Luftverschmutzung Smog in Peking erreicht extreme Ausmaße

Nie war es schlimmer: Peking ist von dichtem Smog eingehüllt. Inzwischen ist die Konzentration so hoch, dass sie Schlaganfälle auslösen kann. Dennoch denkt die Regierung weder an Fahrverbote noch an Industrie-Auflagen.
12 Kommentare
Nebel bei wolkenlosem Himmel: In Peking verdeckt Smog die Sonne. Quelle: dpa

Nebel bei wolkenlosem Himmel: In Peking verdeckt Smog die Sonne.

(Foto: dpa)

PekingDie Luftverschmutzung in Peking nimmt erschreckende Ausmaße an. Die Smoglage in der chinesischen Hauptstadt hat sich am Samstag noch weiter verschlimmert, die Verschmutzung erreichte bislang unbekannte Höchstwerte. Die Behörden riefen die 20 Millionen Bewohner auf, so wenig wie nötig vor die Tür zu gehen. Alte, Kranke oder Kinder sollten die Häuser gar nicht verlassen. „Wir raten den Bürgern, sich von schwer verschmutzten Stadtgebieten fernzuhalten und körperliche Anstrengungen oder Freiluftaktivitäten zu vermeiden“, hieß es auch in einem Appell des Umweltüberwachungszentrums der Stadt.

Seit drei Tagen werden die Metropole und andere Städte in Nordchina von starkem Smog heimgesucht, der weit über die sonst schon übliche schwere Luftverschmutzung hinausgeht. Der Schadstoffindex der US-Botschaft in Peking für den besonders gesundheitsgefährdenden Feinstaub kletterte am Samstag auf die Rekordmarke von 728. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagte ein Pekinger, der den Index seit Jahren verfolgt. Früher endete die Skala immer bei 500. Nur unter 50 gilt die Luft noch als „gut“, über 300 schon als „gefährlich“.

Ähnlich stiegen auch die Messwerte der chinesischen Umweltbehörden, die sonst meist niedriger liegen, auf einen Spitzenwert von 456 für die kleinen Schadstoffpartikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometer, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Ärzte warnten, dass die extrem hohen Schadstoffkonzentrationen Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Atemwegsleiden, Geburtsschäden oder Krebs auslösen können.

Viele Menschen trugen einen Mundschutz gegen die schlechte Luft. In den twitterähnlichen, „Weibo“ genannten chinesischen Mikroblogs, äußerten sie ihre Empörung. „Die Luftverschmutzung ist so schlimm, wie ich sie noch nie erlebt habe“, hieß es. „Es ist überall neblig, die Luft riecht versengt.“ Einige klagten über gesundheitliche Beschwerden: „Mein Hals tat mir beim Schlafen weh.“

Trotz des heftigen Smogs wurden allerdings keine Fahrverbote für Autos oder Beschränkungen für Fabriken oder Kraftwerke verhängt. Es blieb bei Appellen. Auch ist vorerst keine Besserung in Sicht, da die ungünstige Wetterlage am Wochenende noch anhalten soll.

Die Stadt verhängt trotz gefährlich hoher Smog-Werte kein Fahrverbot. Quelle: dpa

Die Stadt verhängt trotz gefährlich hoher Smog-Werte kein Fahrverbot.

(Foto: dpa)

Das Problem war nicht allein auf die Hauptstadt begrenzt. Außer Peking litten auch andere Städte wie Handan, Baoding, Shijiazhuang in der angrenzenden Provinz Hebei oder Zhengzhou in der Provinz Henan unter schwerem Smog. Der Tageszeitung „China Daily“ zufolge überschritten die Schadstoffwerte in diesen vier Städten am Freitag die offizielle Messgrenze von 500. Nach den weniger strengen chinesischen Standards ist die Luft nur bei Werten unter 100 noch unproblematisch.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Luftverschmutzung - Smog in Peking erreicht extreme Ausmaße

12 Kommentare zu "Luftverschmutzung: Smog in Peking erreicht extreme Ausmaße"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Wandlung Chinas hat doch nur Vorteile gebracht:

    Raubbau an der Natur, Ausbeutung der Menschen, Verschwendung von Ressourcen und Energie, Arbeitsplatzvernichtung in Europa, Technologietransfer von Europa nach Asien, Erschaffung eines starken Konkurrenten für europäische Unternehmen, sozialer Neid in China, erstarken von Korruption und Verbrechertum, die dortige Einführung westlicher Fast Food Ernährung mit ihren Folgen usw.

