Neuseeland Mehr als 300 Grindwale verendet

Rätselhaftes Walsterben in Neuseeland: In Farewell Spit auf der Südinsel stranden mehr als 400 Grindwale. Etwa 300 sind schon tot. Trotz aller Anstrengungen schwimmen nur wenige Tiere zurück ins offene Meer.
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Über 400 Grindwale sind Medienberichten zufolge in Neuseeland gestrandet. Mindestens drei Viertel sollen am Morgen des 10. Februar bereits tot gewesen sein. Quelle: dpa
Wale in Neuseeland gestrandet

Über 400 Grindwale sind Medienberichten zufolge in Neuseeland gestrandet. Mindestens drei Viertel sollen am Morgen des 10. Februar bereits tot gewesen sein.

(Foto: dpa)

WellingtonBei einem der schlimmsten Walsterben in der Geschichte Neuseelands sind am Freitag mehr als 400 Grindwale gestrandet. Trotz aller Rettungsversuche verendeten am Strand von Farewell Spit in den ersten Stunden bereits etwa 300 Tiere. Mehrere hundert freiwillige Helfer versuchten, die Wale zurück ins tiefere Wasser zu schieben - meist jedoch ohne Erfolg. Der abgelegene Strand auf der Südinsel des Pazifikstaates war früher schon für Wale zur tödlichen Falle geworden.

Insgesamt zählte die neuseeländische Naturschutzbehörde DOC (Department of Conservation) an der Landzunge, dem nördlichsten Zipfel der Südinsel, 416 gestrandete Grindwale. Nur etwa 50 davon konnten zurück ins Meer bugsiert werden und schwammen dann davon. Mehrere Dutzend andere Tiere kehrten jedoch gleich wieder an den Strand zurück. Überall lagen Kadaver herum.

Brutpflege auf prall gefüllten Schatzkisten
Tiefseekrake Casper
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Im März 2016 ging das Bild eines Kraken um die Welt: Das Weichtier wurde in der Nähe der Hawaiiinseln in 4000 Meter Tiefe von einem ferngesteuerten Tauchroboter gefilmt und erlangte Weltruhm, nachdem die Bilder im Web veröffentlicht worden waren. Die Webgemeinde gab dem nahezu durchsichtigen Kraken den Namen Casper, in Anlehnung an das bekannte Trickfilm-Gespenst. (Foto: NOAA Office of Ocean Exploration)

Tiefseekrake am Grund des Peru-Beckens
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Jetzt berichten Forscher unter anderem des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) über weitere Begegnungen mit bislang unbekannten Tiefseekraken. Und über mögliche Gefahren, die den Tieren drohen könnten. Denn die Tiefseebewohner brüten ihren Nachwuchs gewissermaßen auf gefüllten Schatzkisten aus. (Foto: ROV-Team, GEOMAR)

Mit Tauchrobotern aufgespürt
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Mit einem ferngesteuerten Tauchroboter untersuchten die Wissenschaftler ein Gebiet im Peru-Becken im südöstlichen Pazifik. Dabei stießen sie in gut 4000 Meter Tiefe auf mehrere bislang unbekannte Arten von Tiefseekraken. (Foto: NOAA Office of Ocean Exploration)

Mangan-Knollen am Meeresgrund
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Wie sich zeigte, nutzen die Tiere Manganknollen als Brutplätze. Die Knollen gelten als mögliche Rohstoffquellen der Zukunft, sie enthalten Metalle, die unter anderem in Handys und Computern verwendet werden.

Tiefseekrake im Peru-Becken
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Zwei der von den Forschern entdeckten Kraken bewachten gerade ihr Gelege, als die Kameras auf sie gerichtet wurden. Diese Tiere hatten ihre Eier an die Stängel abgestorbener Schwämme geheftet, welche wiederum auf Manganknollen gewachsen waren. (Foto: AWI-OFOS Launcher Team)

Tiefseekrake bewacht Gelege
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Die Knollen dienten den Schwämmen als einziger Ankerpunkt auf dem sonst sehr schlammigen Untergrund. „Ohne die Manganknollen hätten die Schwämme an dieser Stelle nicht leben können – und ohne Schwämme hätten die Kraken keinen Platz für ihr Gelege gefunden“, erläutert AWI-Wissenschaftler Autun Purser. (Foto: AWI-OFOS Launcher Team)

Im Fokus von Bergbaufirmen
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Da diese Schwämme nur in wenigen eng begrenzten Gebieten wachsen, könnte das die Kraken in Gefahr bringen, fürchten die Wissenschaftler. Denn diese Regionen befinden sich im Fokus von Tiefseebergbaufirmen, welche die Manganknollen bald abbauen möchten. (Foto: AWI-OFOS Launcher Team)

Der genaue Grund für das Massensterben ist unklar. Die Walschutzorganisation Project Jonah äußerte die Vermutung, dass es eine Kombination aus ungewöhnlich hohen Temperaturen und Erkrankungen sein könnte. Bekannt sind Fälle, in denen viele Wale einem kranken Leittier ans Ufer folgten. Möglicherweise war auch das Echolot-System der Tiere gestört, durch Unterwasserlärm oder andere Faktoren.

Die etwa 500 freiwilligen Helfer streichelten die noch lebenden Wale, deckten sie zu und kippten Meerwasser über sie. Auf diese Weise wurde versucht, sie kühl zu halten und ihnen genügend Feuchtigkeit zu verschaffen. Einer der Helfer sagte dem Online-Nachrichtenportal Stuff.co.nz: „Das ist eines der traurigsten Dinge, die ich jemals gesehen habe. So viele einfühlsame Wesen, die jetzt einfach wie Müll auf dem Strand liegen.“

Im Februar 2015 waren in Farewell Spit allerdings schon einmal 200 Grindwale gestrandet. Damals konnten 60 Tiere wieder ins Meer zurückgebracht werden. Auf den neuseeländischen Chatham Islands waren 1918 sogar tausend Wale gestrandet, in Auckland 1985 etwa 450 Tiere.

Grindwale - auch Pilotwale genannt - werden bis zu acht Meter lang. Männliche Tiere können ein Gewicht von bis zu drei Tonnen erreichen. Die Säuger bevorzugen gemäßigte und kalte Gewässer. Auf der Südhalbkugel sind sie in allen Ozeanen zu finden, auf der Nordhalbkugel nur im Atlantik.

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  • dpa
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