertiggestellten Buch hat der Chef der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, den Vorwurf der Islamfeindlichkeit zurückgewiesen. Gut drei Monate nach dem blutigen Anschlag islamistischer Terroristen auf „Charlie“ veröffentlichte die Zeitschrift „Le Nouvel Observateur“ am Mittwoch Auszüge aus dem Text. Darin ging Charbonnier - genannt Charb - hart mit der Berichterstattung der Medien über die von seinem Magazin veröffentlichten Mohammed-Karikaturen ins Gericht.

Er betonte, diese Zeichnungen hätten nie allen Muslimen gegolten. Als Beispiel nannte er eine bekannte Karikatur, in welcher der Prophet Mohammed eine Bombe auf dem Kopf trägt - was Kritiker als Beleidigung aller Muslime gelesen hätten. „Eine andere Interpretation war möglich, aber sie interessierte die Medien weniger. (...) Mohammed mit einer Bombe konnte die Instrumentalisierung der Religion durch Terroristen anprangern.“

Charb warf Kritikern einen „verabscheuungswürdigen Paternalismus des bourgeoisen, weißen, linken Intellektuellen“ vor. Er verteidigte die Auffassung, den Islam in der Berichterstattung nicht anders zu behandeln als andere Religionen: „Wenn man signalisiert, dass man über alles lachen kann, außer über bestimmte Aspekte des Islam, weil die Muslime viel empfindlicher sind als der Rest der Bevölkerung, was ist das dann, wenn nicht Diskriminierung?“

Der Zeichner ging noch weiter: „Diejenigen, die den Zeichnern von „Charlie Hebdo“ jedes Mal, wenn eine Figur einen Bart trägt, Islamophobie vorwerfen, sind nicht nur unehrlich oder böswillig, sie zeigen ihre Unterstützung für den sogenannten radikalen Islam“, fuhr er fort.

Schlange stehen für „Charlie Hebdo“
Verkauf Charlie Hebdo in Deutschland
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Passanten warten am im Hauptbahnhof in Berlin auf die Öffnung einer Bahnhofsbuchhandlung: Das Interesse an „Charlie Hebdo“ ist nach dem tödlichen Anschlag von Paris vergangene Woche immens gestiegen. Interessenten mussten allerdings früh aufstehen. Die Buchhandlungen öffneten gegen 6 Uhr morgens.

Verkauf Charlie Hebdo in Deutschland
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Sofort ausverkauft: Eine Ausgabe der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in einem Zeitungsladen in Freiburg. Statt mit rund 60.000 Exemplaren wurde das Magazin diesmal in Millionenauflage gedruckt, kam in Deutschland aber trotzdem nur selten in die Auslage. In Freiberg standen lediglich zwei Ausgaben zum Verkauf.

Verkauf Charlie Hebdo in Deutschland
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So war die Ausgabe von „Charlie Hebdo“ selbst für Pressefotografe ein Grund früh aufzustehen: Der Verkauf von Charlie Hebdo geriet zum Spektakel. Wer eine der extrem wenigen Ausgaben ergattern wollte, musste nach der Ladenöffnung schnell den richtigen Weg finden...

Verkauf Charlie Hebdo in Deutschland
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So wie diese beiden jungen Männer in Berlin: Sie hatten seit Mitternacht vor der Buchhandlung gestanden, um kurz nach 5 Uhr morgens die beiden einzigen Exemplare zu ergattern.

Rebenstock, a customer, poses for media with his copy of first edition of French satirical weekly magazine Charlie Hebdo published after deadly attacks by Islamist gunmen in Paris last week, in Berlin
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Einer der beiden Glücklichen posiert für Fotografen: Wie in Berlin mussten bundesweit viele andere Wartende mit leeren Händen nach Hause gehen. Die Buchhandlungen und Zeitschriftenläden hatten lediglich ein stark limitiertes Kontingent des Satireheft geliefert bekommen.

Verkauf Charlie Hebdo in Deutschland
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„Charlie Hebdo ist ausverkauft“ steht auf einem Schild in einer Pressebuchhandlung im Essener Hauptbahnhof: „Man kauft nicht nur das Magazin“, erklärte ein Kunde. Das Heft sei „ein Symbol der Solidarität mit den Opfern“.

Charb blieb bei seiner klaren Haltung gegenüber religiösen Extremisten: „Kurz, das Problem ist weder der Koran noch die Bibel, diese einschläfernden, inkohärenten und schlecht geschriebenen Romane, sondern der Gläubige, der den Koran oder die Bibel liest, wie man die Montageanleitung eines Ikea-Regals liest.“

Die Brüder Chérif und Saïd Kouachi hatten Anfang Januar die Redaktionsräume des Satiremagazins gestürmt und zwölf Menschen erschossen, darunter neun Journalisten. Schon im Jahr 2011 hatten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktion verübt. Charb hatte dem Bericht zufolge noch zwei Tage vor seinem Tod am Buch gearbeitet.

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