Gefährlicher Selfie-Trend Zum Posieren auf die Bahngleise

Ein Foto von Mädchen, die Hand in Hand auf Bahngleisen balancieren, dazu ein Schwur der ewigen Freundschaft: Gerade für Mädchen ist die Inszenierung auf sozialen Netzwerken wichtig. Dabei riskieren manche ihr Leben.
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Ein Foto mit der besten Freundin auf den Gleisen soll signalisieren, dass man mit ihr sogar in den Tod gehen würde. Quelle: dpa
Bahngleise als gefährliche Selfie-Kulisse

Ein Foto mit der besten Freundin auf den Gleisen soll signalisieren, dass man mit ihr sogar in den Tod gehen würde.

(Foto: dpa)

BremenDie drei Mädchen wollten ein Selfie machen. Sie kletterten die Böschung an einer Eisenbahnbrücke in Bremen hoch und posierten auf den Gleisen. Das hätte sie beinahe getötet: Ein Lokführer konnte gerade noch bremsen, die Regionalbahn blieb wenige Meter vor den Teenagern stehen. Ein schnellerer Zug hätte sie wohl überrollt.

Immer wieder wagen sich junge Leute für Fotos auf Schienen – es geht dabei um Fernweh, um ein Symbol für Unendlichkeit, um ein Zeichen treuer Freundschaft. Ein gefährlicher Trend, den die Bundespolizei deutschlandweit vor allem unter Mädchen beobachtet. „Hinterher tat es ihnen furchtbar leid“, sagt Holger Jureczko von der Bundespolizei in Bremen über den Vorfall mit den drei Mädchen, der sich im April ereignete. „Ihnen war die Gefahr gar nicht bewusst.“

Bereits vor vier Jahren erfasste im schwäbischen Memmingen ein Zug eine 13- und eine 16-Jährige. Die Ermittler entdeckten später Fotos auf deren Handys und in Profilen in sozialen Netzwerken, die sie auf den Gleisen zeigten. Zwei Jahre später kamen zwei 14 und 15 Jahre alte Freundinnen im westfälischen Lünen bei einem ähnlichen Unfall ums Leben. Auch dort fand die Polizei solche Fotos.

Zehn Gründe, warum Selfies nerven
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Erster Grund:

Fußballstars zelebrieren Selbstportraits öffentlich und lassen dabei wie hier Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger nach dem Finalsieg der WM 2014 gegen Argentinien im Maracana Stadion alle Hemmungen fallen. Freude ist ja erlaubt, aber warum muss man sie gleich so festhalten?

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Zweiter Grund:

Andere Promis äffen es nach und plötzlich wird ein Selfie zum Topevent bei den Oscar-Verleihungen und überschattet fast die ganze Veranstaltung. Den Stilbruch begeht hier Bradley Cooper (vorne), indem er ein Bild von sich, Ellen DeGeneres (Mitte, weiße Bluse), Jared Leto (links, fast nicht mehr im Bild), Jennifer Lawrence (rotes Kleid), Meryl Streep (mittig mit Brille), Peter Nyong'o Junior (erste Reihe ganz rechts), Channing Tatum (zweite Reihe ganz links), Julia Roberts, Kevin Spacey, Brad Pitt, Lupita Nyong'o and Angelina Jolie macht. Moderatorin Ellen DeGeneres wollte mit dem Bild einen Rekord brechen und das meist retweetete Bild twittern. Damit ist die öffentliche Promi-Drängelei in der Welt.

Selfie
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Dritter Grund:

Nun macht es den Promis fast jeder x-beliebige Nutzer sozialer Netzwerke nach. Mehr als die Hälfte der Deutschen (54 Prozent) hat schon mal ein Selfie geschossen, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. YouGov befragte zwischen im September 2014 insgesamt 1013 Menschen ab 18 Jahren.

A participant takes a selfie during Delhi Queer Pride Parade in New Delhi
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Vierter Grund:

Selfies nerven Deutsche. Selfies sind mittlerweile mehr als ein Trend. Nun gibt es eine Umfrage: Was halten die Deutschen von Selfies? Demnach stimmten 57 Prozent der Befragten der Aussage „Selfies finde ich allgemein nervig“ ganz oder weitestgehend zu.

Selfie mit Merkel
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Fünfter Grund:

Die Selbstbildnisse sind allgegenwärtig. Hier muss sich Bundeskanzlerin Angela Merkel schon bemühen, in die richtige Kamera zu gucken - beherrscht sie die Kunst der zehn parallel geschossenen Selfies? Bei so einem Besuch wie an der Staatlichen Europaschule Robert-Jungk in Wilmersdorf in Berlin wäre das eine nötige Grundkompetenz. Es scheint, es gibt kaum noch jemanden, der kein Selbstbild von sich in sozialen Netzwerken postet. In sozialen Netzwerken sind die Bildnisse quasi das Regelbild.

Wilmer Valderrama
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Sechster Grund:

Die Selbstbeweihräucherung wirkt abstoßend, umso mehr, wenn Stars wie Wilmer Valderrama alles geben, um die perfekte Pose für ein Selfie mit ihren neuen Gadgets zu finden. Genießt er hier wirklich seinen Kaffee, oder geht es nur um den schönen Schein? Das finden die meisten Menschen, ob in Ost oder West, ob Männer oder Frauen, anbiedernd. Auf Ablehnung stoßen die Porträts vor allem bei Menschen, die älter als 45 sind.

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Siebter Grund:

Selfies sind oft peinlich, etwa weil sich die Menschen in die unmöglichsten Posen verdrehen, um auf dem Bild gut zu sehen zu sein. Etwa drei Viertel (76 Prozent) der Deutschen sind zudem der Meinung, dass zu viele Selfies veröffentlicht werden - und 87 Prozent meinen, dass die Selbstporträts „manchmal peinlich“ seien. Hingegen findet nur ein knappes Drittel (31 Prozent) die Schnappschüsse anderer Menschen interessant – was dafür spräche, mit der Veröffentlichung auf Facebook oder bei Twitter etwas sparsamer umzugehen.

Mädchen, die Hand in Hand auf Bahngleisen balancieren und dazu ein Spruch, der ewige Freundschaft beschwört – Bilder wie diese tauchen nach Angaben des Sprachwissenschaftlers Martin Voigt seit einigen Jahren in den sozialen Netzwerken auf. Er hat in seiner Doktorarbeit an der Uni München den Einfluss von Facebook und Co auf Mädchenfreundschaften untersucht.

Gerade 12- bis 16-Jährige sei es wichtig, wie sie im Internet rüberkommen, erläutert Voigt. „Sie wollen beliebt sein, hübsch aussehen, eine beste Freundin haben. Entsprechende Priorität hat die „Öffentlichkeitsarbeit“ online.“ Mädchen sind mit der besten Freundin auf Facebook wie „verheiratet“.

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