Prävention Terrorziel Hauptbahnhof – die Polizei übt den Ernstfall

Leben retten, Täter ausschalten: Das ist bei Terrorangriffen auch die Aufgabe der Streifenpolizisten. Im Frankfurter Hauptbahnhof üben sie das nun.
Update: 26.03.2018 - 12:16 Uhr 1 Kommentar

Terroranschläge in Deutschland – So trainiert die Polizei

Frankfurt/MainDie ersten Schüsse kommen aus der unter der Haupthalle liegenden B-Ebene. Dann hastet eine Gruppe von Passanten die Treppen empor in den Bahnhof, gejagt von maskierten und bewaffneten Männern, die sofort das Feuer auf dort wartende Reisende eröffnen. Panik bricht aus, nach einer Explosion können sich viele wegen der Rauchwolken schwer orientieren. Einige Menschen flüchten hinter eine Stützsäule, andere krümmen sich schreiend auf dem Boden, stöhnen oder schreien um Hilfe.

Das ist der Anblick, der sich den herbeieilenden Bahnpolizisten bietet, die nun schnellstmöglich weitere Terroropfer verhindern und die Täter unschädlich machen müssen. In geduckter Haltung, sich gegenseitig Deckung gebend, verfolgen sie mit gezogener Waffe die Schützen, während andere Beamte Verletzte aus der Schusslinie bringen.

In der Nacht zu Mittwoch ist dies nur eine Übung mit Kunstblut, Rauchbomben und Übungswaffen. Doch nach den Anschlägen von Paris, Brüssel, Madrid oder London ist klar: Es kann auch jederzeit in Deutschland zu einem Ernstfall kommen. „Deutschland ist gefährdet, keine Frage“, sagt der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) in einer Pause der nächtlichen Übung im Frankfurter Hauptbahnhof. Die Übung in Frankfurt ist die erste in einem Großstadtbahnhof, in den kommenden Monaten ist mit einer Übung am Flughafen Köln-Bonn ein weiteres Szenario mit einem „weichen Ziel“ geplant – also einem Ort, der nur schwer zu schützen ist. Auch in Stuttgart und München sollen Übungen folgen.

In „normalen“ Krisenfällen, bei Geiselnahmen und ähnlichen Extremsituationen sorgen Streifenbeamte, die als erste am Tatort sind, meist vor allem dafür, dass keine weiteren Menschen gefährdet werden und rufen etwa nach einem Spezialeinsatzkommando (SEK). Doch bei einem Angriff von Terroristen kann nicht auf das Eintreffen von Scharfschützen und anderen Spezialkräften gewartet werden. „Wir haben gesehen, wie islamistische Terroristen vorgehen“, sagt Joachim Moritz, Präsident der Bundespolizeidirektion Koblenz. „Das sind Täter, die versuchen, weiter Schaden anzurichten, solange sie eine Waffe in der Hand haben.“

Schon die erste Doppelstreife, die am Tatort eintrifft, müsse daher schnell reagieren und die Täter nach Möglichkeit ausschalten. Das Hauptziel sei, „die Täter zu eliminieren“, betont Moritz. Zwischen Schreien und Schüssen, Rauchnebel und Panik ist das eine besondere Herausforderung. In der Übungsnacht in Frankfurt bekommen die Bereitschaftspolizisten bereits nach einer Minute Hilfe von Beamten des Frankfurter Polizeipräsidiums. Im Ernstfall wären die Polizisten des nahegelegenen vierten Reviers binnen etwa zehn Minuten vor Ort.

Die Verzahnung von Bundes- und Landespolizei, das Schaffen sicherer Räume, in denen Rettungskräfte Verletzte versorgen können – das gehört ebenso zur nächtlichen Übung wie das eigentliche Terrorszenario. Insgesamt sechs Übungsdurchläufe mit unterschiedlichen Szenarien gibt es in dieser Nacht, insgesamt 700 Polizisten und Rettungskräfte sind an Planung und Durchführung beteiligt. Die Statisten, die die Terroropfer mimen, sind Polizeianwärter.

Beamte mit Clipboard und Kameras sind nah dran an der Übung, machen sich Notizen für die spätere Auswertung. Auch eine Drohne steigt auf, um den Einsatz zu dokumentieren. Denn die Übung soll auch zeigen, wo noch Verbesserungspotenzial steckt.

„Wir müssen jederzeit mit einem Terroranschlag rechnen“, sagt Moritz. „Deswegen üben wir mit großem Aufwand so eine Lage.“ Um eine echte Panik zu verhindern, hatte die Polizei die Übung in einem durch Sichtschutzwände abgetrennten Teil des Bahnhofs schon einen Tag zuvor angekündigt. Offenbar erfolgreich: Als kurz vor Mitternacht Schüsse und Explosionsgeräusche aus dem Bahnhofsgebäude dringen, reagieren die meisten Menschen an der gegenüberliegenden Straßenbahnhaltestelle nicht einmal mit einem kurzen Blick.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Prävention: Terrorziel Hauptbahnhof – die Polizei übt den Ernstfall"

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  • PRÄVENTION
    Terrorziel Hauptbahnhof – die Polizei übt den Ernstfall
    Leben retten, Täter ausschalten: Das ist bei Terrorangriffen auch die Aufgabe der Streifenpolizisten. Im Frankfurter Hauptbahnhof üben sie das nun.

    .....................

    NICHTS NEUES NUR DASS DIESES ERST JETZT BEKANNT WURDE IN DIESER FORM !

    ANTI-TERRORISMUS POLIZEI übten schon vor lange zeit wie man etwa einen BUS aus den Händen von eventuellen terroristen wieder weg nimmt.

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