Melanie Griffith und Richard Lugner

Der Hollywoodstar und der Baulöwe: Dieses Jahr hat Unternehmer Richard Lugner die Schauspielerin Melanie Griffith als seinen persönlichen Stargast zum Wiener Opernball eingeladen. Das ist sein persönliches Opernball-Märchen.

(Foto: imago/Future Image)

Geschäftsmodell Opernball Aufmerksamkeit ist die härteste Währung beim Wiener Opernball

Der pompöse Opernball ist der Höhepunkt der Wiener Ballsaison. Große Namen sorgen für internationales Flair und glänzende Geschäfte.
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WienRichard Lugner ist erleichtert, als sein Ehrengast, die Hollywood-Diva Melanie Griffith, am Donnerstag auf dem Wiener Flughafen landet. Denn der Bauunternehmer und Immobilientycoon wird mit der 60-Jährigen aus Los Angeles seine Loge im zweiten Rang des Opernballs am Donnerstagabend teilen.

„Sie ist sehr nett, da gibt es nichts – aber auch total fertig“, sagt Lugner, den ganz Österreich „Mörtel“ nennt, ganz uncharmant. Der mittlerweile 85-Jährige ist beim berühmtesten Ball Europas seit vielen Jahren ein gern gesehener Medienclown. Denn der Kampf um die Aufmerksamkeit – das ist die härteste Währung beim Opernball in der Wiener Staatsoper mit seinen 5.150 Gästen.

An Pracht und Pomp ist der Opernball nicht zu überbieten. „Die vier Wochen vor dem Ball sind ein Ausnahmezustand“, sagte die Opernball-Organisatorin und ÖVP-Politikerin Maria Großbauer dem Handelsblatt. Schließlich dient er der neuen Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und seinem Kabinett als internationale Bühne der Selbstdarstellung.

Als Gäste hat der 31-jährige Regierungschef den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und den irischen Premier Leo Varadkar geladen. Der Bundeskanzler wird begleitet von seiner Freundin Susanne Thier, einer Finanzbeamtin, und hat außerdem das aus Somalia stammende Model Waris Dirie an seiner Seite.

Mit der Fanfare und der österreichischen Nationalhymne wird der Ball der Bälle eröffnet. Für politische Entschärfung sorgt, dass der rechtspopulistischen Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf einen Ballbesuch verzichtet. Der neue Sportminister besucht stattdessen die Olympischen Winterspiele in Südkorea.

Auch in diesem Jahr werden Proteste erwartet. Für die linken Organisatoren ist der Opernball ein Symbol für die Ungleichverteilung des Reichtums. Unter dem Leitspruch „Gegen die Regierung der Reichen“ wollen rund 500 Menschen demonstrieren – 350 Polizisten stellen sich ihnen entgegen. Von den Protesten werden die Gäste allerdings nichts mitbekommen: Rund um die Wiener Staatsoper herrscht am Donnerstagabend Platzverbot.

Der 62. Opernball ist der Höhepunkt der Ballsaison, die für Wien ein florierender Wirtschaftszweig geworden ist. Die Wiener Staatsoper erzielt mit dem festlichen Event Einnahmen in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Die Ausgaben betragen dagegen nur 3,5 Millionen Euro.

Baulöwe Lugner angelt sich diesmal Melanie Griffith
Hollywoodstar in Wien
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Melanie Griffith (nach Hautkrebs-Operation an der Nase) und Richard „Mörtel" Lugner.

2018: Melanie Griffith
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„Sie ist sehr nett, da gibt es nichts – aber auch total fertig“, sagt Richard Lugner über sie.

Opernball 2018 in Wien
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Der österreichische Unternehmer Richard Lugner, sein Opernballgast, US-Schauspielerin Melanie Griffith, und seine Ex-Frau Christina Lugner nehmen an einer Autogrammstunde in einem Einkaufszentrum teil.

2017: Goldie Hawn
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US-Schauspielerin Goldie Hawn and Richard Lugner auf der Pressekonferenz am 22. Februar 2017.

2016: Brooke Shields
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Gemeinsam mit seiner Frau Cathy präsentiert Richard Lugner das Buch seines diesjährigen Stargasts Brooke Shields. Er wisse nicht einmal, ob sie ihn überhaupt kenne, sagt er. Das ist aber kein Grund für ihn, sie nicht zum Opernball einzuladen.

Brooke Shields
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Spätestens am vierten Februar wird die US-amerikanische Schauspielerin Brooke Shields ihren Begleiter „Mörtel“ Lugner kennenlernen. Wien ist ihr bereits gut bekannt. 2011 war sie Gast beim Life Ball. Ihren Karriere-Höhepunkt feierte Shields vor allem als Kinderstar. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit 13 Jahren im Film „Pretty Baby“ mit ihrer Rolle als Prostituierte.

2015: Elisabetta Canalis
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Richard „Mörtel“ Lugner hat eine Nachfolgerin für Kim Kardashian gefunden: Der Baulöwe (hier mit seiner Frau Cathy Schmitz) nimmt in diesem Jahr Elisabetta Canalis mit zum Wiener Opernball. Die 36-Jährige sei „nicht zu jung, nicht zu alt – eine Mischung halt“, sagte er auf einer Presskonferenz.

