Musikpreis Campino trägt Antisemitismus-Debatte um Rapper auf die Echo-Bühne

Darf ein Lied mit einer von vielen als antisemitisch verstandene Textzeile mit einem Preis gekrönt werden? Die Debatte lässt nicht lange auf sich warten.
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Campino „Das ist keine Kunst, sondern antisemitisch“

Campino „Das ist keine Kunst, sondern antisemitisch“

BerlinCampino steht auf der Bühne und spricht das an, was im Vorfeld der Veranstaltung schon seit Wochen die Gemüter erhitzt hat. Wo hört die künstlerische Freiheit auf und wo ist die Grenze? Er kenne sich als Sänger der Toten Hosen mit Provokation aus, sie könne konstruktiv sein, sagte er in seiner Dankesrede für den Echo in der Kategorie Rock National. Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht“, sagt er. Großer Applaus und stehende Ovationen im Publikum.

„Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?“, fragt Campino, der etwas nervös wirkt. Diese Debatte sei wichtig und nötig. Und dann das: Kollegah und Farid Bang gewinnen tatsächlich den Echo. „Das ist ja fast schon wie ein Trostpreis nach Campino“, sagte Farid Bang zu dem Preis für das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker wie Campino nicht, sagte Kollegah. Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum zeigt er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle.

Schon im Vorfeld hatte es heftige Kritik an der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ aus dem Song „0815“ der beiden Musiker gegeben. „Dass ausgerechnet am 12. April, dem Holocaust-Gedenktag in Israel, die Echo-Verleihung von dieser Nominierung überschattet wird, ist makaber und beschämend“, hatte Peter Maffay „Bild.de“ gesagt. Ähnlich hatten sich schon zuvor das Internationale Auschwitz Komitee und der Zentralrat der Juden geäußert.

Aber Campino geht es nicht um einen Rap-Song, wie er selbst sagt. „Es geht doch vielmehr um einen Geist, der zur Zeit überall präsent ist“, betont der 55-Jährige. „Nicht nur in der Musik, sondern auch in den sozialen Medien, im täglichen Fernsehtrash und in der Politik.“ Die Debatte trübt die Stimmung, die anderen Auftritte werden wohl weniger in Erinnerung bleiben - obwohl überraschend viele internationale Stars zur Echo-Gala nach Berlin gekommen sind. Zum Auftritt von Luis Fonsi gesellt sich überraschend Helene Fischer, die ihren 17. Preis gewinnt. Der bislang immer nur nominierte Mark Forster gewinnt seinen ersten Preis als Künstler Pop National.

Aber nicht alles glänzt wie der goldene Teppich, über den die Stars vor der Show gegangen waren. Der große Gewinner des Abends ist Popstar Ed Sheeran, der drei Preise abräumt, sich allerdings nur per Videobotschaft aus Japan bedankt. Einige der Künstler, die als Moderatoren eingespannt werden, wirken etwas verloren auf der Bühne. Der Newcomer National, Wincent Weiss, plaudert in einer Laudatio hauptsächlich von den Alkoholeskapaden der letzten Nacht.

Doch eines wird wohl auch in den kommenden Tagen und Wochen Thema bleiben: Die hitzige Debatte über künstlerische Freiheit und ihre Grenzen - und über den deutschen Rap, der kommerziell so erfolgreich ist, für manchen aber mitunter die Grenzen überschreitet.

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  • dpa
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