Gefängnisausbrüche in Berlin Die JVA als „Haus der offenen Tür“

Sieben Gefangene verschwinden innerhalb von fünf Tagen aus dem Gefängnis Plötzensee im Nordwesten Berlins. Die Opposition spricht hämisch vom „Haus der offenen Tür“. Warum lassen sich Ausbrüche nicht verhindern?
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Eigentlich gelten die Berliner Gefängnisse angesichts von mehr als 4000 Häftlinge und seltenen Ausbrüche als sicher. Quelle: dpa
JVA Plötzensee

Eigentlich gelten die Berliner Gefängnisse angesichts von mehr als 4000 Häftlinge und seltenen Ausbrüche als sicher.

(Foto: dpa)

BerlinEine derartige Ausbruchsserie aus einem deutschen Gefängnis ist selten – und lässt den Druck auf Berlins Justizsenator weiter steigen. Sieben Gefangene verschwinden innerhalb von fünf Tagen aus dem Gefängnis Plötzensee im Nordwesten Berlins. Die Opposition spricht hämisch vom „Haus der offenen Tür“. Besonders peinlich für Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne): Nach dem spektakulären ersten Ausbruch von vier Männern am Donnerstag hatte er verstärkte Sicherheitsvorkehrungen angekündigt. Nun entkamen am Montag erneut zwei Männer aus demselben Gefängnis.

Zwischen den beiden Ausbrüchen kehrte ein weiterer Häftling nicht aus dem sogenannten offenen Vollzug zurück. Das passiert allerdings öfter mal und ist streng genommen auch kein Ausbruch. Die Berliner Opposition aus CDU, AfD und FDP spricht trotzdem von insgesamt sieben Ausbrechern und fordert den Rücktritt von Behrendt, der mit dem Senat aus SPD, Linken und Grünen erst ein Jahr im Amt ist. Auch ein Abgeordneter des Koalitionspartners SPD twitterte ungewöhnlich deutlich: „Rekord. Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Das wäre eigentlich ein Rücktrittsgrund für einen Justizsenator“.

Die beiden letzten Ausreißer flohen durch das Fenster einer Nachbarzelle. Sie verbüßten wegen wiederholten Schwarzfahrens eine Strafe im sogenannten offenen Vollzug und durften das Gefängnis also tagsüber verlassen. Ein Sprecher der Senatsjustizverwaltung kommentierte den erneuten Ausbruch lakonisch: „Dabei hätten sie das Gefängnis auch einfach am nächsten Morgen durch die Tür verlassen können.“

Einer der beiden Männer kehrte bereits am Montagabend zurück. Auch von den ersten vier Ausbrechern stellte sich am Dienstag einer zusammen mit seinem Anwalt. Nach den fünf verbliebenen Männern fahndet die Polizei.

Besonders der Ausbruch vom Donnerstag hatte für Aufsehen und empörte Kommentare gesorgt. Die Männer zwischen 27 und 38 Jahren flohen aus einem Heizungsraum neben der Werkstatt, in der sie arbeiteten. Mit einem Hammer zertrümmerten sie einen Betonpfosten in einer Lüftungsöffnung. Dann sägten sie die Stahlverstärkung unter dem Beton mit einem Trennschleifer durch, zwängten sich ins Freie und krochen unter dem Zaun des Gefängnisses durch. Eine Kamera, die eine Eingangspforte überwacht, filmte die Aktion. Trotzdem wurde erst später Alarm ausgelöst. Drei der Männer sollten in diesem Jahr entlassen werden.

In der JVA Plötzensee mit 360 Insassen herrscht nur eine mittlere Sicherheitsstufe. Die Ausbrecher waren aber auch keine Schwerkriminellen, sondern saßen wegen Diebstahl, räuberischer Erpressung und schwerer Körperverletzung ein. Mörder, Vergewaltiger und Serientäter sitzen in Berlin vor allem in einem der sechs Gefängnisse: der JVA Tegel, Deutschlands größtem geschlossenen Knast. Dort liegt der letzte Ausbruch schon viele Jahre zurück. 1998 schmuggelt sich ein Mann mit einem Lieferwagen heraus.

Veraltete Gebäude bereiten Probleme
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