Kachelmann sagt Sendung ab „Fuck the ARD“

Die Rache des Wettermanns: Der SWR wollte Jörg Kachelmann zum Thema „Gesellschaftsspiel Klatsch“ einladen. Der reagiert in einem Brief mit einer bitteren, zynischen Generalabrechnung mit der ARD.
Update: 13.02.2014 - 16:30 Uhr 27 Kommentare
Tritt schriftlich nach: Wettermoderator Jörg Kachelmann. Quelle: dpa

Tritt schriftlich nach: Wettermoderator Jörg Kachelmann.

(Foto: dpa)

DüsseldorfJörg Kachelmann rechnet ab, er tritt nach – und er hält den Medien den Spiegel vor. Jetzt ist die ARD dran. Die, genauer gesagt der Südwestrundfunk, wollte den Wettermoderator gern zu der Gesprächsrunde „Nachtcafé“ im SWR-Fernsehen einladen. Arbeitstitel: „Gesellschaftsspiel Klatsch“. Aufzeichnungstermin: 13. März auf Schloss Favorite in Ludwigsburg bei Stuttgart.

Kachelmann sollte in der Sendung, so hatte sich das die „Nachtcafé“-Redaktion vorgestellt, unter anderem darüber sprechen, „wie sich Menschen fühlen, die in der Öffentlichkeit stehen und bei jedem Schritt medial begleitet werden“ und Fragen diskutieren wie „Wann werden Grenzen überschritten und Menschen verletzt?“

Solche schriftlichen Anfragen sind im Talkshow-Geschäft gang und gäbe. Besser ist zwar ein persönlicher Kontakt, aber den gab es offenbar zu Kachelmann nicht. Das überrascht, hat er doch fast zwei Jahrzehnte für die ARD-Sender gearbeitet. Daher fällt die Reaktion des 55-Jährigen auf die unglücklich geratene Anfrage entsprechend hart aus.

Kachelmann antwortet auf die schriftliche SWR-Anfrage, deren Richtigkeit der SWR gegenüber Handelsblatt Online bestätigt, mit einem eineinhalbseitigen Brief, den er auf seine Homepage gestellt hat. Das Schreiben ist eine Generalabrechnung mit den Sendeanstalten der ARD, die lange seine Brötchengeber waren.

Aktuelle Brisanz erhält das Thema Vorverurteilung, medialer Spießrutenlauf auch durch einen aktuellen Fall: Dem SPD-Politiker Sebastian Edathy wird vorgeworfen, kinderpornografisches Material zu besitzen. Die Polizei hatte am Montag Büros und Privaträume des Ex-Abgeordneten durchsucht, der sein Mandat bereits Ende vergangener Woche niedergelegt hatte. Edathy weist die Vorwürfe zurück und will Strafanzeige erstatten.

Kachelmann, einst der beliebteste Wettermoderator Deutschlands, war im Mai 2011 nach einem spektakulären Prozess vom Vorwurf der Vergewaltigung seiner Ex-Geliebten freigesprochen worden. Doch damit war seine Geschichte längst nicht zu Ende. Sie geht auch jetzt noch weiter.

Die Chefs der anfragenden SWR-Redakteurin nennt er in seiner Antwort „geltungssüchtige Narzissmus-Beamte, die gerne wichtige Anliegen aus dem Hause Burda und Springer übertragen und 2010 und 2011 schon gespürt haben, was opportun ist und in vorauseilendem Gehorsam gehandelt haben“.

Er wirft dem SWR wie fast allen Medien vor, ihn vorverurteilt zu haben, mit seinem Fall Quote gemacht zu haben – trotz und auch gerade noch nach dem Freispruch wegen Vergewaltigung. „Ihre Chefs können Ihnen beantworten, welche Wirkung Klatsch hat“, schreibt Kachelmann. Namentlich nennt er niemanden, es liegt aber nahe, dass er unter anderem SWR-Intendant Peter Boudgoust und Fernsehdirektor Christoph Hauser meint und generell sämtliche Führungsetagen bei den ARD-Anstalten.

Der SWR äußert sich auf Anfrage von Handelsblatt Online: „Nachdem Herr Kachelmann sich also selbst offensiv mit dem Thema bereits in der Öffentlichkeit präsentiert hat, mussten wir davon ausgehen, dass eine Anfrage an ihn auf dieser Grundlage eine reale Aussicht auf Erfolg hat“, schreibt Pressesprecherin Anja Görzel.

Der SWR bedauere sehr, dass Kachelmann nun so heftig regierte habe, respektiere aber selbstverständlich seine Absage. „Gleichwohl glauben wir nicht, in irgendeiner Weise Anlass zu Vorwürfen gegeben zu haben.“ Gerade das „Nachtcafé“ sei bekannt für seinen sensiblen Umgang mit heiklen und persönlichen Themen. „Insofern hätten wir in der Sendung mit Sicherheit einen sehr angemessenen Umgang mit Herrn Kachelmann gefunden“, so Görzel.

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27 Kommentare zu "Kachelmann sagt Sendung ab: „Fuck the ARD“"

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  • Herr Kachelmann übersieht die Publizitätsgeilheit und gleichzeitige Willkür bei der Justiz. Dort liegt doch offenbar das eigentliche Übel. Deutschland ist schon lange kein Rechtsstaat mehr, weil sich der ganze Justizapparat verselbstständigt hat, Willkür herrscht, und Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

    Alles hatte doch den Anschein einer Verschwörung von Anfang an:
    Staatsanwälte, Richter, Schmierpresse, Staatsfunk, möglicherweise alle gemeinschaftlich im schmierigen Sumpf.

