Eurovision Song Contest Europa stimmt für Dragqueen

Mit einer bombastischen Ballade triumphiert die Österreicherin Conchita Wurst beim Eurovision Song Contest. Es ist der zweite Sieg der Alpenrepublik. Deutschland landet trotz gutem Auftritt nur auf Platz 18.
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Europa wählt Conchita Wurst

KopenhagenContest-Sieg für Conchita: Mit einer pompösen Popballade hat die glamourös-grazile Vollbart-Dragqueen Conchita Wurst für Österreich beim Eurovision Song Contest triumphiert. Ihr Lied „Rise Like A Phoenix“ (Wie Phönix aus der Asche auferstehen) erinnert an einen James-Bond-Song.

Es ist der zweite Sieg der Alpenrepublik. 1966 gewann Udo Jürgens mit „Merci Chérie“. Deutschland landete in Kopenhagen in der Nacht zum Sonntag mit dem Polka-Poplied „Is It Right“ der Newcomerband Elaiza abgeschlagen auf Rang 18 von 26 Finalteilnehmern.

„Diese Nacht widme ich allen, die an Frieden und Freiheit glauben. Wir sind eine Einheit“, schluchzte Wurst im figurbetonten, bodenlangen, goldfarbenen Abendkleid. „Ich habe hier soviel mehr bekommen als nur eine Trophäe.“ Ihr Auftritt war eine Show voller Dramatik mit Lichtstrahlen und Flammenmeer-Optik. Österreichs Rundfunkanstalt ORF hatte Wurst alias Tom Neuwirth (25) ohne Vorentscheid nach Dänemark geschickt.

Die Konkurrenten um Europas Musikkrone
Eurovision Song Contest - 2nd rehearsal of Grand Final
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Spanien: Ruth Lorenzo – Dancing in the Rain

Spanien schickt Ruth Lorenzo zum ESC. Die Sängerin schrie so laut, als sie auf die Welt kam, dass die Ärzte anscheinend schon sagten, sie werde eine Sängerin. Mit sechs Jahren entdeckte sie die spanische Opernsängerin Montserrat Caballé. Seitdem singt sie Opern und zieht nun mit dem Song „Dancing in the Rain“ zum Songcontest. Bekannt wurde sie durch die britische Castingshow „The X Factor“ im Jahr 2008.

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Frankreich: Twin Twin – Moustache

Frankreich schickt die Zwillinge Lorent Idir und François Djemel ins Rennen, die die Band Twin Twin 2009 in Montreuil (östlich von Paris) gründeten. Mit ihren lebhaften Melodien und knalligen Farben statuiert die Band ein Paradebeispiel für die „You Only Live Once“-Generation, die das Leben in vollen Zügen und im Hier und Jetzt leben möchte.

Meet and Greet - 59th Eurovision Song Contest
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Deutschland: Elaiza – Is It Right

Das Frauen-Trio aus Berlin macht seit Anfang 2013 zusammen Musik, die in Richtung Folk-Pop geht. Ela, Yvonne und Natalie nennen ihren Musikstil selbst „Neo-Folklore“. Im März setzte sich die junge Band in „Unser Song für Dänemark“ gegenüber der Band „Unheilig“ durch und darf am Samstag in Kopenhagen mit ihrem selbstgeschriebenen und komponierten Song „Is It Right“ auftreten. Das Lied dreht sich darum, Entscheidungen zu treffen und Dass es nicht immer einfach ist, den richtigen Weg zu finden. Freud und Leid liegen für die Frauen von Elaiza eng beieinander und genau das spiegeln die Kompositionen: mal fröhlich, mal nachdenklich - aber immer mit einem Hauch Melancholie.

Eurovision Song Contest - 2nd rehearsal of Grand Final
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Großbritannien: Molly Smitten-Downes – Children of the Universe

Die Musikerin Molly Smitten-Downes studierte in Leicester und Guildford Musik. Sie wurde intern von der BBC ausgewählt, ihr Heimatland in Kopenhagen zu vertreten. Ihr selbstkomponierter Song „Children of the Universe“ handelt wie so viele andere auch von der großen Liebe und Einigkeit.