Der erzielte Gewinn geht an das Musiktheater. „Der vergleichsweise hohe Eintritt beim Opernball ist eine kulturelle Förderabgabe. Denn unsere Einnahmen fließen direkt in die Kassen der Wiener Staatsoper“, sagt die 36-jährige Opernball-Organisatorin Großbauer.

Nach Angaben der Wirtschaftskammer Wien gibt ein Gast für Garderobe, Friseur, Taxi und Abendessen durchschnittlich 276 Euro aus, hinzu kommen noch die Kosten für Übernachtung und Anreise. In dieser Ballsaison werden Erlöse von 139 Millionen Euro erwartet – ein Plus von acht Millionen Euro im Vergleich zur Vorjahressaison. Obwohl die Saison diesmal kürzer auffällt, rechnet Wien Tourismus mit einem Besucherrekord.

Die Regeln auf dem Opernball sind streng: Für Damen ist langes Abendkleid oder Festtracht Pflicht, für die Herren Frack oder zumindest Smoking. Der Herren-Fauxpas schlechthin: eine Armbanduhr. Eine goldene Uhr mit Kette muss es stattdessen sein.

Insgesamt gibt es in der Donaumetropole 450 Bälle. Sie reichen vom Rauchfangkehrerball über Bonbonball und Kaffeesiederball bis hin zum noblen Philharmonikerball im Wiener Musikverein. Mehr als eine halbe Million Besucher locken sie an. Rund jeder Zehnte von ihnen ist aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland.

Das lässt die Kassen klingeln: „Die Industrie mit den Bällen wächst. Viele Bälle haben sich neu erfunden“, sagte Norbert Kettner, seit elf Jahren Chef des Wien Tourismus, dem Handelsblatt. „Es gibt eine Sehnsucht nach Märchen. Man darf die Juwelen aus dem Tresor und den Pelzmantel aus dem Schrank hervorholen und das schönste Kleid auspacken.“ Und an Luxus mangelt es in Hotellerie der zweitgrößten Stadt im deutschsprachigen Raum nicht: „Die Dichte der Fünf-Sterne-Hotels am Ring ist ein Vorteil für die Ballbesucher“, sagte Kettner.

Wien als Tourismusdestination funktioniert so gut wie nie zuvor. „2020 wollen wir eine Milliarde Euro im Hotelsektor machen“, sagt der Tourismusmanager zum Netto-Nächtigungsumsatz und ergänzt: „2022 und 2023 werden wir die Grenze von 20 Millionen Besucher jährlich überspringen.“

Der österreichische Unternehmer Richard Lugner, sein Opernballgast, US-Schauspielerin Melanie Griffith, und seine Ex-Frau Christina Lugner nehmen an einer Autogrammstunde in einem Einkaufszentrum teil. Quelle: dpa
Opernball 2018 in Wien

Der österreichische Unternehmer Richard Lugner, sein Opernballgast, US-Schauspielerin Melanie Griffith, und seine Ex-Frau Christina Lugner nehmen an einer Autogrammstunde in einem Einkaufszentrum teil.

(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr wurden erstmals mehr als 15 Millionen Übernachtungen gezählt. Ebenfalls von Vorteil: Wien gilt als sicheres Reiseziel. Im Gegensatz zu London, Paris oder Berlin hat kein Terroranschlag die Stadt bislang getroffen. Hinzu kommt die Sehnsucht nach einer heilen Welt. „Das romantische Wien ist Teil des Markenkerns“, sagt Kettner. In der Tourismusindustrie der österreichischen Hauptstadt arbeiten knapp 100.000 Menschen.

Trotzdem: Nicht immer geht es romantisch zu – auch nicht in der Ballsaison. Der Akademikerball der rechtspopulistischen FPÖ in der Wiener Hofburg sorgt seit Jahren für massive Proteste und bisweilen auch für Gewalt. Rund 10.000 Menschen gingen auf die Straße, um gegen das Fest zu protestieren, das vor allem von nationalistischen Burschenschaften geschätzt wird.

Im Gegensatz zu früheren Jahren blieb der Protest diesmal aber friedlich. Den Tourismusmanagern missfällt der rechte Ball, denn jedes Mal sorgt er für Kratzer an der Marke Wien. Tourismus-Chef Kettner formuliert es diplomatisch: „Der Akademieball und die damit verbundenen Proteste nützen uns nicht gerade.“

Die Wiener Ballkultur ist Jahrhunderte alt und geht auf den Wiener Kongress zwischen 1814 und 1815 zurück. Damals wurde erstmals Walzer getanzt. Ursprünglich dauerte die Ballsaison nur von Jahresbeginn bis Mitte März.

Doch mittlerweile ist daraus – nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen – ein Ganzjahresgeschäft geworden. Höhepunkte im Sommer sind der Life Ball zugunsten von Aids-Kranken und die Fete Imperial in der Spanischen Hofreitschule. Dieser Ball wird von der Hotelunternehmer und ehemaligen „Sacher“-Chefin Elisabeth Gürtler organisiert.

Die Wiener Staatsoper erzielt mit dem festlichen Event Einnahmen in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Quelle: dpa
Wiener Opernball

Die Wiener Staatsoper erzielt mit dem festlichen Event Einnahmen in Höhe von 4,6 Millionen Euro.

(Foto: dpa)

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