    Da ist der Smog im Anfangsstadium doch auch nicht mehr schlimm. Der gehört einfach dazu!

  • Die Kohleheizungen sollten ersetzt werden durch einen schnellen,massive Ausbau von Kernkraftwerken in gesamt China.Kohle sollte generell durch AKW`s substituiert werden, weltweit.

  • " Nur dieses Bild ist ganz klar manipuliert worden!" -

    Wirklich?

    http://www.youtube.com/watch?v=HEJvzzwZYdw

  • Ich war letztens im Industriemuseum in Oberhausen. Da war extrem interessant, dass es bereits im ausgehenden 19. Jhdt. im Ruhrgebiet umfangreiche Untersuchungen und Nachweise zur Umweltverschmutzung gegeben hat. Insofern ist ihre Aussage nicht korrekt. Es war bekannt, aber da die Existenzen davon abhängen, hat die Abwägungsentscheidung etwas anderes ergeben...

  • Bei dem Bild auf der Titelseite hat aber jemand mit Photoshop nachgeholfen! Ich war dieses Jahr in Beijing und dort sieht es sooo stockdunkel-düster garantiert noch nicht aus. Smog dort unten ist aber auf jeden Fall schon heftig genug. Nur dieses Bild ist ganz klar manipuliert worden!

  • @mondahu

    Im 19. Jahrhundert sind die Leute auch mit 35 Jahren gestorben.

    Außerdem war das Wissen um Smog und seine gesundheitliche Auswirkung noch nicht mal im Ansatz untersucht/erforscht. Man wusste zwar vielleicht, dass Abgase, Smog (wie im Bericht als Beispiel genannt) ein Kratzen im Hals auslösen können. Doch erst in heutiger Zeit wissen wir, dass sich feine Staubpartikel in der Lunge langrfistig ablagern und die Lunge so dauerhaft belasten usw.

    Ihre Aussage trieft gerade zu vor Ignoranz.

  • Hi Mondahu...ich hatte mehrfach für einige Tage die Luft Teherans und Bangkoks "genossen". Diese können auch ohne jeden ökologischen Glauben zu Übelkeit führen und die Lebenserwartung senken.

    Ich hatte auch mal Anfang der 80er Jahre einige Zeit im Raum Aachen verbracht. Viele Kohlekumpel haben seinerzeit mit ihrem Kohledeputat geheizt und Ende 1989 ein paar Tage in Leipzig. Gegen Bangkok und Teheran ist das harmlos.

    Meines Erachtens gilt es einen gesunden Mittelweg zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen zu finden.

    Problematisch sind wahrscheinlich in Peking die Millionen Kohleheizungen. Eine Umstellung auf Gas und Fernheizzentralen mit Rauchgaswäschern, Elektrofiltern, oder wenigstens hohen Schornsteinen wäre anzuraten.

    Vandale

  • Das nenne ich eine wirtschaftsfreundliche Politik.Ach wär´s bei uns doch auch so!Die scheiß Grünen haben uns wirklich nur unqualifiziertes Gemecker und höhere Kosten beschert.Wer erfolgreich sein will muß eben auch eine Zeit lang die Luft anhalten können.

  • Irgendwann werden auch die Chinesen erkennen müssen, daß Wirtschaftwachstum ohne Umweltschutz auch für die Reichen die Lebensqualität zerstört!

  • Das Ruhrgebiet war im 19. Jhdt um keinen Deut besser und niemand hat sich beschwert.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%