First Semi Final - 59th Eurovision Song Contest
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Schweden: Sanna Nielsen – Undo

Sanna Nielsen tritt für Schweden an und hofft, die Norden in der Hauptstadt der dänischen Nachbarn würdig zu vertreten. Mit „Undo“ versucht sich die zierliche Blondine mit einer relativ klassischen Pop-Ballade in die Herzen der Zuschauer zu singen. Zumindest konnte die 29-Jährige diesmal bei der innerschwedischen Vorauswahl überzeugen, nach mehreren erfolglosen Bewerbungen in den vergangenen Jahren, etwa 2008 mit „Empty Room“. Auf die Frage, weshalb sie es immer wieder bei den ESC-Entscheidungen versuchte, antwortete die bereits seit ihrem elften Lebensjahr singende Schwedin bei einer Pressekonferenz kürzlich: „Die Musik ließ mich weiter machen. Ich liebe dieses Event, bin ein Fan seit meiner Kindheit, als Carola 1991 für uns gewann. Es ist faszinierend.“ Ihr diesjähriger Beitrag ist solide, Überraschung sieht anders aus – doch vielleicht trifft das ja den Gusto 2014.

Eurovision Song Contest - 2nd rehearsal of Semi-Final 1
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Armenien: Aram MP3 – Not Alone

Für Armenien tritt dieses Jahr Aram MP3 an. Das Stück „Not Alone“ spielt gekonnt mit der Stimmgewalt von Aram Sargsyan, sein vielfältiges Organ trifft sowohl tiefe, bassige, als auch leidende Töne und eignet sich zur Ballade und auch zum treibenden Rocksong. Kaum mag man seinen Erzählungen glauben, dass er als Jugendlicher Atemprobleme hatte und häufig hüstelte. Vielleicht war dies auch der Grund, weshalb er sich für die handfeste Profession des Pharmazeuten entschied, statt sofort die künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Doch an der State Medical University in Armenien zogen ihn die studentischen Gesangs- und Schauspielkurse an und brachten ihn zu zahlreichen Wettbewerben, durch die er bekannt wurde. Inzwischen ist der Künstler Gastgeber in mehreren TV-Shows im armenischen Fernsehen und wurde im Januar offiziell von einer Jury des ersten armenischen Kanals zum Kandidaten für Kopenhagen gewählt. In seinem Wettbewerbs-Beitrag paart sich Sargsyans Stimme teils mit pathetischer, klassischer Instrumentierung, aber auch mit Synthesizern und schrabbelnden Bässen.

huGO-BildID: 36780304 Kallay Saunders from Hungary performs during the first semi-final at Eurovision Village as part of Eurovision 2014, on May 6,
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Ungarn: András Kállay-Saunders – Running

Typisch ESC-Sound: Schnelle Rhythmen, etwas aufgeregte, wenig komplexe Melodien, gepaart mit glatten Vocals: András Kállay-Saunders bedient mit seinem Song „Running“, der seinem Titel im musikalischen Fluss alle Ehre macht, die Hörerwartungen vieler Zuschauer. Schade, denn in dem Song soll es eigentlich um etwas ernstes gehen: Häusliche Gewalt gegen Kinder, die der Künstler in seinem direkten Umfeld miterlebte. Kállay-Saunders, der bei der heimischen Talentshow Megasztár seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte, trat drei mal in der nationalen Vorauswahl zum ESC an, bis er „A Dal“ für sich entscheiden konnte. Ein Song, wie man schon viele gehört hat – inwiefern dieser Ungarn die nötigen Punkte sichern kann, muss sich zeigen.

Der ESC wird somit nächstes Jahr, wenn er zum 60. Mal über die Bühne geht, wahrscheinlich in Wien ausgetragen. Gleich nach der Show regte Wursts Agent René Berto an, dass die Dragqueen nächstes Jahr den ESC moderieren könnte. „Ich wäre gern Gastgeberin“, sagte Conchita. Der nächste Grand Prix solle „glamourös“ werden.

Viele deuteten den Dragqueen-Sieg als Zeichen gegen Ausgrenzung und für ein tolerantes, schwulenfreundliches Europa. Die Politik blieb auch beim Thema Ukraine-Konflikt nicht außen vor. Russland wurde beim Auftritt der Tolmatschewy Sisters und bei der Punktevergabe gnadenlos ausgebuht.

Österreich lag am Ende mit 290 Punkten vor den Niederlanden (238) und Schweden (218). Die Schweiz erreichte den 13. Platz. Der in Italien liegende Kleinstaat San Marino landete abgeschlagen auf Platz 24 mit dem vom deutschen Grand-Prix-Urgestein Ralph Siegel („Ein bisschen Frieden“) komponierten Lied „Maybe (Forse)“.

Relativ bescheidene Show
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