Irisch-Gälisch Eine keltische Sprache als politischer Zündstoff

In Irland können gälische Toilettenschilder deutsche Touristen in eine peinliche Lage bringen. Im Norden der Insel unterrichten frühere IRA-Häftlinge Schulkinder auf Gälisch. Und gestritten wird überall um diese Sprache.
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Auf der Grünen Insel trifft man auf zweisprachige Straßenschilder – auf Gälisch und Englisch. Quelle: dpa
Schilder in Irland

Auf der Grünen Insel trifft man auf zweisprachige Straßenschilder – auf Gälisch und Englisch.

(Foto: dpa)

Dublin/BelfastDie meisten Irland-Besucher wären ohne die zweisprachigen Orts- und Straßenschilder aufgeschmissen. Schon von „Baile Atha Cliath“ gehört? Das ist der irisch-gälische Name der Hauptstadt Dublin. Sprachlich verwirrend sind vor allem für Deutsche die Klos: „M“ steht nicht für Männer, sondern für das irische Wort „Mná“ – das heißt „Frau“. Die Herren müssen durch die Tür mit dem „F“. Im Irischen steht der Buchstabe für „Fír“ und bedeutet „Mann“.

Ganz anders dagegen Nordirland: Hier gibt es keine Schilder mit gälischer Sprache. Als Teil Großbritanniens geht es offiziell nur auf Englisch zu. Religion, Identität und eben auch die Sprache vermischen sich auf der irischen Insel oft zu einem heiklen Thema.

Das Irisch-Gälische – oder kurz einfach Irisch – ist eine keltische Sprache. Wer sie das erste Mal hört, dürfte sie nur schwer einer Region zuordnen können.

Irisch ist die offizielle Sprache der Republik Irland, obwohl Englisch im täglichen Gebrauch überwiegt. Alle Orts- und Straßenschilder, Gesetze und Dokumente wie der Führerschein werden auf Irisch und Englisch verfasst. Die Sprache ist Pflichtfach bis zum 18. Lebensjahr. Wer studieren will, muss gut Irisch können.

In Nordirland gibt es große Vorbehalte. Seit zehn Jahren wird in der Ex-Bürgerkriegsregion um ein Sprachabkommen gestritten, das Irisch und Englisch gleichstellen soll. Nach den Regionalwahlen im März sind die Koalitionsverhandlungen unter anderem daran gescheitert. Bis Ende Juni haben die Streitparteien noch Zeit, sich zu einigen. Und unterrichtet wird Irisch-Gälisch als moderne Fremdsprache.

„Die Menschen in der südlichen Republik lernen die Sprache, um Prüfungen zu bestehen, im Norden ist Leidenschaft das Lernmotiv“, so das Fazit eines Berichts des Economic and Social Research Institute (ESRI), einer unabhängigen Expertenkommission in Dublin.

Die Kosten für den obligatorischen Irisch-Unterricht, die Förderung der Sprache sowie die Übersetzungen sind enorm. Die irische Regierung gibt schätzungsweise eine Milliarde Euro jährlich allein für den Sprachunterricht aus, schreibt die Zeitung „Irish Examiner“. Außerdem verteilen Behörden weitere Millionen im zweistelligen Bereich.

Aus dem Karfreitagsabkommen von 1998 ging das Institut für die Irische Sprache hervor (Foras na Gaeilge). Es soll die Sprache auf der ganzen irischen Insel fördern. „2015 wurden rund 11 Millionen Euro an 48 Organisationen verteilt“, erklärt Anna Davitt von Foras na Gaeilge.

„Trotzdem kann niemand richtig Irisch sprechen“
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