Nach Israel-Gedicht Broder und Döpfner kritisieren Grass

Das Gedicht von Günter Grass löst weiter deutliche Reaktionen hervor. Aus der Akademie der Künste heißt es, man müsse „ein klares Wort sagen dürfen“. Aus den deutschen Medien schallt dagegen teils schärfste Kritik.
Update: 05.04.2012 - 11:14 Uhr 37 Kommentare
Schall und Rauch: Günter Grass Quelle: dpa

Schall und Rauch: Günter Grass

(Foto: dpa)

BerlinNach seiner scharfen Kritik an Israels Atompolitik geht die Debatte um Literaturnobelpreisträger Günter Grass und seine Äußerungen weiter. Dabei stößt der 84-Jährige vorwiegend auf heftigen Protest, vereinzelt aber auch auf Zustimmung.

Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, nahm Grass gegen Kritik in Schutz. „Man muss ein klares Wort sagen dürfen, ohne als Israel-Feind denunziert zu werden“, sagte Staeck der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Die reflexhaften Verurteilungen als Antisemit finde ich nicht angemessen.“ Grass habe das Recht auf Meinungsfreiheit und nur seiner Sorge Ausdruck verliehen. Diese Sorge teile er mit einer ganzen Menge Menschen. Der israelische Historiker Tom Segev sagte im Deutschlandradio Kultur, Grass „ist kein Antisemit, er ist nicht anti-israelisch.“

Der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Axel Springer, Mathias Döpfner, kritisiert Grass dagegen stark. In einem Beitrag für die „Bild“-Zeitung schreibt Döpfner, Grass versuche „im raunenden Ton des Moralisten“ die Schuld der Deutschen am Holocaust zu relativieren, indem er die Juden zu Tätern mache. Unter dem Titel „Der braune Kern des Zwiebel“ schrieb Döpfner, es gehe jetzt nicht mehr darum, was Grass gesagt habe, sondern nur noch, wie die Deutschen darauf reagierten.

In dem Echo auf das Gedicht spielt auch die Tatsache ein Rolle, dass Grass seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS Jahrzehnte verschwiegen hatte und erst 2006 in seinen Memoiren offenbarte. Der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, sprach von einem „Machwerk des Ressentiments“. Grass würde es sicher gerne sehen, dass nun eine Debatte entsteht, ob man als Deutscher Israel kritisieren dürfe, meint Schirrmacher.

Die Debatte müsse aber darum geführt werden, ob es gerechtfertigt sei, die ganze Welt zum Opfer Israels zu machen, nur damit Grass „seinen Frieden mit der eigenen Biographie machen kann“, schrieb Schirrmacher in der „F.A.Z.“.

Auch der amerikanische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel geht hart mit Günter Grass ins Gericht. „Ich verstehe es einfach nicht und kann es nicht begreifen. Was ist da passiert? Ist der alte Deutsche plötzlich zurückgekehrt und hat sein Haupt erhoben?“, schrieb er heute in einem Gastkommentar in der israelischen Zeitung „Jediot Achronot“.

Der Iran werde von einem grausamen Diktator beherrscht, der wiederholt die Absicht bekundet habe, Israel zu zerstören. „Wie kann Grass denn da entscheiden, dass Israel den Weltfrieden bedroht und nicht der Iran“?, fragt der Friedensnobelpreisträger weiter.

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37 Kommentare zu "Nach Israel-Gedicht: Broder und Döpfner kritisieren Grass"

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  • Iran baue an einer Atombombe? Es wäre ein leichtes, diese Waffen von Russland zu bekommen. Amerika war ja auch der Meinung der Irak hätte Massenvernichtungswaffen, was sich später als Irrtum oder besser als Lüge herausstellte. Es ist immer die Frage wem nützt es ?Israel oder besser gesagt einige Israelische Politiker sollten wohl mal erst vor der eigenen Tür kehren bevor es über andere richtet. Grass Deutung( eines deutschen) stört den Israeli's, deutsche U-Boote zu kaufen, wohl nicht. natürlich wird man sagen" man müsse sich schützen , mit deutschen Waffen ?

  • Es ist doch lustig zu sehen wie ähnlich die Hysterie der Pro-Israel Szene in den Kommentaren mit denen aus Politik und Gesellschaft gleichzieht.
    Eine vernünftige Argumentation gegen die Meinung von Grass kann man allerdings nirgends finden.
    Ergo, hat Grass hundertprozentig ins Schwarze getroffen, und durch die Hysterie wird die Mehrzahl der noch unentschiedenen Menschen sich nach und nach auf die Seite von Grass stellen.