    Mannheimer Richter und Staatsanwälte sind ja nicht ganz unbekannt für ihre Art der Emittlung, und um den Ruf, Unschuldige in den Knast zu sperren.

    Neben der Presseschmiererei:
    Wann endlich kommt ein Straftatbestand gegen lügende oder publizitätgeile Staatsanwälte, lügende Polizisten, und die Richterwillkür in der Bundesrepublik Deutschland? In diesem Bald-Polizeistaat bewegen wir uns immer mehr in Richtung Willkür des Dritten Reiches, wo Richter ohne ordentliche Prüfung willkürlich Hausdurchsuchungen anordnen, beim Zoll eine wilde Willkür herrscht, und Richter Leute willkürlich monate- und jahrelang in Untersuchungshaft sperren können ohne Rechenschaft abgeben zu müssen.

    Wo sind da die vielgepriesenen angeblichen Menschenrechte? Ist das Grundgesetz für diese Leute nur noch ein Satiretatbestand, weil sie sich hinter ihrem Beamtenstatus verbergen können, und das Schlimmste, bei Fehltritten noch geschützt werden?

    Wen diese Gruppe Personen ins Visier genommen hat, dann machen sie denjenigen auch fertig. Sie haben es ja auch geschafft bei Kachelmann, ihm die Existenz kaputt zu machen. Und wie viele Mitbürger fressen es, unschuldig verurteilt zu bleiben, nur weil sie weder das Geld für Rechtsanwälte, noch den Nerv zu jahrelangen Verfahren haben, zumal sie vorher durch diese Gruppe ganz einfach kaputt gemacht worden sind, in Existenz und Privatleben?

  • Willkommen in der Unterschicht: Die Redaktion löscht sachliche Beiträge und lässt Kommentare wie:

    "Sie sind mit Ihrem Verhalten kein deut besser, als der ungebildetete Pöbel aus dem Mittelalter!

    Schon damals schrie man: "Verbrennt Sie! Sie ist eine Hexe!"

    als Kommentare stehen. Manch Älterer glaubt der Internetauftritt habe seine Wurzeln im Handelsblatt der 70er und 80er Jahre. Die Art mit welcher Beiträge editiert und gelöscht werden ist aber eindeutig Meinungsmache und zeigt mit welcher Sorgfalt das Personal beim Handelsblatt ausgewählt wird.

  • @EdmundStoiber

    Das sehe ich hundert Prozent genauso!

  • "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" ...noch bekannt?

    Neben gewissenlosen s.g. Volksvertretern tummeln sich in unserem Staate rücksichtslose Medien unter dem Deckmantel einer masslos missbrauchten Pressefreiheit.

    Medienvertreter können zur unverhofften Gefahr für die eigene Existenz werden!

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass man sich als Medienvertreter zukünftig nicht unbedingt in Kriesengebite aufhalten muss, um einem schwerwiegenden "Arbeitsunfall" zu begegnen.

  • Die Medien sollten stark an die Kette gelegt werden.
    Es ist geht niemanden etwas an, was privat geschieht,
    solange nicht exakt nachgewiesen ist, dass es sich um
    strafrechtliche Aktionen handelt.
    Jeder Mensch hat ein recht auf respektierte Privatsphaere.
    Dr. Kosel

  • Danke izibizi, insbes. für deinen treffenden letzten Absatz !
    Während Schwarzer geschätzte 18 Millionen Abtreibungen in Dland gefeiert hat, dürfen als Konsequenz dieses "Geburtenrückgangs" uns jetzt die "Gutmenschen" gleichen Schlags die unkontrollierte Zuwanderung als unsere "alternativlose Rettung" vorgaukeln.

  • @Inoxis63
    Zugegeben, der Na(n)zi war und ist ein Schreibfehler bzw. Flüchtigkeitsfehler. Passiert Ihnen das nie?
    Was den in allen Variationen beschriebenen Pöbel angeht, so fühle ich mich nicht angesprochen. Ich halte mich da an die Tatsache, dass mein Gegenüber immer mein Spiegel ist und ich darin nur erkennen kann, was in mir selbst ist.
    Ich wünsche Ihnen gute Besserung.

  • Ein wunderbarer Artikel, danke.
    Auch ohne Häme für die emanzipierte Dame.

    Ich habe damals das erste Interview im Fernsehen gesehen vom Anwalt der Ex Geliebten von Herrn Kachelmann. Es war so unglaublich dumm dahingestammelt, der hat selber nicht mal an die Geschichte geglaubt. Das war damals so deutlich, dass ich nie an einer Verurteilung geglaubt habe.

    Ich würde mir von Herrn Kachelmann wieder das Wetter zeigen lassen.

    Der hat schon immer gesagt, was er richtig oder falsch, gut oder beschissen findet. Alle wollten ihn damals sehen, weil er ein TYP war, der sich nicht verbiegen läßt.



  • Nur am Rande:

    Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit linken Parteien (vor allem mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen.

    => Wir leben leider in einer Art Meinungsdiktatur

  • Kachelmann for Bundeskanzler!!!

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