  • Erschreckend an der Diskussion ist, wie wenig sie, zum überwiegenden Teil, mit dem "Gedicht zu tun hat.
    Das Gedicht ist politisch aber nicht antisemitisch. Es stellt folgende Dinge dar:
    - Israel hat Atomwaffen,
    - Israel besteht auf dem Recht zum Erstschlag,
    - der Iran könnte durch einen Atomschlag ausgelöscht werden.

    Hauptthema ist aber, Deutschland liefert U-Boote ab Israel die für Atomraketen geeignet sind.

    Als Nebenthema erscheint, warum dazu geschwiegen wird, ob wir als Deutsche oder er als Günter Grass das Recht haben, darauf hinzuweisen.

    Es gibt keine einzige antisemitische Zeile! Es ist auch nicht antiisraelisch. Der Iran wird nicht gelobt, sondern kritisiert.
    Selbst lesen und prüfen!

  • Die ganze Politik des westens ist doch ein einziges Lügenbabel. Warum soll hier ein Land soviele Atombomben anhäufen können, wie es ihm gerade einfällt ? Das aufgrund einer Behauptung, der Iran werde in Kürze die Atombombe beitzen. Es wurde ja auch schonmal behauptet, saddam besitze allesvernichtende bc Waffen.......es geht doch hier mehr darum, die Macht des Staates Israel noch weiter zu steigern. Und was sollen wir tun, dazu jubeln ? es wäre ja nun sicher nicht zu weit gedacht, wenn man sagte, ein Atomwaffenarsenal kann für alle gefährlich sein. Naja, das "auserwählte Volk" ist eben wirklich was besonderes und bekommt natürlich sein "besonderes Existenzrecht".

  • Ich finde es schon sehr interessant, mit welcher Hysterie das aufgeschreckte Establishment verzweifelt und reflexiv versucht, einen widersprechenden Denker um jeden Preis sofort nieder- und jede Kritik sofort wortstumm zu machen. Das hat mit demokratischen Diskurs und Meinungsfreiheit garnichts zu tun und erinnert eher an die Praktiken im Sozialismus!

    Er hat gleich zwei Dinge erzielt: Erstens, den ganz offensichtlichen Widerspruch in der Behandlung des Staates Israel aufgezeigt, insbesondere wie Kritik an einem mit den modernsten Waffen ausgestatteten, atomwaffenbesitzenden - aber von der internationalen Gemeinschaft unkontrolliert - das Westjordanland, Ostjerusalem, den Südlibanon und die Golanhöhen okkupierenden Staat denk-verboten sein soll.

    Zweitens das Tabu angegriffen, das Deutsche nur noch die Rolle haben sollen zu kuschen und zu zahlen, aber nicht selbst und kritisch zu denken.

    Beides ist natürlich grundfalsch und das unbeabsichtigte Aufdecken dieser intoleranten und dominierenden Denk- und Handlungsweise ein Verdienst der Hysterie bei den PCisten. Vielen Dank für die Aufklärung!

  • @stonewalljackson
    Nun, was regen Sie sich auf. Nicht ich habe Grass für den Friedesnobelpreis vorgeschlagen sondern Sie haben die Idee gehabt.Sie werden sich ja etwas dabei gedacht haben, wenn Sie wissen was Denken ist und das will ich doch zu Ihrem Vorteil annehmen.

  • @ Cora

    Für diesen Fall hätte sich dann der Angehörige der
    SS-Panzerdivision FRUNDSBERG G-Ü-N-T-E-R G-R-A-S-S
    rechtzeitig geoutet.

  • @stonewall jackson
    Tja warum nicht. Wäre mal was anderes, wenn ein Literaturnobelpreisträger auch noch Träger des Friedensnobelpreises wäre.
    Liege ich ganz falsch, wenn ich erinnere, dass auch der verteufelte J. Arafat 1994 oder war es 1995 Friedensnobelpreisträger war?

  • @ Cora

    Warum nicht direkt Mahmud und Günter für den
    Friedensnobelpreis vorschlagen?

  • Günter Grass hat mehr Charakter wie der ganze Bundestag einschl. der DDRUsrael-Kanzlerin.

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